40 Limousinen fahren die Stars zur Filmgala
07.12.2009 | 12:19 Uhr 2009-12-07T12:19:00+0100
Essen/Bochum. Zur Verleihung des 22. Europäischen Filmpreises in Bochum wird Prominenz aus aller Welt erwartet. Im Essener Schloss Hugenpoet werden wohl nur die Topstars der Verleihung schlafen. 40 Limousinen fahren vor die Jahrhunderthalle, damit Stars wie Isabelle Huppert nicht frieren müssen.
Wenn die Kulturprominenz mal unter sich sein möchte, dann verzieht sie sich ganz gerne auf eine Anhöhe. Der grüne Hügel von Bayreuth ist so ein Ort der gehobenen Abschottung. Dass man auch im Ruhrgebiet nicht nur bodenständig feiert, soll am kommenden Samstag in der Bochumer Jahrhunderthalle bewiesen werden. Mit der Verleihung des 22. Europäischen Filmpreises erlebt das Revier auf einer seiner sachten Erhebungen den ersten Höhepunkt des anstehenden Kulturhauptstadt-Jahres. Es geht bergauf, das ist eine wesentliche Botschaft der von Anke Engelke moderierten Filmpreis-Gala. 1400 Gäste werden erwartet, die Fernsehbilder in 40 Länder geschickt.
Isabelle Huppert soll nicht frieren
Botschaften sind gut, Stars sind an solchen Abenden noch besser. Und von denen soll es reichlich geben. Mehr als 40 Limousinen sind bestellt, um allein die 200 Ehrengäste der Europäischen Filmakademie bis vor den Roten Teppich zu fahren. Die filigrane Französin Isabelle Huppert soll schließlich nicht frieren, bevor sie ausgezeichnet wird. Genauso wenig wie der britische Regisseur Ken Loach, Ehrenpreisträger der Europäischen Film Akademie, der bereits am Freitagabend mit einer festlichen Gala in der Essener Lichtburg für sein Lebenswerk gefeiert wird. Kino-Schönheit Penélope Cruz, so sie denn wirklich kommt, würde ein Großteil des männlichen Publikums vermutlich am liebsten auf Händen in die Jahrhunderthalle tragen.
Wer in Bochum sonst noch erwartet wird? Schauspieler Moritz Bleibtreu kommt als frisch gekürter EFA-Botschafter. Ebenso der britische Regisseur Stephen Daldry, der für seine Schlink-Verfilmung „Der Vorleser” in gleich drei Kategorien nominiert ist. Mitbringen könnte er seinen jungen Hauptdarsteller David Kross, der als neuer deutscher Leinwand-Liebling für einen erhöhten Kreisch-Faktor vor der Jahrhunderthalle sorgen könnte.
Leiser liebt es der österreichische Regisseur und Oscar-Anwärter Michael Haneke, der mit seinem Film „Das weiße Band” auch als heißer Favorit für den Europäischen Filmpreis gilt.
Preise in 17 Kategorien
In insgesamt 17 Kategorien wird die mit Sternchen verzierte Film-Trophäe vergeben, was beinahe schon Oscar-Dimensionen erreicht.
Nun sind Filmkunst und Glamour auf den ersten Blick nicht unbedingt das Wesen des Ruhrgebiets, und deshalb kann Jeanine Minaty (großes Foto oben) nur raten, mit welchem Autogrammjäger-Aufkommen vor der Jahrhunderthalle zu rechnen sein wird - trotz geschlossener Gesellschaft im Saal. Minaty ist für den Filmpreis so etwas wie Zeremonienmeisterin der Ruhr.2010. Sie hat die Wünsche von gleich vier Gastgebern unter einen Hut zu bringen. Die Europäische Filmakademie, die Filmstiftung NRW, die Düsseldorfer Staatskanzlei und schließlich die Ruhr.2010 sind gemeinsame Ausrichter des cineastischen Großereignisses.
Eine Premiere für NRW. Und gleichzeitig die Feier einer kulturhauptstädtischen Ursprungsidee. Vor 22 Jahren wurde der Preis in Berlin aus der Taufe gehoben - in der damaligen Europäischen Kulturhauptstadt. Seither wird die Filmpreis-Gala jährlich im Wechsel zwischen Berlin und einer anderen europäischen Metropole ausgerichtet: London, Rom, zuletzt Kopenhagen. Und nun eben das Ruhrgebiet mit Essen und Bochum als neue Herzkammer des europäischen Films.
Ken Loach hat es gern einfach
Die Vorbereitungen laufen: Interview-Anfragen aus aller Welt, Security für die Großen, Hotelreservierungen für eine geheim gehaltene Anzahl von Kinoprominenz. Wer im feinen Essener Schloss Hugenpoet schläft, darf behaupten, zu den Topstars der Verleihung zu gehören. Außer vielleicht Ehrenpreistäger Ken Loach, von dem man weiß, dass er es gern einfach hat.
Womöglich könnte man den Mann am Samstag sogar zu Fuß den Hügel rauflaufen lassen. Jeanine Minaty hat sich entschieden, vorsichtshalber beim Straßenverkehrsamt vorzufühlen, damit der Limousinen-Pendelverkehr zwischen Essen und Bochum nicht zum Erliegen kommt. Zwischen Filmpreis und Empfänger liegt diesmal nicht nur der Weg durch die Jury-Instanzen, sondern am Ende die wie immer staugeplagte A 40.

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