Das aktuelle Wetter Iserlohn 14°C
Interview

Pfarrer Marks: „Seelsorger brauchen auch Seelsorger“

10.09.2010 | 16:49 Uhr
Pfarrer Marks: „Seelsorger brauchen auch Seelsorger“

Iserlohn.Pfarrer Hartmut Marks ist der leitende Notfallseelsorger des Kirchenkreises Iserlohn. Der 57-jährige Geistliche koordiniert die Arbeit der Notfallseelsorger, organisiert Fortbildungen und ist Funktionspfarrer im Bereich der Christuskirche am Roden.

Im Interview erzählt Hartmut Marks, der aus Werne stammt, von seiner Arbeit und seinen persönlichen Erfahrungen als Notfallseelsorger.

frage: Herr Marks, wie genau sieht Ihre Arbeit als Notfallseelsorger aus?

Marks: Meine Arbeit ist sehr vielschichtig. Ich organisiere Blaulichtgottesdienste, Fortbildungen für Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte. Weiter bin ich auch für die Ausbildung neuer Notfallseelsorger zuständig. In dieser Woche werde ich einen Tag lang die Feuerwehrmänner beim Einsatz begleiten. Die Nähe am Menschen ist das Leitwort meiner Arbeit. Ich bin auch Polizeiseelsorger für den Nordkreis und kümmere mich um Fortbildungen für Pfarrer und Einsatzkräfte. So unterstütze ich Opferschutzbeauftragte beim Überbringen einer Todesnachricht. Und zu guter Letzt bin ich noch Funktionspfarrer und halte unter anderem Gottesdienste in der Christuskirche oder kümmere mich um die Konfirmanden, je nach Bedarf.

frage: Was fasziniert Sie an ihrer Tätigkeit?

Marks: Zum einen ist es die Bandbreite der Tätigkeit, die einen jeden Tag vor neue Herausforderungen stellt. Zum anderen, Menschen in konkreten Situationen helfen zu können. Und ich bin in einem Bereich tätig, der für die Kirche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Auch die Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr groß: vom Blaulichtgottesdienst bis zur größten Aufgabe, die Notfallseelsorge im Kirchenkreis Iserlohn zu festigen und auszubauen sowie einzelne Systeme in den Regionen zu unterstützen.

frage: Wie verlief Ihr Einsatz nach dem Unglück auf der Loveparade?

Marks:Ich war zur Zeit der Katastrophe im Kirchenkreis tätig und hatte mit traumatisierten Teilnehmern zu tun. Insgesamt waren es fünf Personen. Unter anderem konnte ich ihnen durch die Vermittlung an die Traumaambulanz Iserlohn helfen. Dort gibt es Psychologen, die auf solche Fälle spezialisiert sind. Die Notfallseelsorge ist immer nur die erste Hilfe für die Seele. Danach folgt, wenn nötig, eine langfristige Betreuung durch Gemeindepfarrer oder Psychologen. Ich war auch noch beim Trauergottesdienst für die Opfer. Dort waren 70 Notfallseelsorger und zehn Traumatherapeuten anwesend.

frage: Wie können Sie den Menschen konkret in einer Notsituation helfen?

Marks: Zuhören ist das Allerwichtigste. Im gemeinsamen Gespräch werden seelische Bedürfnisse besprochen und nach Hilfsmöglichkeiten gesucht. Hilfesuchende können dabei von meiner Erfahrung profitieren.

frage: Was halten Sie von dem Begriff „School-Shooting“?

Marks: Ich bin kein Freund von Anglizismen und stehe ihnen reserviert gegenüber, wir haben so eine wunder- schöne deutsche Sprache, doch es ist nun mal der internationale Begriff für Amokläufer. Ich glaube aber nicht, dass der Begriff mehr Anreize zur Gewalt schafft, auch wenn er nach einem Computerspiel klingen mag. Bei meiner Arbeit als Notfallseelsorger ist es wichtig, Schulen zu beraten und zu begleiten, das kann beispielsweise beim Tod eines Lehrers oder Schülers der Fall sein. Und natürlich ist auch die Präventionsarbeit bei Amokläufen essenziell.

Frage: Wie verarbeiten Sie selber die Eindrücke Ihrer Arbeit?

Marks: Jeder Seelsorger braucht auch einen Seelsorger. Diesen nennt man Supervisor. Einmal im Monat rede ich mit meinem Seelsorger über Sachen aus meinem Beruf, die mich belasten. Das ist wichtig, damit ich für die Arbeit einen klaren Kopf habe.

Frage: Was machen Sie, wenn Sie mal nicht im Einsatz sind?

Marks: Ich bin Vorsitzender des Kunstvereins Werne. Dann begleite ich oft Reisen von Senioren und jungen Erwachsenen. Ansonsten zählt noch Kochen zu meinen Hobbys.

Sandra Finster

Facebook
 
Kommentare
12.09.2010
14:25
Blockierter Kommentar.
von IchMagDieEZP | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.09.2010
11:54
Blockierter Kommentar.
von The_dark_Side | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.09.2010
11:45
Blockierter Kommentar.
von IchMagDieEZP | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3692956/create

Aktuelle Fotos und Videos
Pfinsten in Iserlohn
Bildgalerie
Fotostrecke
Aktion "Kultur gestärkt"
Bildgalerie
Fotostrecke
WortKlang Festival 2012
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Jugendkunstschule feiert ihr Jubiläum mit einer Ausstellung
Iserlohn
Einen so bunten und kreativen Mix aus verschiedensten künstlerischen Stilen und Ausprägungen der bildenden Kunst hat es in der Städtischen Galerie wohl selten zu sehen gegeben, wie in der aktuellen Ausstellung, die am Freitagabend um 19 Uhr mit einer Jubiläumsfeier feierlich eröffnet wird.
Wer schlägt, muss gehen: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache
Runder Tisch
Zehn Jahre erfolgreiche Arbeit des Runden Tisches „Gewalt gegen Frauen“ wäre ja ein Grund zum Feiern. Doch wenn Anna Müller, Leiterin des Iserlohner Frauenhauses, in die Zukunft blickt, steigen Sorgenfalten in ihr Gesicht. Denn mit dem Abschied von Helena Haack, die im Juli in die Freistellungsphase