Henning Scherf: Singen ist ein Lebensmittel
27.01.2011 | 17:54 Uhr 2011-01-27T17:54:00+0100
Iserlohn.„Auf diese Kantorei und dieses wunderbare Kantoren-Ehepaar können Sie wirklich stolz sein“, hat Dr. Henning Scherf sichtlich beeindruckt am Mittwochabend in das Publikum gerufen. Anlässlich des Gründungsfestes der Stiftung Evangelische Kantorei Iserlohn hatte der ehemalige Oberbürgermeister Bremens als Präsident des Deutschen Chorverbandes die Laudatio in der voll besetzten Obersten Stadtkirche gesprochen.
Seine Begeisterung war verständlich, denn die Kantorei präsentierte sich in der Tat in voller Pracht und Blüte. Schon öfter hatten die Kantoren Ute und Hanns-Peter Springer die verschiedenen Chöre, die im Lutherhaus an der Obersten Stadtkirche proben, zu besonderen Anlässen vereint. So geballt hatten sie bisher aber noch nicht gezeigt, was alles drinsteckt, wo Kantorei draufsteht. Mehr als 150 Sängerinnen und Sänger aus neun Chören von der Kinder- bis zur Seniorenkantorei im Alter von drei bis 80 Jahren boten einen rund einstündigen kirchenmusikalischen Querschnitt durch alle Epochen und Genres. Dazu waren mit einer festlichen Fanfare des Posaunenchores von Stefan Beumers und einer Orgel-Improvisation des katholischen Kantors Tobias Aehlig ihre engsten Kooperationspartner zu hören - im Ganzen eine eindrucksvolle Demonstration der Vielfalt, Leistungsstärke und Offenheit der Kantorei.
Die Iserlohner Kirchenmusik erschien hier auf einem Gipfelpunkt. Dass es dennoch notwendig ist, angesichts der weiter rückläufigen Kirchensteuereinnahmen eine Förderstiftung zu gründen, um die Arbeit der Kantoren auch zukünftig finanziell abzusichern und sogar auszubauen, musste dem Publikum nicht mehr erklärt werden. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Pfarrer Peter-Thomas Stuberg, musste in seiner Begrüßung nur kurz erwähnen, dass dieser musikalische Reichtum Ute und Hanns-Peter Springer zu verdanken sei, und es prasselte ein Applaus auf das Kantoren-Ehepaar ein, der gar nicht mehr enden wollte und aus dem eine tiefe Dankbarkeit und Wertschätzung sprach – gewiss der emotionalste Moment des Abends.
Dr. Henning Scherf sprach den Anwesenden dann auch aus der Seele, als er in seiner Laudatio ebenso unterhaltsam und humorvoll wie inhaltsstark und inspirierend den Wert der Musik und speziell des Singens hervorhob. Es sei unerhört wichtig, dass Kinder schon von Klein auf einen Zugang zum Singen bekommen. Nicht nur, weil dann die Hoffnung groß sei, dass sie nicht als grölende Jugendliche enden, sondern auch, weil Singen und Musizieren die allgemeine Entwicklung fördern. „Eigentlich würden die Kleinen jetzt doch viel lieber rumlaufen und Quatsch machen. Beim Singen sind sie aber plötzlich hochkonzentriert und mit Begeisterung dabei“, sagte Scherf mit Blick auf die St.-Marienkäfer. So einen Lernerfolg könne man gar nicht toppen. „Sie stellen sich einer Sache, bleiben dabei, übernehmen eine Aufgabe und halten Verabredungen ein.“
Integrationshilfe
Und das gehe so weiter. In den schwierigen Jahren der Pubertät sei Chor, in dem man zu Hause sei, ein Stück Lebenshilfe. Junge Eltern, „die mit Kindern und Beruf eine Menge am Hacken haben“, hätten Ort, um abschalten und die Seele baumeln zulassen. Und für die Senioren, vor allem auch für die Ältesten und Demenzerkrankten, habe Singen einen unschätzbaren Wert. „Musik macht da weiter, wo die Sprache längst versagt hat“, weiß der 72-Jährige aus eigenen Erfahrungen im Freundes- und Bekanntenkreis. „Singen ist ein Lebensmittel, das man als ganzer Mensch braucht“, lautete sein Fazit, für das er donnernden Applaus erntete. Ebenso wie für die Aussage, dass die Kantorei nicht nur ein Segen für die Sängerinnen und Sänger sei, sondern auch für die Gemeinde und die ganze Stadt von unermesslichem Wert sei. „Ich hoffe, dass die Pfarrer die Kirchenmusik nie als Konkurrenz empfinden. Eine so starke Kantorei ist das Beste, was einer Gemeinde passieren kann.“
Zur Gründung der Stiftung sagte er, dass es klug sei, sich nicht allein auf die Kirchensteuern zu verlassen. Zumal es durchaus noch Bereiche gebe, in denen die Arbeit ausgeweitet werden könne. Wunderbar wäre es beispielsweise, wenn noch viel mehr Kinder mit Migrationshintergrund für das Singen gewonnen werden könnten. Die Erfahrung, dass man bei aller kulturellen Verschiedenheit an der selben Sache Spaß habe, sei grundlegend für die Integration.
Nach dem Fest in der Kirche klang der Abend bei einem Empfang im Lutherhaus aus, wo Pfarrer Stuberg die Zustifter der ersten Stunde verlas. Rund 32000 Euro seien bisher eingegangen, 1,5 Millionen hat der Stiftungsrat ins Auge gefasst. „Nicht als Almosen, sondern als sinnvolle Investition in die Zukunft Iserlohns“, so Stuberg.
22:18
Herr Scherf war an diesem Abend ein echtes highlight.
und auch ich fände es schön,wenn es noch mehr Bilder , die ja zu Hauf gemacht wurden, zu sehen gäbe.
10:16
es war ein herrlicher Abend!
An die Redaktion:
Schade, dass es keine Fotostrecke gibt.