Bienenstock ein kleiner Ofen
08.01.2010 | 16:14 Uhr 2010-01-08T16:14:00+0100
Letmathe. Bereits seit Tagen hat der Winter Letmathe fest im Griff. Knackige Kälte und Temperaturen, die selbst tagsüber nicht über die Null-Grad-Marke klettern.
Auch wenn einige schon wieder über das Wetter stöhnen, weil das Autofahren schwierig ist oder Sturzgefahr auf glatten Gehwegen herrscht - Gartenbesitzer können vom Frost nicht genug bekommen.
Sie denken schon an das Frühjahr und den Sommer. Endlich keine gefräßigen Blattläuse, Sommerabende ohne nervige Mücken, die auf der Suche nach einem Schlückchen Blut sind und weniger Wespen, die beim sonntäglichen Kaffeetrinken den Kuchen bevölkern.
Wahrheit oder Wunschdenken? Für Michael Breitsprecher vom Naturschutzzentrum in Lüdenscheid ist das ein Irrglaube, der sich bei Garten- und Pflanzenfreunden hartnäckig hält. „Wenn das wahr wäre, gäbe es in den Ländern, in denen harte Winter herrschen, keine Mücken”, so Breitsprecher gegenüber der Redaktion. Als Beispiel führt er das Jahr 2008/2009 an. Im Januar des letzten Jahres hate es auch eine Frostperiode gegeben, trotzdem summten, surrten und krabbelten so viele Insekten wie noch nie im Frühjahr und Sommer herum. Auch Waldbesitzer können nicht sicher sein, ob der Winter den Borkenkäfer besiegt. Der fällt nämlich in eine Art Kältestarre und setzt bei den für ihn idealen Temperaturen dann im Frühjahr und Sommer sein zerstörerisches Werk fort.
Michael Breitsprecher: „Die Witterung, die die Schädlinge überhaupt nicht mögen, sind die Frost- und Tauphasen im Februar. Nachts ist es kalt, tagsüber heizt sie Sonne die Natur etwas auf und die Insekten krabbeln ans Tageslicht. Kommt dann wieder Frost in der Nacht, finden sie das gar nicht toll.”
Doch was ist mit den nützlichen Insekten, beispielsweise den Bienen? Die Heimatzeitung fragte den Dröscheder Imker Hans-Rainer Berndt, wie er seine Völker überwintert.
„So eigenartig es klingt, aber das Bienenjahr ist bereits im August vorbei. Von da an bis zum März/April des darauffolgenden Jahres vertilgt ein Bienenvolk zwischen 20 und 25 Kilogramm Zucker, der in Wasser gelöst ist.” Bei Temperaturen unter 10 Grad stellt eine Biene ihre Flugtätigkeit ein. Und wenn die Temperaturen dann noch mehr sinken, dann „kuscheln” sich die Immen im Inneren ihres Stocks ein. Sie bilden dann eine Traube und durch Muskelbewegungen erzeugen sie Wärme.
Es klingt phantastisch: Selbst es wenn draußen Minustemperaturen gibt, Im Inneren eines Bienenstockes ist es dann noch immer zwischen 20 und 25 Grad warm.
Im Frühjahr geht die Flugtätigkeit wieder los, und die erste bevorzugte Nahrungsquelle für die Bienen ist die Weide. Daher steht sie auch unter Naturschutz.
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