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WortKlang 2011

Kleiner aber auf jeden Fall feiner

29.05.2011 | 20:58 Uhr
Kleiner aber auf jeden Fall feiner

Iserlohn. „Mich hat es verzaubert und berauscht“, sagte Johannes Josef Jostmann gestern Abend am Ende des WortKlang-Festivals, und er meinte vor allem das Theater Anu, das ihn mit seiner Installation im Park der Alexander-höhe besonders fasziniert hat. „Allerdings wäre ich glücklicher, wenn sich mehr Menschen darauf eingelassen hätten, den Park einmal in einer anderen Optik als zum Schützenfest zu erleben.“ Und dieser Wunsch nach mehr Publikum gilt für das ganze Festival.

Was den Besuch angeht, konnte das diesjährige WortKlang-Festival in der Tat seinen Vorgängern – vor allem der letztjährigen Ausgabe auf der Landesgartenschau – nicht das Wasser reichen. Das sollte es auch gar nicht. Denn nachdem in 2010 das Motto „Größer, schneller, weiter“ hieß und das Iserlohner Kulturbüro bei „Culcha Candela“, Jan Delay und Klaus Doldinger mit Sascha täglich die Massen auf dem Hemeraner Grohe-Forum begrüßte, ging es nun darum, das WortKlang-Festival neu zu erfinden und nach den Maßgaben des Landes-Kultur-Ministeriums in eine angemessene Zukunft zu führen. Schließlich unterstützt das Land die Festivals in Südwestfalen so großzügig, um hochwertige Kulturveranstaltungen, und nicht um Massenspektakel zu ermöglichen. „Es war tatsächlich so, dass das Land Kritik an den letztjährigen Ausmaßen geübt und uns den Druck genommen hat, ein möglichst großes Publikum zu erreichen“, erklärt Jostmann.

Kleiner und feiner sollte es also werden, und die Alexanderhöhe mit ihren vielen räumlichen Möglichkeiten, die auch kleineren Veranstaltungen einen Platz geben, wurde bewusst gewählt. Gleichzeitig ging das Niveau spürbar nach oben. „Wir hatten in diesem Jahr qualitativ das bisher beste Programm“, ist sich auch Jostmann sicher. Und damit ist bei weitem nicht nur das Theater Anu gemeint, das sich mit seiner Parkbespielung wie eine künstlerische Klammer um das Festival gelegt hat.

Auch bei den Konzerten hat das Festival zweifellos qualitative Maßstäbe gesetzt. Joy Denalane hat dafür gesorgt, dass die soulige Linie des Festivals nach Namen wie Max Mutzke, Jan Delay, Stefan Gwildis oder Marla Glen in den Vorjahren in wunderbarer Club-Atmos-phäre vor rund 350 Zuschauern fortgeführt wurde (siehe unten stehenden Bericht). Der Rezitator Oliver Steller ist als Kinderliedermacher eine Liga für sich und überragt trotz kleineren Publikums die meisten seiner Kollegen (siehe Bericht auf der Seite Iserlohn 1). Hannes Wader als Grand Signor der deutschen Liedermacher-Szene war unter strengen Liedermacher-Kriterien der bisher größte seiner Zunft in der WortKlang-Geschichte und hat mit seinem fabelhaften Konzert einen Meilenstein für das Festival gesetzt (siehe Bericht auf der Seite Iserlohn 1). Und auch die Zusammenarbeit der Iserlohner Band „Stilfrei“ mit „beat ‘n’ blow“ nebst Workshop für junge Nachwuchs-Musiker war ein guter Ansatz, um den Anspruch einzulösen, auch junge Menschen, die sonst nicht ins Theater gehen, anzulocken. Dass hier gestern Abend zum Abschluss noch nicht einmal hundert Zuschauer kamen, ist ebenso unverständlich wie erschreckend.

„Wir sind aber nicht niedergeschlagen“, sagt Johannes Josef Jostmann. „Nach dem Bruch im letzten Jahr stehen wir wieder am Anfang und sind noch in der Lernphase.“ Und die Entscheidung, zur Alexanderhöhe zu ziehen, sei vollkommen richtig gewesen. Dieser Park in der Innenstadt habe auch perspektivisch durch die anstehende Umgestaltung eine große Bedeutung. Allerdings müsse er nach Jahren der Enthaltsamkeit erst wieder als Veranstaltungsstätte etabliert werden. Dass das auch ohne Lärm, sondern still und geschmackvoll geht, hat er mit dem WortKlang-Festival gezeigt.

Ralf Tiemann

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