Sport

„Man braucht natürliche Autorität“

30.04.2012 | 12:52 Uhr
„Man braucht natürliche Autorität“
Thorsten Kinhöfer aus Herne ist Fifa-Schiedsrichter. Foto: Andreas Mangen

Herne.   Der Herner Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer spricht mit Zeus-Reportern über die Herausforderungen seines Berufs.

Wenn im Juni in Polen und der Ukraine die Fußball-EM über die Bühne geht, dann wird auch der Herner Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (43) ganz genau hinsehen. Unsere Zeus-Reporter haben ihn zu den Herausforderungen seines Berufes und zum Fußball in anderen Ländern befragt.

Zeus: Warum sind Sie Schiedsrichter geworden und wie sind Sie darauf gekommen?

Thorsten Kinhöfer: Schiedsrichter bin ich geworden, weil mein damaliger Verein (SV Holsterhausen) keine Schiedsrichter hatte, aber jeder Verein Schiedsrichter stellen muss. Ich wurde mit 16 Jahren gefragt, ob ich die Ausbildung zum Schiedsrichter machen möchte. So bin ich der Bitte meines Vereines nachgekommen und Schiedsrichter geworden.

Herne, Felix Schulenburg, Fußball EM 2012 - Nicht nur die Spieler sind dabei!, Moritz Schulte, Felix Schulenburg und Thorsten Kinhöfer Foto: Autoren, Nur zur Verwendung im Rahmen von Zeus!

Sie haben 2003 in Korea einige Spiele in der dortigen K-League gepfiffen. Gibt es Unterschiede zwischen dem koreanischen und deutschen Fußball? Wenn ja, welche?

Es war eine sehr schöne Zeit in Seoul. Der eindeutige Unterschied ist, dass in Deutschland sehr viel körperbetonter und schneller gespielt wird. In Korea sind viel weniger Zuschauer bei den Spielen. Im Stadion sind pro Spiel teilweise nur 1000 bis 3000 Fans anwesend. Auch die Atmosphäre ist anders. Man kann sich vorstellen – ein Riesenstadion mit 40.000 bis 50.000 Plätzen
und
nur
5000
Zuschau-
er bei den Spielen. Mit nichts zu vergleichen in der 1. Bundesliga.
Man kann die Koreanische K-League in etwa mit der 2. oder 3. Bundesliga gleichstellen.

Würden sie gerne nochmals in einer der anderen Top-Ligen Spiele leiten?

Klar, das macht man indirekt, wenn man internationale Spiele leitet. Ich habe auch schon Spiele in Saudi-Arabien oder Katar gepfiffen, dort sind aber nur teilweise 500 bis 1000 Zuschauer im Stadion. Doch wenn man in Deutschland Spiele in der 1. Bundesliga leitet, dann kann man theoretisch auch in der ganzen Welt Spiele pfeifen.

Was war ihr bisher größtes sportliches Erlebnis?

Es war das Pokal-Finale 2010, Bremen gegen Bayern. Das war mein Karriere-Highlight und Schiedsrichtertraum.

Wie wird entschieden, wo welcher Schiedsrichter eingesetzt wird?

Es gibt eine









Schiedsrichterkommission. Herbert Fandel, ehemaliger Topschiedsrichter Deutschlands, teilt als Chef dieser Kommission die Schiedsrichter Woche für Woche ein. In der UEFA ist das genauso, nur ist dort Pierluigi Collina verantwortlich.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den anderen Schiedsrichtern?

Wir sind eine Gruppe von 20 Schiedsrichtern. Mit dem einen habe ich mehr Kontakt, mit dem anderen weniger. Das ist genauso wie in einer Schulklasse.

Sie müssen Spielern in vielen Situationen sagen, wo es lang geht. Wie machen Sie das und wie reagieren die Spieler darauf?

Es ist eine natürliche




























Autorität, die man sich als
Schiedsrichter erarbeitet. Ich muss ein Spiel so leiten, dass ich es jederzeit im Griff habe. Körpersprache, Gestik, Mimik und eine natürliche
Autori-
tät
sind
die
Helfer

des Schieds-
richters.













Werden Schiedsrichter psychologisch betreut?

Ja. Es besteht ein Angebot auf psychologische Hilfe zurückzugreifen. Der Druck, den ein Bundesliga-Schiedsrichter aushalten muss, ist enorm groß. Und wenn dann jemand psychologische Hilfe benötigt, kann er dieses Angebot des DFB annehmen.

Was denken Sie, wenn ein Spieler oder Trainer Sie öffentlich kritisiert?

Natürlich ist es nicht schön, wenn man von den Medien schlecht dargestellt wird. Es kommt vor, dass Spieler und Trainer die Öffentlichkeit mit ins Boot nehmen, um von den eigenen Schwächen abzulenken. Wenn eine Mannschaft schlecht gespielt hat, ist es ein leichtes den Schiedsrichter zu kritisieren. Sachliche Kritik muss sein, um eine Verbesserung der Leistung zu erzielen.

Wie können oder sollten Schiedsrichter auf eigene Fehlentscheidungen reagieren?

Man muss die Fehler analysieren und daraus Lehren ziehen. Für mich ist ein Fehler keiner. Aber den gleichen Fehler ein zweites Mal zu begehen ist fahrlässig. Und Fahrlässigkeit kann ich mir im Spitzensport nicht erlauben.

Wie stehen Sie zu den angedachten elektronischen Hilfsmitteln im Fußball?

Ein Chip im Ball wäre vor allem für die Assistenten optimal, da es oft ungemein schwer ist zu erkennen, ob ein Ball wirklich hinter der Linie war oder nicht. Ob dieser Chip eingesetzt wird, entscheidet die International Football Association Board.

Werden wir Sie in einem Fußballspiel der EM sehen, oder schauen Sie sich die EM privat an?

Die Spiele ohne deutsche Beteiligung schaue ich mir im privaten Kreis an. Die deutschen Spiele werden beim Public Viewing im Park im Herner Stadtgarten gezeigt. Dort werde ich mit vielen weiteren Fans mitfiebern und der deutschen Mannschaft die Daumen drücken.

Felix Schulenburg, Moritz Schulte, Klasse 8d, Otto-Hahn-Gymnasium, Bottrop

Zeus-Reporter

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