Luxuslärm: „Das neue Album wird super“
19.05.2011 | 16:51 Uhr 2011-05-19T16:51:00+0200
Letmathe.Früher hätte man wohl von körbeweise zugestellter Fan-Post gesprochen. Heute ist es das Gästebuch auf der Luxuslärm-Seite im Internet, das förmlich überquillt. Nachdem die Letmather Band am Montag bekannt gegeben hat, dass mit Henrik Oberbossel (Gitarre), David Rempel (Keyboard) und Eugen Urlacher (Bass) drei der fünf Musiker aussteigen, um anderen, eigenen Projekten nachzugehen, überschlagen sich die Ereignisse.
„Dass es Reaktionen darauf geben würde, war uns klar“, erklärt Schlagzeuger Jan Zimmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Das jetzige Ausmaß sei aber schon überraschend. Vor allem die Trauer, die in den vielen Zuschriften der Fans zum Ausdruck kommt, nehme ihn mit. Gleichzeitig machen sie aber auch Mut, denn die Entscheidung, trotz des Ausstiegs der drei Musiker weiter zumachen, eine neue CD aufzunehmen und keine Termine ausfallen zu lassen mit großer Freude aufgenommen wird.
Von außen betrachtet fällt es schwer, die Entscheidung der drei Musiker, diese überaus erfolgreiche Band zu verlassen, nachzuvollziehen. Unweigerlich kommt einem das Bild des Bergsteigers in den Sinn, der nach einem langen und harten Aufstieg kurz vor dem Gipfel, kurz vor dem großen Ziel umkehrt. Wobei gerade dieser Vergleich bei einer Rockband hinkt. Denn was ist da eigentlich das Ziel? „Einen Punkt an dem man alles erreicht hat, gibt es nicht“, erklärt Jan Zimmer. Das Ziel sei vielmehr, sich immer weiter zu verbessern, möglichst lange gute Musik zu machen und im Geschäft zu bleiben. Das Ziel, das ist der immer währende Prozess, sich weiter zu entwickeln. Und dieser Prozess ist nie vorbei. Luxuslärm hat nach zwei überaus erfolgreichen Alben, ihrer bisher erfolgreichsten Tournee im Frühjahr des Jahres und beeindruckenden Nominierungen für die höchsten Ehrungen - unter anderem für den Echo - für eine kleine Letmather Independent-Band unglaublich viel erreicht. Nun geht aber alles wieder von vorne los. Ein neues, wahrscheinlich noch erfolgreicheres Album wird aufgenommen und dann steht die nächste, wahrscheinlich noch größere Tournee an. Und genau dieses Leben ist nicht nur verlockend, sondern kann auch abschrecken, weil es alle anderen Ambitionen privater oder beruflicher Natur unmöglich macht. „Seit fünf Jahren fordert Luxuslärm 100 Prozent von uns“, sagt Jan Zimmer. Was natürlich damit zusammenhängt, dass die Band nichts aus der Hand gibt. Mit kontinuierlich drei bis vier Konzerten in der Woche, CD-Aufnahmen, -Produktion und -Vertrieb, der kompletten Promotion ist das Arbeitspensum der Band enorm. Da bleibt kein Platz für anderes, weder für eine eigene Familie, noch für andere berufliche oder musikalische Ziele.
Und so dynamisch wie es jetzt läuft, hat alles auch angefangen. „Wir haben uns ja nicht hingesetzt und gesagt, wir nehmen jetzt eine Hit-Single auf und spielen dann 150 Konzerte im Jahr,“ erinnert Jan Zimmer an den Start vor fünf Jahren. Inzwischen hat die Band Hit-Singles und spielt 150 Konzerte im Jahr. Von den ersten Auftritten als „Blue Cinnamon“ bis zur ausverkauften Deutschland-Tournee ist aber alles behutsam gewachsen, Dieser Aufstieg hatte eine Eigendynamik und auch eine solche Euphorie entwickelt, dass sich ihr kein Band-Mitglied entziehen konnte, auch wenn es privat eigentlich ganz andere Ziele hatte. Nun, nach der Tour und vor den CD-Aufnahmen, sei der richtige Zeitpunkt für einen sauberen Schnitt gekommen, und das müsse man, auch wenn es keinem Beteiligten nicht leicht fällt, respektieren. Und es gebe keinen Grund, den drei scheidenden Musikern wegen dieser Entscheidung böse zu sein. „Es ist schwer zu erklären und es ist mir vorher auch noch nie passiert, aber die Bandmitglieder steigen aus, weil es zu gut läuft.“ Spekulationen über andere Gründe für die Auflösung räumt er damit aus.
Künstlerische Kontinuität
Wobei das Wort Auflösung in diesem speziellen Fall ja auch zu weit geht. Die gute Nachricht, über die sich die Fans bei all ihrer Trauer freuen dürfen, ist, dass die kreative Kern-Mannschaft und die Motoren der Band mit Sängerin Jini Meyer, Schlagzeuger Jan Zimmer und Produzent Götz von Sydow erhalten bleibt und mit neuen Musikern weitermacht. Diese drei haben wohl den größten Einfluss auf den Stil, den Sound und die Songs der Band und es ist davon auszugehen, dass die künstlerische Kontinuität in der Tat bestehen bleibt und die Entwicklung nicht abreißt. „Das neue Album wird super“, gibt Jan Zimmer eine erste Wasserstandsmeldung aus dem Studio, und es gibt keinen Grund, das in Zweifel zu ziehen.
12:31
Guten Tag,
gegen all das ist grundsätzlich nichts einzuwenden - auf den ersten Blick jedenfalls, auch um die Fans zu besänftigen - alles legitim. Und im Grunde ist es ja auch eine interne Sache. Es sei denn, man geht an die Öffentlichkeit oder steht in der Öffentlichkeit.
Wenn alles ok ist, muß man sich dann überhaupt erklären? Das ist schon ganz ordentlich pressetechnisch herumgeeiert, egal welche Gründe für die interne Angelegenheit bestehen und wie sie intern geregelt werden. Letztlich kann man Verwaltungs-Streß natürlich auch damit lösen, in dem man sich professionelle Hilfe holt. Das kostet natürlich auch Geld und man verliert ein wenig die Eigen-Kontrolle, hat dann aber nicht mehr so viel Streß. Was allerdings wriklich ein wenig verwundert, ist inhaltlich der letzte Abschnitt, in dem man die Aussage so verstehen kann, daß die drei Aussteiger letztlich nur Begleitmusiker und damit zu jedem Zeitpunkt austauschbar waren, wobei man eigentlich, wenn man die Geschichte zurück verfolgt, die Band sich immer als geschlossene Gruppe, abgesehen von der Sängerin (die häufig heraus gestellt wurde) präsentierte. Wie auch immer, gewisse Erfolgsstufen erfordern immer Opfer, so oder so. Und irgendwie fast konsequent.