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Tipps beim Fahrradkauf

Rad vor lauter Speichen nicht zu sehen

11.05.2011 | 20:00 Uhr
Rad vor lauter Speichen nicht zu sehen
Zweiradhändler Guido Dünnebacke (dunkles Poloshirt) und Thorsten Braukmann. WP-Foto: Florian Hückelheim

Menden. Da gibt es die, die schon immer ein Fahrrad hatten. Und die, die sich erst wieder eines kaufen müssen. Für die, die sich zum bevorstehenden Ruhrtalradwegfest noch einen fahrbaren Untersatz besorgen möchten, haben wir uns bei zweien, die es wissen müssen, schlau gemacht.

„Inzwischen bekommen Interessenten den Eindruck, dass es nur noch Elektro-Fahrräder gibt“, sagt Zweiradhändler Guido Dünnebacke. Die elektrische Tretunterstützung erfreut sich nämlich stetig wachsender Beliebtheit. Sein Kollege Thorsten Braukmann aus Lendringsen kann den Trend nur bestätigen. Für Radfahrer, die lange keine ausgedehnten Touren bestritten haben oder die bei steilen Passagen etwas Hilfe haben möchten, sei der Hilfsmotor ideal. „Senioren entdecken das Radfahren so wieder für sich“, sagt Dünnebacke.

Gute Räder ab 350 Euro

Beide Fachhändler interessieren sich jedoch erst einmal für die Bedürfnisse der Kunden: „Wir schauen: Was ist bis jetzt da? Ist der Kunde mit seinem alten Rad zufrieden gewesen oder will er etwas Neues ausprobieren?“ So beschreibt Thorsten Braukmann das Vorgehen im Verkaufsgespräch. „Es gibt schließlich auch noch normale Fahrräder.“ Bekannterweise gibt es Zweiräder in den verschiedensten Größen: „Wir beobachten aber, dass das Fahrrad bei den 17- bis 19-Jährigen häufig aus dem Fokus gerät“, sagt Guido Dünnebacke. Pkw- oder Motorrad-Führerschein wären in dieser Zeit wichtiger; im Studium würden Fahrräder zum Beispiel schon wieder interessanter.

Ob Auto-Ersatz, Sportgerät oder Zweitrad – „Bei jedem Fahrrad muss die Haptik stimmen“, sagt Thorsten Braukmann. Technik, Farbe oder Preis sollten nicht jeweils als einziges Entscheidungskriterium herhalten. Dabei sollte ein nicht-elektrischer Drahtesel seinem künftigen Besitzer mindestens 350 Euro (für ein Erwachsenenrad) wert sein. „Bis etwa 900 Euro bekommt man für mehr Geld noch mehr Fahrrad“, ergänzt Guido Dünnebacke. Darüber beginne der „Freakbereich“, in dem ein 100 Gramm leichterer Rahmen eine kleine Welt sein kann.

Ist das Rad gewählt (ein guter Verkäufer zeigt nach genauer „Bedarfsanalyse“ drei bis fünf in Frage kommende Modelle), beginnt die vermeintliche Qual der Wahl im Zubehörregal. „Wie man sich setzt, so fährt man“ könnte der Leitspruch dabei sein, denn der richtige Sattel kann über Komfort oder Schmerzen entscheiden.

Der richtige Sattel

Beide Händler bieten deshalb eine Beckenknochen-Vermessung an. Bei Holland- und Cityrädern ist die Sitzposition sehr aufrecht. Da der Beckenknochen im unteren Teil V-förmig zuläuft und bei aufrechtem Sitzen die beanspruchten Knochenteile recht weit auseinander liegen, sollte ein geeigneter Sattel vergleichsweise breit sein. Je weiter der Radfahrer sich nach vorne neigt, desto schmaler werden dementsprechend Sattelbacken und Sattelnase. „Im Zweifel sollte der Sattel etwas breiter sein“, rät Thorsten Braukmann, „da das Becken sonst auseinander gedrückt wird.“

Je älter der Fahrer und je länger die Tour ist, umso schmerzhafter macht sich ein falscher Sattel bemerkbar.

Vertiefungen im Dammbereich verhindern einen Blutstau, es sollten aber keine Schlitze sein. „Bei einem Schlitz verringert sich die Auflagefläche zusätzlich. Auf weniger Sitzfläche lastet so mehr Körpermasse, was den Blutfluss dort stört“, erklärt Braukmann. Gleiches gelte für den Lenkerwinkel. Nicht selten würden deshalb bei untrainierten Mountainbikefahrern die Hände einschlafen. Dass ein Schlitz im Sattel nicht immer verkehrt ist, sagt Guido Dünnebacke: „Es kommt dabei einfach auf die individuellen Bedürfnisse an.“

So komplex die Ergonomie des Radelns also erscheint, so einfach machen es sich die Discounter: eine Rahmengröße für alle. „Dabei muss die Qualität der Räder nicht schlecht sein“, sagt Guido Dünnebacke. In Deutschland gebe es nur eine Handvoll Fahrrad-Fabrikanten, die für verschiedene (auch namhafte) Firmen produzieren. Dennoch passt die Einheitsware nicht für jeden: „Als Fachhandel sind wir ganzjährig flexibel, können Warten, Reparieren und kompetent beraten.“

Eine halbe bis ganze Stunde sollte so eine Beratung dann schon dauern, sagen beide. Zusätzlich sind alle Räder beim Händler „fachgerecht montiert“. „In der Regel montieren und prüfen unsere Mitarbeiter neue Räder eine Stunde lang, bis sie optimal und sicher eingestellt sind“, sagt Dünnebacke.

Florian Hückelheim


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