Gemein, böse und richtig gut
18.03.2010 | 16:15 Uhr 2010-03-18T16:15:00+0100
Iserlohn. „Der ist so gemein”, erklärte eine Dame am Mittwochabend begeistert. Sie bog sich vor Lachen in ihrem Sitz. Kein Wunder, mit Andreas Rebers war ein mehrfach ausgezeichneter Kabarettist ins Parktheater gekommen, der auch durch viele Fernsehauftritte bekannt ist.
Zwei Sätze genügten eingangs, um zu zeigen, wie bitterböse er sein kann. Mit „Wo sind denn die kleinen Kinder? Der Herr Pfarrer ist da.” betrat er die Bühne - und servierte von da an knapp zwei Stunden lang Kabarett, gewürzt mit einer Prise Comedy. Genau da lag für eingefleischte Kabarett-Fans vielleicht auch das Problem, manchmal geriet das Ganze ein wenig klamaukhaft.
Aber nur machmal, zum großen Teil war Rebers, der nach Bayern vertriebene Schlesier Anfang 50, richtig gut. „Auf der Flucht” heißt das aktuelle Programm des Trägers des Deutschen Kabarettpreises. Aus dem Paradies sei der Mensch vertrieben worden und seitdem eigentlich ständig auf der Flucht. Die Tragik könne man beispielsweise bei den Auswanderer-Sendungen der Privatsender sehen: „Da, wo sie ausgewandert sind, vermisst man sie nicht. Und da, wo sie hinwandern, werden sie nicht gebraucht.” Immer wieder nahm Rebers, oft auch der „Blockwart Gottes” genannt, die Religionen aufs Korn: „Seid ihr katholisch? Habt ihr nicht Angst, dass man euch drankriegt wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung?” Deutschland sei islamfeindlich? Keineswegs: „Islamfeindlich ist der Iran. Da werden ganz viele Muslime geköpft. Das machen wir ja gar nicht.”
„Der Opa war noch Arier, die Mutter Vegetarier” und „Ayurvedisches Entschlacken ist teurer Durchfall” waren einige der Erkenntnisse, die Rebers im Laufe des Abends lieferte. Oft sang der studierte Musiker, begleitete sich selbst auf Instrumenten, die Bandbreite reichte von schlagerartigen Liebesliedern über Klezmer bis zu Beethoven und Verdi. Eine gelungene Pointe jagte die nächste, Rebers gelang es, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und das Ganze in bester Kabarettmanier wunderbar überspitzt darzustellen. Dabei wirkte sein Programm nicht durchgefeilt bis ins Letzte, sondern zeichnete sich durch Leichtigkeit und scheinbare Spontaneität aus. Ein Blatt vor den Mund nehmen? Absolute Fehlanzeige bei Rebers.
Das Publikum im nahezu ausverkauften Haus war begeistert, manch einer hatte vor Lachen Tränen in den Augen.
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