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Vorübergehend nicht erreichbar

12.03.2012 | 19:30 Uhr
Vorübergehend nicht erreichbar
Wiedersehen mit den Handys: Ronahi, Melina, Lucas, Deniz

Kreuztal. Sie ist vorbei, die Woche ohne Schirm. „Ich hab’s gemacht, es hat sogar Spaß gemacht“, zieht Nils seine Bilanz der Tage ohne Handy, ohne Computer, ohne Fernsehen. Ein paar Stunden muss er jetzt sogar dranhängen. Während Ronahi und Lucas schon mal einen Blick auf den Bildschirm ihres Smartphone werfen, schaut Nils ins Schwarze. Das Akku hat sich abgemeldet.

Dr. Michael Neu hat mit seinem Philosophie-Grundkurs aus der 11 gewettet – und gewonnen: Die Gruppe hat es nicht geschafft, aus jedem Jahrgang einen Jungen und ein Mädchen zum Mitmachen zu bewegen. Die „9“ hat gepatzt. was den Erfolg der Aktion nicht mindert. Um die 80 Schülerinnen und Schüler des städtischen Gymnasiums haben mitgemacht, und bis auf 20 hat die große Mehrzahl durchgehalten. Dafür gibt es heute in der großen Pause ein Eis zur Belohnung.

Ganz anderer Sonntagohne Fernsehen

„Ich schicke meinem 13er Kurs auch schon mal E-Mails“, gibt Oberstudiendirektor Herbert Hoß zu. So einfach ist das eben nicht mit dem Verzicht auf elektronische Kommunikation. Michael Neu drückt es drastisch aus. „Man hat im Grunde kein Recht darauf, sein Leben ohne Internet und Handy zu verbringen.“ Wer sich das Recht für diese Woche wenigstens versuchsweise nimmt, nervt seinen Informatiklehrer. Oder „ruiniert Freundschaften“, wie Michael Neu zugibt, der an seinem Geburtstag unerreichbar war.

„Es war nicht so schwierig, wie ich gedacht habe“, erzählt Ronahi. Das Lernen für Mathe, ganz ohne Ablenkung durch SMS, hat gut geklappt. „Nur das Wochenende ohne Fernsehen, das war schon komisch.“ Und die Sache mit den Freunden? Ja, erinnert sie sich, da war die Erwartung, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Aber wer hat vom anderen schon die Festnetz-Telefonnummer?

Julie aus der fünften Klasse hätte die Woche ohne Schirm ja genossen. „Aber gestern Abend war’s doof.“ Da wollte ihr Vater nämlich fernsehen... Auch die anderen berichten in der großen Runde, die sich im Medienraum versammelt hat: Einer hat mehr Bücher gelesen, eine hat mehr mit Leuten geredet, einer hatte sogar Zeit für einen Mittagsschlaf. Und warum hat’s bei manchen nicht geklappt? „Ich habe nicht mehr dran gedacht“, gesteht Franziska aus der 8, und auch ihre Klassenkameradin Angelina ist ehrlich: „Ich wollte ,Deutschland sucht den Superstar’ sehen.“ Und Deniz aus dem Philosphiekurs erklärt, warum sie das Experiment gar nicht erst gewagt hat. „Ich wusste, dass ich es nicht schaffe“, sagt sie, „ich weiß, dass ich abhängig bin.“

Zeit zum Backen,Spielen und Stricken

Michael Neu kommt mit einem dicken Packen Papier aus dieser großen Pause. Viele der Teilnehmer haben nicht nur einen Fragebogen ausgefüllt, sondern sehr ausführlich dargelegt, wie es ihnen ohne die Flut der elektronischen Nachrichten ging. Ein Spiel spielen, das voriges Jahr unterm Weihnachtsbaum lag: „Das hatte ich noch nicht ausprobiert.“ – „Ich habe zwei Mal gebacken und eine neue Sportart ausprobiert“, berichtet jemand.

Was bleibt? Sicher kein Leben ohne PC, Fernsehen und Handy. „Es kommt aufs rechte Maß an“, folgert Philosophielehrer Michael Neu. Das dürften seine Probanden nicht anders sehen. „Ich werde auch in Zukunft öfter mal den Stecker ziehen und die Stricknadeln klappern lassen“, verspricht einer, „obwohl ich kein Mädchen bin.“

Steffen Schwab



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