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Trianel Windpark

Schwere See vor Borkum

29.06.2012 | 19:53 Uhr
Schwere See vor Borkum
Imposant: Die Hubinsel „Goliath“, die Fundamentrohre für die Tripods des Off-Shore-Windparks „Borkum West II“ in den Meeresgrund rammt.

Herten/Bremerhaven. Ungeahnter Rückschlag für den Trianel Windpark Borkum West II, an dem auch die Hertener Energiehandelsgesellschaft (HEH) mit knapp 7 Mio Euro nicht unmaßgeblich beteiligt ist. Durch massive Verzögerungen beim Netzanschluss durch den Übertragungsnetzbetreiber Tennet verschiebt sich die ursprünglich für den Jahreswechsel 2012/’13 geplante Inbetriebnahme der 800 Mio Euro teuren ersten Ausbaustufe des Off-Shore-Parks 45 Kilometer vor Borkum mit 40 Windkraftanlagen und einer Leistung von 200 MW um mindestens ein halbes Jahr. „Das bedeutet Mehrkosten in Millionenhöhe“ erklärte Trianel, der Verbund von Stadtwerken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, dieser Tage.

Obwohl die Windenergieanlagen des Herstellers AREVA Wind planmäßig geliefert wurden, führten, wie es heißt, letztlich unerwartete Produktionsengpässe bei einigen Zulieferern dazu, dass die Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co KG (TWB) den gesamten Errichtungszeitplan nun komplett neu ausrichten muss.

Laut Tennet hängt die Fertigung der 700 Tonnen schweren dreibeinigen Fundamente, der so genannten Tripods, durch die Georgsmarienhütte AG-Tochter Weserwind AG ebenfalls deutlich hinter dem Zeitplan zurück. Probleme würde auch die Fertigstellung der von Alstom Grid verantworteten Umspannplattform bereiten, mit deren Hilfe der auf dem Meer erzeugte Windstrom an Land gebracht wird und die eigene Stromversorgung sichert. Tripods und auch das Umspannwerk sollen aber dennoch noch im laufenden Jahr installiert werden, die entsprechenden Errichtungszeitfenster mit den Installationsunternehmen sind vertraglich gesichert.

Seit Baubeginn am 1. September 2011 waren die Arbeiten im Windpark planmäßig vorangeschritten. Ein halbes Jahr nach Baustart hatte die Jack-Up-Barge „Goliath“ wie berichtet alle der insgesamt 120 Pfähle zur Befestigung der Tripods in den Meeresboden gerammt. Auch AREVA Wind, der Hersteller der Windenergieanlagen, lieferte planmäßig, so dass im März die ersten 20 von insgesamt 40 Gondeln für den Windpark fristgerecht übergeben werden konnten.

Die einzelnen Komponenten der Windkraftanlagen wie Turmsegmente, Rotorblätter und die Gondeln liegen nun zur Endmontage bereit, derzeit werden die ersten Fundamente zum Baufeld vor Borkum gebracht und in den Meeresboden eingelassen.

Hertener halten 3,7 Megawatt

Die am Windpark beteiligten Stadtwerke und Trianel kostet die Verzögerung bares Geld. Auch die HEH, eine Schwester der Hertener Stadtwerke, die den ersten kommunalen Off-Shore-Windpark in einer über dreijährigen Projektentwicklungsphase mit 33 weiteren Gesellschaftern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden einst geplant hat und die mit 3,7 Megawatt am Gesamtvolumen von 200 MW beteiligt ist, wird zunächst tief in die Tasche greifen müssen. Wie tief genau, ist derzeit noch unklar.

„Unsere Gesellschafter haben sich aber mehrheitlich dafür entschieden, gemeinsam diese Hürde zu nehmen und den Ausbau der Off-Shore-Windenergie weiter voranzutreiben“, so TWB-Geschäftsführer Klaus Horstick.

Begrüßenswert gerade in schweren Zeiten wie diesen sei dabei die Absicht der Bundesregierung, im Sommer einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den Ausbau der Off-Shore-Windenergie unterstützt und dabei insbesondere die offenen Haftungsfragen löst. Horstick: „Von den aktuellen Problemen der noch jungen Off-Shore-Industrie ist die gesamte Branche betroffen. Wenn der von der Regierung geplante Ausbau gelingen soll, dann müssen einfach die Investitionsrisiken minimiert werden.“

Ungeachtet möglicher Gesetze will Trianel alle nötigen Schritte unternehmen, den Verursachern die durch die Verzögerungen entstandenen Zusatzkosten in Rechnung zu stellen. An der Gesamtfinanzierung sind nicht weniger als elf europäische Banken beteiligt, was in der Branche aufmerksam beobachtet wird.

Norbert Ahmann

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