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Brabeckschule

Preisgekröntes Klassenzimmer Wald

28.10.2010 | 16:34 Uhr
Preisgekröntes Klassenzimmer Wald
Naturschutzpreis Waldtag, Waldprojekt. Von links nach rechts: Michelle, Fabian, Taulant, Maurice, David

Letmathe.Wo kann man am besten fürs Leben lernen? Auf den Stühlen im Klassenraum? Nein! Bei Wind und Wetter unter Bäumen und am Bach.

Für die Unterstufe der Brabeckschule ist der Wald – so Rektor Hans Jürgen Luhmann – „unverzichtbarer Bestandteil des Unterrichts“ geworden. Dafür bekam die Schule jetzt sogar eine Auszeichnung und 1500 Euro Preisgeld.

Seit zweieinhalb Jahren gehen die rund 20 Schüler der Förderschule jeden Montag Vormittag in den Wald beim Stübbeken. Sie bauen Hütten aus Zweigen, springen über Bäche, klettern und balancieren über Baumstämme. Und sie schauen sich alles, was da wächst und krabbelt, mal genauer an: Baumrinde und Blätter, Feuersalamander, Spinnen und Ameisen.

Für die Sechs- bis Zehnjährigen ist das ein großes Abenteuer, die Entdeckung einer neuen Welt. „Heutzutage hängen Kinder vor allem am Wochenende sehr viel vorm Computer, Fernseher oder an ihren Spielekonsolen“, erklärt Unterstufenlehrerin Martha Stöck-Schmalor. Der Wald ist für viele etwas Unbekanntes, vor allem für die Kinder mit Migrationshintergrund. In anderen Ländern sind Waldspaziergänge offenbar etwas völlig Fremdes.

„Muss ich mit dahin?“, fragte der neunjährige Pedro ängstlich, als er kürzlich neu an die Brabeckschule kam. „Gibt es da Tiger?“. Seine Familie stammt aus Brasilien. Er war noch nie zuvor in einem deutschen Wald gewesen. Auch die Eltern nicht. Die hatten deshalb auch viele Vorbehalte, als das Projekt vor zweieinhalb Jahren gestartet wurde. „Wieso schicken die unsere Kinder jeden Montag in den Wald, sogar bei Regen oder Schnee?! Muss das sein!?“, murrte der eine oder andere.

Mittlerweile aber, so Lehrerin Stöck-Schmalor, haben sich die Eltern daran gewöhnt, ihren Kinder mit wetterfester Kleidung auszustatten. Denn sie wissen die erzieherischen Vorteile zu schätzen: Wer dem Wind und Regen trotzt, härtet sich ab, lernt mit Widrigkeiten umzugehen. Es gehört zu den Zielen einer Förderschule, solche Eigenschaften zu entwickeln.

Auch in anderer Hinsicht ist der Wald für Kinder mit Förderbedarf ein idealer Lernort. Das Balancieren über Baumstämme fördert die Konzentrationsfähigkeit. Das Beobachten von Insekten oder das Lauschen auf Vogelstimmen stärkt Wahrnehmung und Ausdauer. Wenn Kinder sich gegenseitig helfen, über einen Bach zu springen oder gemeinsam eine Hütte bauen, ist das laut Stöck-Schmalor eine „hervorragende Form sozialen Lernens“. So ist der eintrittsfreie „Erlebnispark Wald“ ein idealer Lernort und hervorragender Ausgleich für die „virtuelle Spielwelt vom Wochenende“ . Ganz abgesehen von den Vorteilen der Naturerfahrung und der frischen Luft. Und wenn die Schüler lernen, dass Bäume nicht einfach nur so im Wald stehen, sondern im Untergrund ganz viele Wurzeln haben, kann das auch nicht schaden.

„Die Kinder sind begeistert“, schwärmt Rektor Luhmann. „Wenn sie aus dem Wald kommen, bringen sie mir fast jedes Mal etwas mit.“ Ein paar Kastanien und rote Ahornblätter zieren seinen Schreibtisch. Manchmal auch ein wunderschöner Waldblumenstrauß.

Die Bezirksregierung Arnsberg hat das Projekt jetzt als vorbildlich ausgezeichnet. Im Rahmen des Naturschutz-Wettbewerbs 2010 ging es insbesondere um die Verzahnung der Themen „Migration und Naturschutz“ an Schulen. Dabei wurde die Brabeckschule mit dem Hauptpreis von 1500 Euro ausgezeichnet. Sie ist die einzige Förderschule unter den insgesamt sieben Preisträgern.

Helmut Rauer

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