Das aktuelle Wetter Iserlohn 14°C
"St. Niklas war ein...

Gaby Albrecht riss Publikum zu Ovationen hin

21.12.2009 | 00:10 Uhr
Gaby Albrecht riss Publikum zu Ovationen hin

Iserlohn. Wenn es um 0.48 Uhr im Großen Haus des Parktheaters stehende Ovationen gibt und nach fast sechs Stunden Programm noch nach Zugaben verlangt wird - dann kann es sich nur um „St. Niklas war ein Seemann” handeln.

Zweimal, am Freitag und am Samstag, begeisterte die Eigenproduktion des Kulturbüros in seiner neunten Auflage insgesamt mehr als 1600 Zuschauer. Schon beim ersten Heben des Vorhangs gab es Applaus für das tolle weihnachtlich-maritime Bühnenbild, das die Parktheater-Crew gezaubert hatte. Erstmals präsentierte sich die Hafenkneipe, zu der der Theaterboden bei „St. Niklas” immer wird, nicht in den gewohnten dunklen Tönen, sondern in strahlendem Weiß - aufgrund der Kürze der Zeit nach dem letzten der drei „Luxuslärm”-Konzerte war auf einen Teil der Dekoration zurückgegriffen worden. Was aber auch sehr gut passte angesichts des freitäglichen Wintereinbruchs vor der Tür.

Welch „gewaltigen Vorteil” der mit sich brachte, erklärte „Hafenwirt” Thomas Reunert den Zuschauern zu Beginn mit einem Schmunzeln: „Wir müssen heute Abend nicht so reinhauen, denn erst ab 3 Uhr wird wieder gestreut.” Das ließen sich die „Romantik Sailors” in der Hafenkneipe natürlich nicht zweimal sagen und präsentierten ihre Shantys mal wieder in entsprechender Länge. Wodurch sich der Moderator dann aber irgendwann mit Blick auf die Uhr und angesichts der vorrückenden Zeit doch zum Einschreiten genötigt sah: „Ihr sollt nicht immer so lange Lieder singen! Könnt ihr nicht auch Steno singen?”

Überhaupt waren die kleinen „Kabbeleien” des Wirts mit dem „Romantik Sailors”-Chef Bodo Scheuch, mit Chef-Kellnerin Gerda Trappe und mit den Stargästen auf der Bühne wieder das Salz in der Suppe der Show, die mit ihren Zutaten im Stile der großen Ausstattungsrevues vergangener Jahre für viele Geschmäcker etwas dabei hatte. Höhepunkte der Abende waren dabei sicherlich die Auftritte von Rio, „The Voice of Elvis”, und vor allem von Gaby Albrecht.

Mit Liedern wie „Heilige Zeit”, „Weihnachtsland” und besonders ihrer Interpretation des „Ave Maria” von Bach/Gounod riss Gaby Albrecht das Publikum auch weit nach Mitternacht zu Bravo-Rufen und eben jenen eingangs beschriebenen stehenden Ovationen hin. Auch die weihnachtlichen Gedichte und Texte, die sie mit ihrer wunderschönen Stimme zwischendurch vortrug, trafen den Nerv der Zuschauer.

Das galt auch speziell am zweiten Abend für die Auftritte von Rio. War er zunächst am Freitag aufgrund der weihnachtlichen „St. Niklas”-Grundstimmung davon ausgegangen, dass dafür mehr die Gospels gefragt waren, die der sehr gläubige „King of Rock'n'Roll” einst auch in seinem Repertoire hatte, stieg Rio für den Samstag noch mal ganz verstärkt auf die Klassiker wie „Are you lonesome tonight” um und dazu in jenes berühmte weiße Elvis-Outfit, das zudem dessen Original-Schneider erstellt hatte.

Auch der österreichische Schauspieler Anton Rattinger, der bei der ersten Show noch mehr besinnliche, denn heitere Texte von Kafka, Heine, Hoffmannsthal und Tucholsky rezitiert hatte - die das Publikum aber sehr aufmerksam verfolgte -, strickte sein Programm noch mal ein wenig um für den Samstag und konnte mit der mehr komödiantischen Variante noch besser punkten.

Die Lacher auf seiner Seite hatte auch der Mendener Puppenspieler Bodo Schulte, der mit seinem bekannten Landwirts-Orginal aus dem „sauerländischen Drüpplinghausen”, Clemens Schulte-Vierkötter, mal wieder bei „St. Niklas” vorbeischaute. Ob Schweinegrippe- und BSE-Schnelltest, Bücher-Tipps für den Gabentisch, das Zwiegespräch mit der von Stefan Neuhaus gespielten Weihnachtsgans oder die „internationale Farbensprache” - der bodenständige Humor aus der Feder des Mendeners, der auch Käpt'n Blaubär und Raudi Raupe zum Leben erweckt, kam bestens an.

Ein hoffnungsvolles, wenn auch schon leicht ergrautes Nachwuchstalent in der Schlagerszene sahen die Zuschauer zudem noch mit dem 66-jährigen Fritz Werner, der mit dem „Kleinen Kater Nicki” und dem an viele Klassiker des Genres erinnernden „Die schönen Zeiten” begeisterte. Und auch die Telefonate, die Thomas Reunert live auf der Bühne führte, hatten wieder einen hohen Unterhaltungs- und Informationswert: ob mit Meteorologe Sven Plöger, der den Iserlohnern noch keine weiße Weihnachten versprechen konnte, am Freitag mit Fernseh- und Radio-Koch Helmut Gote - bei dem es Heiligabend übrigens Toast Hawaii in der Edel-Version und dazu 300 passende Urlaubsdias gibt - oder am Samstag mit der „Polarstern”. Das Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts befindet sich zurzeit im Südpazifik, bei am Samstag, „grauem Himmel und Wellengang von 6,50 Meter”, wie Kapitän Stefan Schwarze berichtete. Mit Würstchen und Kartoffelsalat sowie dem im Kühlhaus frisch gehaltenen Tannenbaum werde an Bord Weihnachten gefeiert, wobei der Bordfunker aufgrund der Sehnsucht zu den Familien dann immer Überstunden machen müsse.

Bei den Zuschauern kam der weihnachtlich-maritime Mix jedenfalls wieder bestens an. Auch in der Pause wurden sie unterhalten, so vom Trio „Mit voller Spielmannswucht”, und konnten sich zudem am Stand der Interessengemeinschaft Schiffsmodellbau und über die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), für die auch wieder gesammelt wurde, informieren.

Ganz begeistert von „St. Niklas” waren auch Annette und Lorenz Przyklenk sowie Martina und Werner Reimann, die bei unserem Gewinnspiel die Ehrenplätze auf der Bühne gewonnen hatten. Für die zehnte und nach derzeitigem Stand letzte „St. Niklas”-Show 2010 hat der Vorverkauf bereits begonnen.

Mehr zum Thema:

Torsten Lehmann

Facebook
 
Kommentare
21.12.2009
06:47
Gaby Albrecht riss Publikum zu Ovationen hin
von marwang | #1

aber auch nur die ,das rahmenprogramm war sehr schwach die meinung vieler anwesender

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2292157/create

Aktuelle Fotos und Videos
Pfinsten in Iserlohn
Bildgalerie
Fotostrecke
Aktion "Kultur gestärkt"
Bildgalerie
Fotostrecke
WortKlang Festival 2012
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Jugendkunstschule feiert ihr Jubiläum mit einer Ausstellung
Iserlohn
Einen so bunten und kreativen Mix aus verschiedensten künstlerischen Stilen und Ausprägungen der bildenden Kunst hat es in der Städtischen Galerie wohl selten zu sehen gegeben, wie in der aktuellen Ausstellung, die am Freitagabend um 19 Uhr mit einer Jubiläumsfeier feierlich eröffnet wird.
Wer schlägt, muss gehen: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache
Runder Tisch
Zehn Jahre erfolgreiche Arbeit des Runden Tisches „Gewalt gegen Frauen“ wäre ja ein Grund zum Feiern. Doch wenn Anna Müller, Leiterin des Iserlohner Frauenhauses, in die Zukunft blickt, steigen Sorgenfalten in ihr Gesicht. Denn mit dem Abschied von Helena Haack, die im Juli in die Freistellungsphase