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Erste Hilfe bei "blutiger Entlassung"

13.06.2012 | 08:00 Uhr
Erste Hilfe bei "blutiger Entlassung"
Die Krankenschwester Carolin Tembrink vermittelt Angehörigen von Kranken, wie den Patienten später zu Hause geholfen werden kann.Foto: Tom Thöne

Oberhausen.  Viele Patienten werden bereits nach wenigen Tagen wieder entlassen und benötigen dann Hilfe zu Hause. Besonders für alte und alleinstehende Menschen stellt dies ein Problem dar, denn sie benötigen weiterhin Pflege. Angehörige bekommen nun ein Hilfsangebot, das sie in der Pflege unterstützt.

Um Kranken auch zu Hause rasch Hilfe vermitteln zu können , gründeten die KKO (Katholische Kliniken Oberhausen) vor rund einem Jahr ein Patienteninformationszentrum. Der Bedarf ist groß.

Das Angebot soll ausgeweitet werden. Der Klinikaufenthalt fällt immer kürzer aus. Nach wenigen Tagen geht es oft schon wieder ab nach Hause. Schlimm für ältere Menschen, aber auch für jüngere, die alleine leben.

Nicht nur für die eigenen Patienten, auch für viele andere aus Osterfeld und der Stadtmitte ist das Zentrum längst eine Anlaufstelle geworden, bestätigt KKO-Pflegedirektorin Bernadette Berger. Zwei an der Universität Bielefeld zusätzlich ausgebildete Krankenschwestern pro Standort (St. Marien und St. Josef) stünden an jeweils zwei Tagen pro Woche als Ansprechpartnerinnen bereit.

Den Alltag der Menschen erleichtern

Carolin Tembrink ist eine davon. Sie ist am St. Marien-Hospital im Einsatz. Morgens trifft sie sich zuerst mit Fall-Managerin Sylvia Sikorra. „Spätestens 24 Stunden nach einer Neuaufnahme haben wir uns ein Bild darüber verschafft, bei wem nach der Entlassung eine zusätzliche Hilfe nötig sein dürfte“, erzählt sie. Die betroffenen Patienten suche sie gleich auf der Station auf. „Dabei komme ich auch schnell mit den Angehörigen ins Gespräch.“

Danach wird ein Termin ausgemacht. „Wir fahren zu den Leuten nach Hause und gucken, wie wir ihnen den Alltag erleichtern können“, sagt Tembrink. Mal sei ein Haltegriff im Bad erforderlich, mal ein höherer Toilettenaufsatz sinnvoll. Carolin Tembrink erklärt die technischen Hilfsmittel und übt deren Einsatz nach der Entlassung mit den Patienten ein.

In schweren Fällen zeigt sie den Angehörigen gleich die wichtigsten Pflegetricks – zum Beispiel, wie man jemandem sicher aus dem Bett hilft. „Dabei sage ich den Angehörigen immer, dass sie auf ihren Rücken achten sollen und dass sie den Kranken ruhig mitarbeiten lassen, soweit er das kann“, führt Tembrink aus.

Hilfe bei der Antragsstellung für eine Pflegestufe

Auch wenn eine langfristige Pflegebedürftigkeit droht, stehen die Beraterinnen Betroffenen und Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen unter anderem bei der Antragstellung für eine Pflegestufe. „Die meisten Familien versuchen, ihre Angehörigen so lange wie möglich zu Hause zu betreuen“, ist die Erfahrung, die Tembrink im letzten Jahr machte. Das sei nicht immer leicht. „Zumal, wenn man berufstätig ist – und dafür nicht gleich seinen Job aufgeben will.“

Deshalb sei es so wichtig, ein Netzwerk aufzubauen. Auch dabei sind die Pflegekräfte behilflich. „Wir gucken etwa, ob es Nachbarn, Freunde oder entfernte Verwandte gibt und ob diese bereit sind, zumindest einen Teil der Pflege zu übernehmen“, erläutert Tembrink. Darüber hinaus arbeite das KKO-Team aber auch mit allen Pflegediensten, mit Hausärzten, Sanitätshäusern, Kranken- und Pflegekassen, Heimen, Rehakliniken und – gerade wenn Kinder betreut werden müssen – auch mit der Stadt eng zusammen.

Junge Patienten fallen oft durch die sozialen Netze

Mütter könnten eine Kinderbetreuung über ihre Krankenkasse beantragen. „Zumindest, wenn die Kinder unter zwölf Jahren sind, dafür wird eine Haushaltshilfe bewilligt“, weiß Bernadette Berger. Je nach Schweregrad der Erkrankung könne auch eine Anschluss-Rehabehandlung nötig sein. Vor allem junge Patienten, die nach der Entlassung zu Hause nur für drei, vier Wochen eine Hilfe benötigten, fielen aber durch alle sozialen Netze. Für häusliche Hilfsmaßnahmen fühlten sich in diesen Fällen weder die Kranken- noch die Pflegekasse zuständig. Letztere springt erst bei Maßnahmen ein, die länger als ein halbes Jahr benötigt werden. Aber auch dafür hat das KKO-Team inzwischen eine Lösung gefunden: „Wir arbeiten mit Ehrenamtlichen zusammen, die dann Einkäufe und Ähnliches übernehmen.“

Das Patientenbüro am St. Marien-Hospital ist Mittwoch und Freitag von 8 bis 17 Uhr besetzt und unter Tel. 0208/8991-6682 zu erreichen. Die Mitarbeiterinnen im Büro am St. Josef-Hospital sind zeitgleich unter Tel. 0208/837-6575 gesprächsbereit. Das Angebot kann von allen Oberhausenern genutzt werden und wendet sich keineswegs nur an Patienten der KKO.

St. Marien und St. Josef bieten spezielle Pflegekurse für Angehörige an. Die Kurse finden an drei Abenden statt und laufen jeweils über drei Stunden. Der nächste startet am 28. Juni. Weitere Info und Anmeldung: Tel. 0208/8991-6682.

Barbara Hoynacki



Kommentare
14.06.2012
07:21
Erste Hilfe bei
von Bella74 | #2

Viele Krankenhäuser haben doch schon lange interne soziale Dienste, die bei Bedarf und in Absprache mit Patient und Angehörigen sich um die ambulante Weiterversorgung kümmern. Ich habe in den vielen Jahren in der ambulanten Pflege viele Anrufe solcher Mitarbeiter gehabt, welche uns so neue Patienten angeboten haben. Das ist wirklich nicht neu und mittlerweile fester Bestandteil des Qualitätsmanagements (es gibt sogar einen offiziellen Expertenstandard dazu: Entlassungsmanagement)

13.06.2012
13:42
Was ist daran neu?
von kopfschuettelnd | #1

Amb. Pflegedienste sind lt. Versorgungsvertrag verpflichtet 24 Std./Tg. erreichbar zu sein. Sie beraten, helfen bei Antragstellungen u. Problemen mit den Behörden (welche übrigens auch eine gesetzliche Beratungspflicht haben).
Warum wird o.g. Einrichtung so hochgehoben? Auch Pflegedienste machen Beratungsbesuche vor Ort, beraten zu Pflegehilfsmittel, Wohnraumanpassung und nehmen Kontakt zu den zuständigen Ärzten auf und organisieren ggf. eine Versorgung durch Pflege(fach)kräfte Zuhause, usw.
Vielmehr wäre es die Pflicht eines Krankenhauses frühzeitig den Patienten zu informieren u. ihn(!) einen Pflegedienst aussuchen zu lassen, welcher- mit den Informationen des Krankenhauses- bereits noch vor Entlassung mit der Organisation der Abläufe Zuhause beginnen kann. Lieber wird bis auf den letzten Drücker gewartet um am Morgen der Entlassung auf den hauseigenen Pflegedienst hinzuweisen...

1 Antwort
Eigenen Dienst
von wiebeler | #1-1

Genau so und nicht Anders!
Auch wenn nicht über all aber oft.
Warum haben den viele Krankenhäuser und oder Hausärzte ihren eigenen Pflegedienst?
Bestimmt nicht um den Konkurrenten zu empfehlen.

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