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Im Geschäft geht es um die Wurst

26.04.2012 | 09:00 Uhr
Foto: Udo Milbret

Mülheim. Zur Mittagsstunde, um kurz vor 12 Uhr, drängeln sich an der Wursttheke die Leute vor Salami und Mortadella. Die Verkäuferinnen verständigen sich über Headsets, wiegen Aufschnitt ab und schieben Schinkenscheiben nach.

In der Metzgerei Nieß in Heißen geht es zu Stoßzeiten immer rund. Doch die Konkurrenz durch benachbarte Discounter und ihre langen Öffnungszeiten ist groß. Fachgeschäfte müssen mithalten und setzen dabei auf ihre größten Stärken: Vertrauen auf Qualität und den Geschmack alter Familienrezepte.

1903 wurde das Geschäft gegründet

„Hier geht’s lang“, sagt Heinz Günter Nieß und führt hinter die Kühltheken-Kulissen zu den Büros. Dort hat Frank Nieß die Übersicht über Bildschirme, auf denen man die Mitarbeiter im Verkaufsraum hantieren sieht. Die Brüder Frank und Heinz Günter leiten den Laden seit 1991, bereits in der vierten Generation. „Der Urgroßvater hat das Geschäft 1903 gegründet“, erzählt Heinz Günter Nieß und zeigt auf ein Schwarzweiß-Foto an der Wand.

Seit 1906 sitzt das Familienunternehmen an der Honigsbergerstraße 72, gegenüber des Heißener Marktplatzes. Damals arbeitete nur die Familie im Betrieb, heute hat das Unternehmen 36 Mitarbeiter. Dem Geschäft geht’s gut, es habe aber auch schon bessere Zeiten gegeben.

"Mehr Dienstleistung und längere Öffnungszeiten"

„Und es wird immer schwieriger“, sagt Heinz-Günter Nieß. „In den 70er Jahren gab es in Mülheim weit über 30 Metzgereien“, erinnert er sich . „Heute sind es nur noch eine Handvoll.“ In ihrer direkten Nachbarschaft konkurrieren alleine fünf Supermärkte und Discounter um Kunden.

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Als Fachgeschäft könne nur mithalten, wer mitzieht. „Mehr Dienstleistung und längere Öffnungszeiten.“ Heißt: „Für den klassischen Sonntagsbraten hat heute kaum noch jemand Zeit – also geht es immer mehr in Richtung Fertiggerichte.“ So biete das Fachgeschäft Hausmannskost in vorgekochter Form, 20 verschiedene Gerichte. „Angefangen haben wir vor zehn Jahren mit zehn Rouladen in der Woche, heute sind es 140“, erklärt Frank Nieß.

Die Metzgerei bereitet alles selbst zu, sieben Tage in der Woche brutzelt’s in der Küche von 5 bis 21 Uhr – Salate, Braten, Eintöpfe. Allein die Fleischwurst wird jeden Tag drei- bis viermal im Kessel gekocht. „Das ist jeden Tag ein Mordsaufwand, der sich natürlich im Preis widerspiegelt.“

Die Kunden vertrauen der Ware

Aber auch im Qualitätsstandard. In diesem Punkt, sehen die Nieß-Brüder ihren Vorteil: Kein Fertiggericht aus dem Supermarkt komme ohne Konservierungsstoffe aus – in der Metzgerei, die mehrfach täglich frisch zubereitet, schon. „Und das merken unsere Kunden.“ So sind es die Fachgeschäfte, die von Skandalen wie BSE oder Antibiotika im Hühnerfleisch profitieren. „Die Kunden vertrauen dann auf unsere Ware.“ Denn diese bezieht der Betrieb von Bauern aus der Region, zu denen bereits seit Generationen Kontakt besteht. „Wir vertrauen den Bauern zwar, lassen die Betriebe aber trotzdem von einem unabhängigen Labor kontrollieren.“

Mit der Zeit gehen

„Wir müssen auf Trends achten und mit der Zeit gehen“, verweist Heinz Günter Nieß auf den Partyservice. „Der Laden macht etwa 75 Prozent des Umsatzes aus, 25 Prozent fahren wir mit dem Partyservice ein.“ Vom Polterabend bis zur Goldhochzeit: Nieß richtet Veranstaltungen aus und beliefert Unternehmen mit Essen für den Mittagstisch. Der Großteil ihrer Kunden komme nicht nur aus Heißen, sondern aus dem gesamten Stadtgebiet, etwa 90 Prozent seien Stammkunden.

Auch wenn sich Zeiten und Umstände ändern – die Wurst wird immer noch nach Urgroßvaters Familienrezepten zubereitet. Die schmecken den Mülheimern schließlich schon seit 100 Jahren.

Gesunde Ernährung

 

Kristina Mader



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