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Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport

23.06.2012 | 09:00 Uhr
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
Alfred Beyer, Vorsitzender des Vereins für Bewegungsförderung und Gesundheitsport. Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool

Mülheim. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen fordert die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung am gesellschaftlichen Leben. Dass die sogenannte Inklusion in Mülheims Sportszene noch das Dasein eines Stiefmütterchens fristet, zeigt nicht nur ein aktueller Fall: Ein Fußballverein empfahl zwei körperlich beeinträchtigten Zehnjährigen, sich einen neuen Verein zu suchen. Ihre Leistungsstärke reiche nicht.

Die Mutter der Zwillinge berichtete der WAZ von ihrer Not, nicht zum ersten Mal von Vereinen den Laufpass bekommen zu haben. Beim VfB Speldorf standen die Kinder vor dem Sprung in die D-Jugend. Trainer Pierre Riemer bewertete ihre Leistungsfähigkeit allerdings als zu schwach. Wie den Eltern mehrerer anderer Kinder auch, so die Mutter, habe er den Vereinswechsel nahegelegt. „Das finde ich diskriminierend meinen Söhnen gegenüber“, klagt sie. Warum mache der VfB nicht eine neue Gruppe auf für die Kinder, die nun gehen sollten? Enttäuscht sucht sie nun einen Verein, „der auch geringere Leistungen wertschätzt“. Beim MSV 07 können die Zwillinge die Zeit vor den Ferien zur Probe mittrainieren. Aber geht’s dort dann auch nach den Ferien weiter?

Auslese findet beim Sprung in die D-Jugend statt

VfB-Trainer Pierre Reimer kann den Frust „vollkommen nachvollziehen“. Irgendwann müsse der VfB, auch wegen seiner Ansprüche als ranghöchster Verein der Stadt, „den Schnitt machen“. Der Verein weise Eltern, die ihre Kinder anmeldeten, auch darauf hin, dass beim Sprung in die D-Jugend eine Auslese stattfinde, um sich möglichst mit allen Teams für die Leistungsklasse zu qualifizieren. In jüngerer Vergangenheit habe der Verein im Bambini-, F- und E-Jugendalter, so räumt Riemer ein, wohl zu viele Kinder aufgenommen – „das wird zum Problem, weil wir vielen Kindern vor den Kopf stoßen müssen“. Unter neuer Jugendleitung sollen künftig schon bei der F- und E-Jugend Probetrainings klären, welche Kinder die Leistungsansprüche des Vereins erfüllen.

Für Alfred Beyer , Vorsitzender des Vereins für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS), zieht sich ein Problem stadtweit durch die Sportszene: „Sobald der Leistungsaspekt gilt, gibt es Diskrepanzen.“ Da seien aber auch Eltern bei der Vereinsauswahl gefordert, ihren Kindern spätere Enttäuschungen zu ersparen. Der VGBS, bei dem etwa die Hälfte der 300 Mitglieder eine Behinderung haben, sieht die Idee der Inklusion, der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auch im Sport, in Mülheim wie anderswo mit reichlich Anlaufschwierigkeiten behaftet. Klar: Es gebe etwa die zwei integrativen Fußballgruppen beim TuS Union – „aber auch dort haben die Kinder nur sehr wenige Spiele, keinen echten Ligabetrieb“.

Für Beyer fehlen integrative Breitensportangebote auf Vereinsebene. Angebote ohne Leistungsmaxime. Die Stadt hinke weit hinter den Ansprüchen der UN-Konvention hinterher. Tatsächlich findet sich im aktuellsten Sportbericht der Stadt für das Jahr 2010 nicht einmal das Stichwort Inklusion. Auch auf den Webseiten des Mülheimer Sportbunds (MSB) fehlen Informationen zu integrativem Vereinssport. MSB-Geschäftsführer Jörg Aling konnte auf Anhieb nur den VGBS als Anlaufstelle benennen – und bekennt, „dass wir uns auch im Sportbereich erst noch intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen“. Aber wie das Leitbild in die ehrenamtlich organisierten Vereine tragen? Der MSB, so Aling, warte da auf Lösungsansätze, die derzeit beim Landessportbund erarbeitet würden.

Mirco Stodollick



Kommentare
25.06.2012
15:23
Schlecht recherciert
von stepe69 | #12

Vielleicht hätte sich der Verfasser dieses Berichtes erst mal mit den Vereinsverantwortlichen unterhalten sollen und nicht mit einem Trainer, der die beiden betroffenen Kinder nicht einmal trainiert hat. Diese beiden Kinder haben in der E3 des Vereins gespielt und nicht in der E1 die von Herrn Riemer trainiert wird. Zudem wurden die Aussagen die Herr Riemer telefonisch gegenüber dem Verfasser zum Sachverhalt geäüßert hat nicht so dargestellt wie telefonisch besprochen.

Fakt ist:

1. Speldorf schliesst nicht so wie es in dem Bericht rüber kommt Kinder mit Behinderungen aus.
2. Leistungsorientierter Fussball wird auch in Speldorf erst ab der D-Jugend
3. Im F- und E-Jugendalter wird versucht diese Mannschaften in altergerechte Trainingsgruppen einzuteilen, so dass Kinder nicht unter- oder überfordert werden
4. Auch in Speldorf wird versucht allen Kindern eine Trainings- und Spielmöglichkeit zu ermöglichen. Dies ist aber nur möglich, wenn auch genügend Trainer zur Verfügung stehen.

25.06.2012
13:04
Ausgerechnet Speldorf!
von baumjohann | #11

Speldorf mal wieder! Alles an Fördermitteln nehmen, was man kriegen kann. Zwei fette Anlagen dahingestellt bekommen, aber diejenigen ausschließen, die das mitfinanziert haben: Nämlich den Steuerzahler! Das ist krass, zumal es absolut unglaublich ist und allem modernen Jugendfußballdenken widerspricht, bereits in dieser Altersklasse nach Leistung zu gehen. Selbst wenn dies so sein sollte, gibt es immer noch mindestens zwei Teams pro Altersklasse, eine Gute und eine weniger Gute. Schaut man bei Speldorf nach, so ist dies auch dort so. Also hätte man eine Lösung finden können, wenn man gewollt hätte. Diesen Verein allerdings auf eine Stufe mit RWO, MSV, RWE oder ETB zu stellen ist wirklich dreist. Speldorf kann nix und wird es auch niemals schaffen mehr zu leisten, als seine Jungens ab der C-Jugend an 07 zu verlieren. Wieviele Spieler aus der eigenen Jugend sind denn so in der ersten Mannschaft?

3 Antworten
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von besserwisserboy2 | #11-1

Werter baumjohann, das sie wiedermal die Schiene: "Gleiches für alle" fahren ist ja klar. Es muss aber doch einem verantwortlichem Trainer erlaubt sein, die Leistungsfähigkeit von Kindern zu beurteilen und diese auch abzulehnen. Welcher Verein dabei letztendlich im Hintergrund steht, ist doch egal. Bei Ihnen kommt es aber so rüber als wenn sie den genannten Verein grundsätzlich nicht mögen.
Das Thema hier ist aber nicht der "Schwarze Kanal" mit baumjohann,
sondern hier gehts um Inklusion oder, bei fehlendem Leistungsvermögen, auch nicht.
Damit zurück zum Thema:
Wenn schon mehrere andere Vereine abgelehnt haben und auch andere eine Ablehnung beim VFB erhalten haben, wieso ist das diskriminierend?

Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von QuoVadisMuelheim | #11-2

Das hat nichts mit Speldorf zu tun - das könnte genausogut MSV 07 oder TuSpo Saarn oder sonst ein Verein sein. Sind außerdem die Trainingskapazitäten erschöpft, dann können keine Kinder mehr aufgenommen werden. Das wird auch bei anderen Vereinen so gehandhabt. Ihre ewige Nörgelei gegen Speldorf mag persönliche Gründe haben, die hier aber nichts zu suchen haben.

Hier geht es um Speldorf
von baumjohann | #11-3

Nein, hier geht es um Speldorf und um keinen anderen Verein. Für mich hat dieser Verein allein durch seine besondere Förderung in dieser Stadt eine außerordentliche Bringschuld! Die Kinder sind "auch" als Kunden zu betrachten und ein Breitensportverein hat die Aufgabe, diese zu bedienen. Wie gesagt, die jungen Altersklassen sind zahlreich genug beim VFB vertreten, um diese Kinder zu bedienen. Und ich finde nicht, dass ein Trainer das Recht hat, ein Kind abzulehnen. Das kann nur der Jugendleiter bzw. der Vorstand. Und wenn man man von Jugendarbeit spricht, empfehle ich hier mal die "Fair play" Liga und ähnliche Konzepte zu betrachten. Das ist modern und fördert die Leistung, dann wenn es Not tut, nämlich ab der C-Jugend.

25.06.2012
05:35
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von besserwisserboy2 | #10

Meinem Vorkommentator kann ich nur beipflichten. Anmerken möchte ich aber, das aus den Kommntaren 5+6 zu erlesen ist, das dieses Thema auch schon in anderen Zeitungen breitgetreten wurde. Dieses Verhalten ist für meine Begriffe realitätsfern.
Die Eltern sollten sich schnellstens den Kommentar 9 zu Herzen nehmen, denn sie und ihre Kinder werden nach dieser Aktion beim VFB sicherlich nicht mehr gerngesehen sein.

24.06.2012
22:54
Man kann es nicht jedem recht machen
von QuoVadisMuelheim | #9

Im Übrigen ist es bei vielen Vereinen so, dass die Kinder erst einmal zur Probe trainieren. Passen sie vom Niveau her in die Mannschaft und sind noch Kapazitäten frei, werden sie aufgenommen. Passt die Leistung nicht, müssen sie eben einen anderen Verein suchen. Diese Praxis ist gang und gäbe beim Nachwuchs von RWO, RWE, MSV Duisburg, ETB Schwarz Weiß Essen etc.
Seltsamerweise wird das Auswahlverfahren bei diesen Vereinen akzeptiert....
Ob die Ablehnung der Zwililnge letztendlich in die richtigen Worte gepackt waren, kann ich allerdings nicht beurteilen...
Aber: Andere Mütter haben auch schöne Töchter - in diesem Fall Vereine.

24.06.2012
22:49
Man kann es nicht jedem recht machen
von QuoVadisMuelheim | #8

Ein Sportverein steht irgendwann vor der Frage: "Will ich leistungsbezogenen Sport betreiben oder Breitensport für alle?"
Beides zusammen geht in der Regel nicht, da hierfür weder Platz- noch Trainerkapazitäten vorhanden sind.
Der VfB Speldorf hat sich nun mal für die erste Variante entschieden (ob das letztendlich von Erfolg gekrönt sein wird, sei dahingestellt). Demnach ist es eine logische Konsequenz, eben nicht für alle Kinder eine Spielmöglichkeit bieten zu können. Wenn die Zwillinge leistungsmäßig nicht mehr in die neue Mannschaft passen, wäre es unfair den Kindern gegenüber, sie dennoch spielen zu lassen. Wer ehrgeizige Nachwuchskicker beim Spiel beobachtet, wird sehr schnell feststellen, dass leistungsschwächere Kinder den Frust der Stärkeren bei verlorenen Spielen abbekommen. Will die Mutter ihren Nachwuchs dem aussetzen? Wäre es für die Kinder nicht besser, ohne Leistungsdruck in einem Verein zu spielen, der sich dem Breitensport verschrieben hat?

24.06.2012
21:17
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von saarnerjung | #7

Das es irgendwann mal nach Leistung geht steht wohl für jeden außer frage, das war früher schon so und wird auch immer so sein, aber in der f Jugend damit anzufangen ist doch sehr übertrieben !!!

24.06.2012
18:26
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von Spielermama | #6

Als Spielermutter eines Kindes beim VfB Speldorf, liegt es mir doch sehr am Herzen einige Worte zu dem Artikel loszuwerden.
Ich bin doch sehr verwundert darüber, dass sich anscheinend nur Herr Riemer zu den Anschuldigungen geäußert hat. Ich frage mich, wieso der neue Jugendleiter und / oder der 1. Vorsitzende des VfB Speldorf nicht in der Lage waren Stellung dazu zu nehmen. Mich hätte ihre Meinung bzw. ihr weiteres Vorgehen in diesem Fall doch sehr interessiert. Besonders nach einem Artikel vor ca. 3 Wochen in einer anderen Mülheimer Zeitung, in der es hieße, dass der Verein sich nun mehr um die Jugendabteilung kümmern wolle und alles besser werden würde.
Wenn die Herren damit meinen, dass jetzt bereits in der F-Jugend aussortiert werden solle, dann frage ich mich, mit welcher Berechtigung dieses geschieht. Denn soweit ich mich erinnern kann, reden wir hier immer noch von einem Verein, in dem die erste Mannschaft gerade mal NRW Liga spielt!
Jetzt muss ich mir natürlich auch überlegen

24.06.2012
16:40
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von Elternschaft | #5

.... das traurige an der ganzen Sache ist, dass der Trainer P.R. diese Zwillinge aus einer Fussball-AG einer Mülheimer Grundschule zum Verein geholt hat und die Kinder schon ab der F-Jugend in diesem Verein spielen. Nun fällt dem Trainer auf, dass die Kids nicht gut genug sind für den "Ranghöchsten-Verein", das ist ja wohl lächerlich. Zumal der Trainer von der leichten motorischen Behinderung wusste.(die für Aussenstehende überhaupt nicht bemerkbar ist) Bei einigen Trainern bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke.

24.06.2012
13:08
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion in Mülheim
von hugopalm | #4

Es sind ja nicht nur Sportvereine, deren Trainer offensichtlich nicht geschult sind im Umgang von Menschen mit Behinderungen. Es wäre hier sinnvoll einen Co-Trainer zu haben, der wie ein Integrationshelfer sich um die benachteiligten kümmern kann.
Auch die mit viel Tamtam erhaltenen Hauptschule Bruchstraße, die selbst damit wirbt sich für Benachteiligte einzusetzen, zeigt aktuell, wie sie diese Schüler doch am liebsten loswerden würde.
Ich empfehle mal den kollegialen Blick über die nördliche Stadtgrenze, dort gibt es in vielen Bereichen bessere Ergebnisse im Bereich Inklusion.

24.06.2012
08:28
Es ist nicht gut bestellt um die Inklusion im Vereinssport
von denkstewohl | #3

Manchmal frage ich mich, inwieweit sich die Eltern behinderter Kinder mit ihrer Erwartungshaltung gegenüber Dritten an der Realität und vor allem an der Umsetzbarkeit orientieren.

Ich kann schon den Frust der Kinder verstehen, einmal mehr von einer bestimmten Aktivität ausgeschlossen zu sein. Andererseits gilt aber der Leistungsaspekt ganz offensichlich für alle Kinder und diskriminiert nicht aufgrund der Behinderung - Dicke haben vermutlich auch schlechtere Chancen.

Die oft geforderte "Gleichberechtigung" kann einfach nicht in allen Dingen sinnvoll umgesetzt werden, ohne die ebenfalls berechtigten Wünsche und Ziele der "Nicht-Behinderten" erheblich zu beeinträchtigen, ggf. in den Bereich der Unmöglichkeit zu verzerren.

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