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Campus Symposium

Umjubelter Gore-Auftritt

03.09.2010 | 20:48 Uhr
Umjubelter Gore-Auftritt

Iserlohn. Einer mitreißenden Rede folgte der Dank des Publikums, das stehend applaudierte: Der Auftritt von Al Gore, Friedensnobelpreisträger, ehemaliger Vizepräsident der USA und Oscar-Gewinner, war umjubelter Höhepunkt und Abschluss des Campus Symposiums.

Eine Stunde lang gehörte die Bühne Gore allein, der diese 60 Minuten nutzte, um seine Position zum Klimawandel und seine Lösungsansätze zu präsentieren. Die  Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt habe sich in den letzten 150 Jahren, bedingt durch das Bevölkerungswachstum sowie die wissenschaftliche und industrielle Revolution mit ihren ökologisch unerwünschten Nebeneffekten dramatisch verändert. Die Welt - ein sich aufheizender Käfig für alles, was auf diesem Planeten lebt. Beispiele dafür, dass sich die Folgen des Klimawandels in immer dramatischerer Form zeigen,  nannte der Nobelpreisträger indem er die Nachrichten der letzten Wochen Revue passieren ließ: Die Rekordhitze und  die Feuerstürme rund um Moskau ebenso wie die Flut, die 20 Millionen Menschen in Pakistan heimatlos gemacht hat und das über Atomwaffen verfügende  Land zu destabilisieren droht. Pakistan, so Gore, sei nur ein  Beispiel für viele Regionen , die durch klimabedingte Katastrophen in  Windeseile zu Krisenregionen werden könnten.

Die Zahl der klimatischen „Jahrtausend-Ereignisse“ habe in jüngster Zeit rapide zugenommen, merkte der Referent hintergründig an, um dann eine ganz andere reale Gefahr zu beschreiben: die Eisschmelze an den Polen. Steigt der Meeresspiegel um einen Meter an, so bedeute dies, dass 100 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren und andere Orte zum Leben und Überleben suchen müssen - ein immenses Konfliktpotenzial. Der Klimawandel - ein  von Menschenhand verursachter Prozess, der bittererweise den Erfolg der Spezies und der Zivilisation dokumentiere. „Stärke wird zur Schwäche“, umschrieb Al Gore dieses Szenario, das zum Untergang eben dieser Zivilisation führen könne.

Zugleich aber, und damit leitete der Nobelpreisträger den optimistisch in die Zukunft gerichteten Teil seines Vortrages ein, berge die Klimakrise die größte Chance der Geschichte für die Wirtschaft, wenn heutige  Unternehmensführer und der gut ausgebildete Nachwuchs  alle Kreativität in klimaschonende Innovationen  münden lassen würden. Dass die Wirtschaft sich bereits auf diesen Weg gemacht hat, ist für Gore unstrittig: „Viele Unternehmer sind der Politik weit voraus. Sie haben die Möglichkeiten  der Zeit erkannt und ebenso die Chance, davon zu profitieren.“ Den Studenten der BiTS riet der ehemalige Vize-Präsident, die Herausforderungen des Klimawandels aus der Hochschule direkt  in ihren künftigen Berufsalltag zu tragen, um ihn dort zum beherrschenden  Thema zu machen.

Dass bisher viel zu wenige Ergebnisse bei der Reduzierung der CO2-Emmissionen zu verzeichnen sei, sei dem Umstand geschuldet, dass die unsichtbare und geschmacklose Verschmutzung der Erdatmosphäre mit „keinem Preisschild“ ausgezeichnet sei, globale gesetzliche Grundlagen, die diesen Preis konkret beziffern würden, fehlten. Neben der aus seiner Sicht zwingend erforderlichen Erhöhung der Energieeffizienz präsentierte sich Gore zudem als glühender Anhänger regenerativer Energien. Insbesondere die Solarenergie zeige den Weg in die Zukunft auf, so der weltweit wohl prominenteste Klimaschützer, der Deutschland für seine Innovationskraft auf diesem Feld ebenso wie bei der Windenergie beglückwünschte. Ein stärkerer Wettbewerb  in der Solarenergie werde ähnlich wie in der Computerbranche dazu führen, dass diese Stromquelle schon bald auch  ohne Subventionen mehr als konkurrenzfähig seien, „Solarenergie wird die weltweit dominierende Energiequelle werden“, betonte Gore. „Vor einiger Zeit sprachen mich Wissenschaftler an, ob es nicht sinnvoll sei, eine Technologie zu entwickeln, die CO2 aus der Atmosphäre abzieht. Ich antwortete ihnen, dass wir über diese Technologie bereits verfügen. Wir nennen sie Baum“, forderte der Klima-Aktivist zudem ein weltweites Wiederaufforstungsprogramm. „In der nahen Zukunft werden diejenigen, die nach uns kommen, Fragen stellen. Entweder fragen sie uns angesichts von Überflutungen, Hitzeperioden und Jahrhundert-Stürmen, was wir uns bloß gedacht haben, nichts zu tun. Oder sie fragen uns in einer Umwelt, in der es sich zu leben lohnt, wie es uns in kürzester Zeit gelungen ist, die Dinge noch zum Guten zu verändern."

Thomas Pütter

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Kommentare
06.09.2010
12:54
Umjubelter Gore-Auftritt
von Henrik Bauer | #21

Kein Highlight, kein großer, neuer Gedanke, nur altbekannte Denkrichtungen und Strategieansätze. Gebt es doch zu: Was Al Gore von sich gab, ist überall nachzulesen. Und immer wieder heißt es: Wir müssen. Müssen nicht endlich Taten folgen? Während Al Gore im Beifall der Gäste ertrinkt, verbrennen, um ein Beispiel zu nennen, Kinder in Ghana deutschen Elektromüll, um sich vom Verkauf des gewonnenen Kupfers eine Scheibe Brot für den Tag zu leisten. Der aufsteigende giftige Rauch vergiftet die Umwelt und die Lungen der Kinder. Beider Tod kommt früh. Fazit: Es ist beim Campus Symposium mal wieder niemand schwanger geworden.

05.09.2010
07:48
Umjubelter Gore-Auftritt
von gebiserlohner | #20

Ich verfolge nun Jahr für Jahr die Kommentare zu den Artikeln über das Campus Symposium und muss sagen, dass die Kommentare immer abstruser werden. Ich muss aber auch zugeben, dass Rheinfels Interpretation recht interessant zu lesen ist. Kann ich zwar alles nicht ganz unterschreiben aber bzgl der Familienunternehmer hat er Recht. Ich kann aber auch sagen, dass es noch immer einige dieser Unternehmer vom alten Schlag gibt, für die ihre Firma alles ist und denen das Wohl der Mitarbeiter und des Unternehmens sehr am Herzen legen. Ebenso kenne ich einige Söhne und Töchter aus solchen Familien die wirklich sehr bescheiden sind und ihren Reichtum nicht nach außen tragen. Noch ist nicht alles verloren.

05.09.2010
03:49
Umjubelter Gore-Auftritt
von knarz | #19

Ob das ganze wirklich einen nutzen zum green businees bringt weiß ich ned.
Aber ich denke mal das es für ansässigen unternehmer wirklich interessant ist.
Man trifft sich in angenehmer athmospähre, es gibt lecker essen und trinken, dazu erzählen einem noch Gore ect. was über gott und die welt.
Wenn man gut an Glas und Gabel ist kann man vielleicht sogar den eintrittspreis rausholen :))
Vielleicht geh ich nächstes jahr ma hin, dann kann man sich halt mal selber ein bild machen.

05.09.2010
02:27
Umjubelter Gore-Auftritt
von Rheinfels | #18

Mein Kommentar war durchaus kritisch gemeint. Da claudia71 es schade findet, dass ich nicht öfter schreibe vielleicht eine Klarstellung.

Die Frage ist: was macht Globalisierung aus Menschen? Man kann das an vielen Gruppen in der Gesellschaft beobachten, aber für das Iserlohner Campus Symposium ist vielleicht eine Gruppe besonders interessant: die Gruppe der Familienunternehmer.

Es gibt eine in Deutschland ausgeprägte Identität der Familienunternehmen. Das ist so eine Art deutsch-bürgerliches Heiligtum so wie die Gedichte von Goethe oder die Frauenkirche in Dresden oder das Brandenburger Tor, usw.

Diese Identität steckt dank Globalisierung aber in einer tiefen Krise. In Familienunternehmen steckt das Wort Familie und das Wort Unternehmen ist wichtig hier. Beides läuft seit langer Zeit aus dem Ruder.

Noch vor 100 Jahren war die Unternehmerfamilie ein Vorbild. Der Familienunternehmer war eine Art Schutzpatron, die Gattin eine im sozialen Bereich sehr engagierte Person und die Kinder waren zu Bescheidenheit erzogen, die Vorzüge ihrer Stellung niemals nach außen tragend.

Der heutige Familienunternehmer (in X. Generation oft nicht gerade versierter als der Gründervater) trifft auf eine komplexe wirtschaftliche Realität und muss Kräfte entlassen. Die Gattin ist oft unglücklich und verwirrt da sie ihre traditionelle Hintergrundrolle nur schwer mit den Idealen der Emanzipation vereinbaren kann. Die Kinder bestechen oft durch Maßlosigkeit und mangelndes Talent. Kurzum, das romantische Bild vom ehrenhaften Familienunternehmen mit Kraft, Wert und Auftrag für die Region glaubt ist laut Familienunternehmerforschung faktisch nicht mehr existent. Ökonomisch sieht es ähnlich aus wie die Statistiken des BDI, der Bundesregierung und der EU sowie eine Vielzahl historischer Studien eindrucksvoll beweisen.

Und genau da deckt das Campus Symposium eine wichtige Nachfrage. Diese Veranstaltung ist sinnvoll, weil sie dieser Gruppe von Menschen das Gefühl gibt, sie hätten nach wie vor eine herausragende Bedeutung auch wenn diese gesamtgesellschaftlich (ökonomisch, politisch, wirtschaftlich, unternehmerisch, regional) immer mehr abnimmt. Der Kommentar von EinTeilnehmer ist ein gutes Beispiel.

Da spricht ein echter Multiplikator der Region, der sich darum bemüht sinnvolle Aspekte für die heimische Wirtschaft zu erschließen. Diese Rhetorik zielt bewusst auf das oben skizzierte romantische Bild ab. Der Mann ist ein Held. Das ist das was ich mit Simulation von Relevanz gemeint habe.

In Wirklichkeit ist das natürlich eine therapeutische Identität und das Campus Symposium bietet für dieses Segment eine Möglichkeit, einmal im Jahr dabei zu sein und gemeinsam mit anderen Opfern der Globalisierung via networking eine verlorene Welt wieder zum Leben zu erwecken, indem man sie mit den Symbolen der globalisierten Gegenwart kombiniert (Gore, IKEA, etc. ).

Das ist so eine Art Tanz der Vampire, wo wieder alle ihre alten Rollen spielen können. Die Veranstaltung macht den Mann wieder zum Patron und Lenker, die Frau wieder zur klassischen engagierten Gattin (z.B. zum Thema Nachhaltigkeit) und die Kinder zu hart arbeitenden und talentierten studentischen Organisatoren.

Darin liegt der Sinn...

04.09.2010
22:55
Umjubelter Gore-Auftritt
von V | #17

Neureich oder WIrtschaftsadel?! Mein Chef hat das Geld millionenfach, aber da hat er auch nur ein lächeln für übrig.. Ja, ich war nie da.. den einzigen Eindruck habe ich von Clintons Rede, die ja im TV übertragen wurde... Das reichte aber auch.. Ich würde wirklich gerne auf den Punkt gebracht den Sinn dieser Veranstaltung erfahren, aber eine Antwort auf die Sinnfrage kam noch NIE!! Nur Defensiv-Kommentare..... Was würden sie nur tun, wohnten sie in einer echten Metropole? (Sie können das ja garnicht verstehen, was würden Sie unter zivilisierten Menschen machen?!). Die Studenten haben das so toll gemacht! ;) Keine Antwort ist auch eine!! Geht es um den Lehreffekt bei den Studenten? Geht es um Geschäftsbeziehungen? Kann mal einer versuchen, das ganze zu erklären? Vielleicht versteht ja doch einer von uns, wofür Millionen Euros hier ausgegeben werden?

04.09.2010
22:53
Umjubelter Gore-Auftritt
von claudia71 | #16

Kontakte knüpfen ist ein sehr sinnvoller Weg, wenn ich vorankommen will. Egal, ob ich damit die private Kinderbetreuung außerhalb der Kita-Zeiten regeln muss oder Geschäfte und damit Geld machen möchte. Ohne Kontakte ist man allein und tritt meistens auf der Stelle. Ohne Kontakte keine Karriere.
Und wenn Menschen bereit sind, Geld für eine Eintrittskarte zu bezahlen, die ihnen dann Kontakte ermöglicht (sprechen und auf andre zugehen muss aber jeder schon noch selbst), die zum gewünschten Ergebnis beitragen, dann haben diese Menschen doch klug agiert und an der richtigen Stelle investiert.

04.09.2010
22:49
Umjubelter Gore-Auftritt
von ZsaZsaZebra | #15

@3: Noch ein Zusatz: Ich ziehe das Friedensfest dem Schützenfest vor. In dem Sinne, eine gute Woche.

04.09.2010
22:46
Umjubelter Gore-Auftritt
von ZsaZsaZebra | #14

#3: Mein lieber Parser (wenn Du überhaupt weisst, was dein Name bedeutet; kleiner Tip: Der Begriff stammt aus der Informatik), den Sinn dieser Veranstaltung habe ich bereits angedeutet, Kontakte knüpfen, um noch mehr Kohle zu scheffeln.

04.09.2010
22:38
Umjubelter Gore-Auftritt
von claudia71 | #13

Rheinfels, ich finde es sehr schade, dass Sie hier nicht öfter schreiben. Ich finde Ihre Gedanken sehr ansprechend und anregend.
So wie das Symposium.
Ich finde, die Studenten machen einen super Job. Hätte ich eine passende Firma, hätte ich mehreren von ihnen gestern einen Arbeitsvertrag angeboten.

04.09.2010
21:36
Blockierter Kommentar.
von Fitti | #12

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