Ein Stück Letmather Gaststätten-Geschichte verschwindet
01.04.2008 | 15:43 Uhr 2008-04-01T15:43:00+0200
Letmathe. Ein lieb gewonnenes Stück Letmathe wird bald verschwinden. Wie die Heimatzeitung in Erfahrung brachte, sollen die „Altdeutschen Bierstuben” abgerissen werden.
„Ja, dem Abbruchantrag wurde stattgegeben”, bestätigte Georg Nienhaus von der städtischen Abteilung Bauaufsicht und Denkmalpflege. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht”, so Georg Nienhaus gegenüber der Heimatzeitung. „Die Stadtverwaltung hat extra noch eine Begehung mit Vertretern des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege gemacht.” Die Vertreter des Denkmalamtes: „Das Haus ist ,alt', aber kein Denkmal”. Gründe für die Entscheidung sind auch gewesen, dass die Gaststätte keine Kunden hat und die Hotelräume im ersten Stock bereits lange leer stehen.
Eingereicht hatte den Antrag auf Abriss der Besitzer des jahrhundertealten Hauses, Dr. Sven Carreh, dem das traditionsreiche Haus kürzlich von seiner Mutter Emmi Carreh überschrieben wurde. Diese ist eine Großnichte der legendären Wirtin „Quicks Paula”. Das alte Gebäude ist arg renovierungsbedürftig, die Instandsetzung würde Umsummen verschlingen.
Ein Teil des Hauses ist vermutlich zu Beginn des 17. Jahrhunderts von der Familie Bongard auf einem Pfarrgrundstück in Erbpacht errichtet worden. 1635 forderte die katholische Gemeinde die Familie auf, das Haus instand setzen zu lassen. Später wurde es mehrfach umgebaut und erweitert. 1774 wurde der älteste Teil abgerissen. Bauherr F.H. Bongard ließ zur Erinnerung einen Türbalken mit der Inschrift „ . . . und habe dieses Haus geheiligt, das du gebauet hast” einsetzen. 1790 wurde das Gebäude erneut umgebaut, das bezeugt eine weitere Inschrift. Bereits zu dieser Zeit gab es eine Schankwirtschaft im Haus.
Das Gebäude wechselte mehrfach den Besitzer. 1878 heiratete der aus Winterberg stammende Franz Joseph Quick die Letmatherin Sophie Schilling und übernahm das Haus, das somit zum Gasthof Quick wurde. Unvergessen ist die Tochter Paula, die als „Quicks Paula” oder „Tante Paula” Gaststätten-Geschichte schrieb. Ihre fürsorgliche und humorvolle Art war von Gästen ebenso geschätzt wie die selbstgemachte Sülze.
1933 wurde das Haus erneut umgebaut, 1953 erfolgte ein Anbau, 1965 ein zweiter, durch den der große Saal entstand. 1966 erbten Peter Niessen und seine Frau, eine geborene Quick und Nichte von „Tante Paula”, das Anwesen. Dann wiederum war es das Erbe von Emmi Carreh, geborene Niessen. Verschiedene Wirte (u. a. von 1964 bis 1980 Hugo Müller und später Franz Malsbender) betrieben als Pächter die nun „Altdeutsche Bierstuben” genannte Wirtschaft erfolgreich weiter. Spätere Pächter erwiesen sich aber nicht als Glücksfälle.
18:47
das ist echt Schade der Besitzer solte es lieber Verkaufen und ein komplettes wohnhaus raus machen nicht immer gleich ans Abreissen denken sind schon genug häuser abgerissen worden in Letmathe
Rettet Altdeutsche Bierstuben Hagenderstrasse 113
05:32
Schade! So verschwindet wieder ein Stück Letmathe.