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Zwischen Bühnenlicht und Schattendasein

13.11.2012 | 16:27 Uhr
Zwischen Bühnenlicht und Schattendasein
Judy Garland möchte es noch einmal wissen. Doch sowohl ihre Alkohol- und Tablettensucht als auch ihre Liebe zu dem 15 Jahre jüngeren Mickey, der sie lediglich ausnutzt, werden ihr zum Verhängnis.Foto: Michael May

Iserlohn. Nur eine kleine Hilfe seien die Pillen. Um mit allem zurecht zu kommen, um schlafen zu können, um auf der Bühne zu funktionieren, um den Alltag zu bewältigen. Am 22. Juni 1969 sind Judy Garland diese Pillen zum Verhängnis geworden, sie starb mit 47 Jahren an einer Überdosis. Ihr Leben davor als Kinderstar, als eine der größten Hollywood-Ikonen der Filmgeschichte, als zeitweise bestbezahlte Bühnenkünstlerin der Welt und als Ehefrau von fünf Männern war in der Tat ein „Leben am Limit“, wie das Theaterstück „End of the Rainbow“ untertitelt ist, mit dem die Hamburger Kammerspiele am Samstag im Parktheater zu Gast waren. Das Stück konzentrierte sich auf Szenen der letzten Monate ihres Lebens in London, wo sie mit ihrem letzten Verlobten Mickey Deans ein Bühnen-Comeback wagte.

Und diese Szenen spiegelten einen Ritt auf der Rasierklinge zwischen dem grellen Licht der Bühne und dem Schattendasein im Hotelzimmer wider. Dem dreiköpfigen Schauspieler-Ensemble – neben Marion Martienzen als Judy Garland und Alexander Wüst als Mickey Deans stand Ralf Stech als Judys Pianist und engster Vertraute Anthony auf der Bühne – gelang es in der sparsamen Kulisse auf sehr eindringliche und fesselnde Weise, diese beiden Welten nebeneinander zu stellen: Wunderschöne Musik auf der Bühne, und sehr unschöne Szenen aus Ängsten, Selbstzweifel und Abscheu gegen sich selbst hinter den Kulissen.

Eine fantastische Sängerin

Vor allem Marion Martienzen schaffte es auf atemberaubende Weise, beides glaubhaft rüberzubringen. Als fantastische Sängerin konnte sie sowohl eine blendend auftrumpfende Judy Garland geben als auch eine, die fahrig auf der Bühne agiert und den Faden verliert. Und im Hotelzimmer kreierte sie Stimmungen von höchster Beklemmung, indem sie sich auf nahezu unerträgliche Weise selbst zerfleischte. Das war ganz großes Theater und eine ebenso große Werbung für die Swing-Musik der vergangenen Tage: Das sagenumwobene Doppelalbum „Judy at Carnegie Hall“ von 1961 steht seit Samstag auf jeden Fall ganz oben auf der Weihnachtswunschliste.

Ralf Tiemann


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