Kommentar

Eltern bremsen die Integration ihrer Kinder aus

21.06.2012 | 12:05 Uhr
Funktionen
Eltern bremsen die Integration ihrer Kinder aus
Mehr Multi-Kulti in der Kindertagesstätte würde Integration von Kindern mit Migrationshintergrund verbessern. Foto: ddp

Essen.  Kinder mit Migrationshintergrund haben es oft schwer, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, weil Eltern eine falsche Entscheidung getroffen haben, sagen zwei Zeus-Reporterinnen.

Es ist Montagmorgen und die Kinder aus der Jona-Kita in Heidhausen versammeln sich zum Frühstück an den großen Gruppentisch. Es wird gelacht, getuschelt und von den Erlebnissen vom Wochenende erzählt. Dabei fällt nicht auf, dass ein Drittel dieser Kinder einen Migrationshintergrund haben. Denn sie haben sich gut in die Gruppe integriert, da sie auch die deutsche Sprache gut beherrschen. Sie schotten sich auch nicht von den deutschstämmigen Kindern ab, sondern freunden sich mit diesen an.

Doch solch eine Verhaltensweise ist nicht bei jeder Kindertagesstätte üblich. Laut Experten bremsen Eltern mit ausländischen Wurzeln oft und manchmal gar nicht bewusst die Integration ihrer Kinder durch eine schlechte Kita-Wahl und mangelnder bis keiner Förderung bzw. Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache.

Viele ausländische Eltern wählen zum Beispiel Tagesstätten aus, bei denen die Mehrheit der Kinder zu Hause kein Deutsch spricht. Daraus ergibt sich, dass die Anstrengung in diesen Familien bei der Suche nach einer geeigneten Kita immer mehr nachlässt.

Doch auch deutschstämmige Eltern spielen dabei eine Rolle. Die meisten Erziehungsberechtigten wählen Kitas mit sehr hohen Lernchancen aus. Doch in diesen ausgewählten Einrichtungen sind so gut wie keine fremdsprachigen Kinder. Dies hat den Grund, dass die einheimischen Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder von anderen beim Lernen gebremst werden, da letztere die deutsche Sprache meist nur teilweise beherrschen.

Nachvollziehbar, aber nicht gut

Vor kurzem erklärte der türkische Präsident Tayip Erdogan, dass Eltern mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache nicht annähernd wie die Mutersprache beherrschen, diese nicht den Kindern näher bringen sollten, da sie durch mangelnde Sprachkenntnisse falsch vermittelt werden könnte. Er schlug dementsprechend vor, dass die Kinder als erstes die Muttersprache beherrschen sollten, um dann in die Fremdsprache überzugehen.

Schon in den Kitas könnte die deutsche Sprache gefördert werden und auch in den Schulen würde eine Förderung deutscher Sprachkenntnisse helfen.

Die Abschottung voneinander ist die Folge des nachvollziehbaren Handelns der Eltern. So haben Kinder mit Migrationshintergrund keine Gelegenheit, Deutsch auch in der Freizeit, also im informellen Rahmen zu lernen und sich schon früh in die deutsche Gemeinschaft zu integrieren. Deshalb muss die Integration bei Kindern in mehreren Bereichen der Gesellschaft verbessert werden.

Anastasia Kacugin und Melina Tango, Klasse 8a, Bischöfl. Mariengymnasium, Essen

Zeus-Reporterinnen

Kommentare
Von Arnsberg bis Xanten
Zeus-Reporter sind in vielen Städten unterwegs. Um eure Artikel zu finden, klickt hier einfach auf eure Heimatstadt.
Aus dem Ressort
Zu Besuch im RWE Zukunftshaus in Bottrop
Energie
Im Rahmen des Energie Wettbewerbs Innovation City baute RWE in Bottrop ein 60er-Jahre Haus zu einem Plus-Energiehaus um. Doch was steckt dahinter?...
Das Labyrinth der Rohre
Oxea
Selbst den PH-Wert von einer präparierten Probe bestimmen, durften die Zeus-Reporterinnen Franziska Illigen, Nadja Albert und Kristina Karimova bei...
Kein Heiz-, sondern ein Kühlproblem
Energie
Ein Einfamilienhaus, das sich selbst mit Energie versorgt? Geht das überhaupt? Dieser Frage ging Zeus-Reporter Tim Graute im Zukunftshaus in Bottrop...
Im eigenen Bett ist es am gemütlichsten
HomeSpot
Manchmal reichen schon wenige Worte, um zu sagen, wo man sich am liebsten aufhält. Für Zeus-Reporterin Victoria Luise Cooper ist es der Ort, an dem...
Wie schwer ist der Job als Lehrkraft in einem Gymnasium
Bildung
In der Schule machen die Schüler die ganze Arbeit, könnte man denken. Wie schwer der Job als Gymnasial-Lehrer ist, haben die beiden Zeus-Reporterinnen...
Kontakt
Der heiße Draht zu uns
Fragen, Wünsche, Mitteilungen? Hier könnt ihr mit uns in Kontakt treten. Telefon: 0201 / 804 1965 oder über unser Kontaktformular.