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Schwäne am Seilersee

Nicht angefroren, sondern nur ängstlich

17.01.2012 | 15:29 Uhr
Nicht angefroren, sondern nur ängstlich
Spektakulär: Der alte Schwan vom oberen See glitt bei der Landung erst über das Eis, um dann kehrt zu machen und auf den jungen Schwan loszugehen.

Iserlohn. Alle Spaziergänger am unteren Seilersee waren sich am Dienstanmorgen einig: Dieser Schwan war eingefroren. Eine dünne aber recht stabile Eisschicht hatte sich auf den kleinen See gelegt, auf dem sonst die Motorboote flitzen, und in der Mitte kauerte reglos ein junger Schwan, dessen Gefieder noch grau gescheckt ist – eines der drei Jungtiere, die im vergangenen Jahr am Seilersee das Licht der Welt erblickt haben.

Weder hingeworfene Steinchen noch Brotkrumen konnten ihn zum Aufstehen bewegen. Mal reckte er neugierig den Hals, mal giftete er übers Eis, doch wirklich bewegen tat er sich nicht. Der Vogel, so viel stand fest für die Beobachter, musste festgefroren und dementsprechend hilflos sein.

Der einzige, der eine andere Meinung vertrat, war Peter Emsermann von den Märkischen Stadtbetrieben, der am Seilersee für die Vogelvolieren zuständig ist, und der auch immer die frei lebenden Tiere am See im Auge hat. „Der ist nicht festgefroren“, erklärte er auf Anfrage knapp, aber bestimmt. Gegen 9 Uhr am Morgen sei der Schwan vom oberen See runtergeflogen, sei recht verdattert auf dem Eis gelandet und dort sitzen geblieben, weil er eben noch so jung sei und sich auf dem Eis nicht bewegen könne. Zig Anrufe habe es deswegen schon gegeben, auch am Montag schon. Da sei sogar einmal die Feuerwehr ausgerückt, weil derselbe Schwan auch da schon regungslos auf dem Eis gesessen habe. Gestern Morgen seien die Passanten so hartnäckig gewesen, dass er sich zu guter letzt sogar genötigt sah, die Wathose anzuziehen, um den Schwan vor den staunenden Blicken der Spaziergänger aufzuscheuchen.

Nun saß der Schwan wieder dort, und tatsächlich: Irgendwann flatterte er mit den Flügeln, hob das Hinterteil in die Höhe, watschelte ein paar Schritte und fraß das hingeworfene Futter. Und dabei machte er trotz seiner Jugend eine gute Figur. Wie ungeschickt sich Wasservögel auf dem Eis anstellen können, stellte wenig später eine Ente unter Beweis, die wohl von dem vielen Futter um den Schwan herum angelockt worden war. Nach einer filmreifen Bruchlandung konnte sie sich überhaupt nicht mehr auf den Beinen halten, legte sich auf die Seite und schlängelte irgendwie über das Eis, um die Körner zu erreichen – sehr unelegant. Auch ein älterer, schneeweißer Schwan, der eigens vom oberen See einflog, um den jungen Schwan wieder fortzujagen, hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass Eis sehr glatt sein kann, und glitt bei seiner rasanten Landung quer übers Eis, um dann schimpfend auf den jungen Schwan loszugehen.

Was für die Spaziergänger ein überaus interessantes und amüsantes Schauspiel ist, kann die Mitarbeiter der Märkischen Stadtbetriebe Iserlohn-Hemer (SIH), die für die Tiere und Gartenanlagen am See zuständig sind, durchaus von der Arbeit abhalten. „Wir haben hier sehr viele Meldungen von besorgten Passanten“, weißt etwa Gärtner Christian Gernert – oft aber leider wegen absoluter Nichtigkeiten. Ein Vogel, der am Boden sitzt und den Einschein erweckt, dass er krank sein könnte, reiche schon aus, und Feuerwehr, Ordnungsamt und Stadtbetriebe würden auf Trab gebracht. Das sei sehr aufwendig, zumal ohnehin täglich jemand nach den Tieren sieht und sie versorgt. „Es wäre schön, wenn die Spaziergänger da ein bisschen sensibler mit umgehen würden.“

Ralf Tiemann



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