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Für Rot-Grün aber gegen "Ausschließeritis"

09.04.2010 | 16:57 Uhr
Für Rot-Grün aber gegen "Ausschließeritis"

Iserlohn. Auf die Frage, ob sie bei einem Wahlsieg am 9. Mai Fraktionschefin bliebe oder einen Ministerposten in der Landesregierung übernehme, wollte Sylvia Löhrmann keine Auskunft geben. „Erstmal müssen wir doch den Bären erlegen, bevor wir das Fell verteilen”, sagte sie lachend.

Und das klang schon ziemlich selbstbewusst und durchaus siegessicher. Am Mittwoch war die Spitzenkandidatin der Grünen NRW in Iserlohn. Auf dem Stiftungshof in Kalthof traf sie sich mit den örtlichen Partei-Spitzen und zeigte sich begeistert von dem Projekt Stiftungshof, das vom Naturschutz und von der heimischen Wirtschaft getragen wird. Und schon zuvor fand sie sich zum Interview im Wichelhovenhaus ein. Die Umfrageergebnisse sehen die Grünen in NRW derzeit mit elf bis zwölf Prozent klar als drittstärkste Kraft vor der FDP und den Linken mit jeweils etwa sieben Prozent. Das Ziel einer rot-grünen Regierung könne man aber wohl nur erreichen, wenn die Linken den Sprung in das Parlament nicht schaffen. Daher begrüßt sie auch den stark auf sozialpolitische Themen zielenden Wahlkampf der SPD, der den Linken das Wasser abgraben könnte. Sollte das nicht gelingen, sei man selbstverständlich zu allen Seiten gesprächsbereit. „Ausschließeritis gibt es bei uns nicht. Das macht nach Hessen ja auch niemand mehr”, erinnert sie an die Blockadesituation in Hessen, die schließlich zu Neuwahlen geführt hat.

Dass Rot-Grün aber ihr erklärtes Ziel ist, daran ließ Sylvia Löhrmann im Gespräch keinen Zweifel. Gerade in der Schulpolitik seien die Vorstellungen der Grünen mit denen der CDU eigentlich nicht zu vereinbaren. „Das ist das letzte politische Feld, auf dem es noch richtig ideologisch zugeht”, sagt die 53-jährige Solingerin. Die CDU habe in den letzten Jahren im Vergleich zu ihrer alten Haltung zwar schon viele Zugeständnisse gemacht. So seien die Notwendigkeit von Ganztagsschulen oder der frühkindlichen Förderung inzwischen auch bei den Konservativen angekommen - trotz ihres althergebrachten Familienbildes. Dennoch halte die CDU an ihrem Sortierprinzip und dem starren dreigliedrigen Schulsystem fest. „Gerade im ländlichen Raum muss man das System aber pragmatisch weiterentwickeln ohne einen Schulkrieg zu führen”, sagt sie. Vor allem müsse man sich an den Wünschen der Eltern orientieren und eine gute Schulversorgung für alle Kinder ermöglichen, die das Abitur als Abschluss einschließt. „Wir müssen die gymnasialen Standards in die anderen Schulen tragen”, sagt Löhrmann. Und man müsse inhaltlich und vom Kind aus denken. CDU und FDP würden eher in Etiketten denken und die Hauptschule retten wollen, koste es, was es wolle. „Wie die Schule am Ende heißt ist doch einerlei. Wichtig ist, dass alle Kinder gut versorgt sind.”

Die Bildungspolitik steht neben vielen anderen grünen Themen von der Energie- bis zur Umweltpolitik und den Kommunalfinanzen an der Spitze der persönlichen Hierarchie von Sylvia Löhrmann. Daher schließt sie für sich auch einen Wechsel in die Bundespolitik aus: „Bildung und Schule sind Ländersache, und da will ich weiter mit gestalten.” Und daher hat sie gerade die bildungspolitischen Reformen der vergangenen Legislaturperiode sehr genau beobachtet. „Schwarz-Gelb hat hier eine Reihe von Einzelelementen ohne jedes übergeordnete Konzept umgesetzt. Und das fällt ihnen jetzt auf die Füße.” Das Turbo-Abi, die Kopfnoten, die Aufhebung der Schulgrenzen, vor allem aber KiBiZ müsste dringend generalüberholt werden. „Die Qualität bei der Betreuung der Kleinen muss dringend erhöht werden.”

Sylvia Löhrmann bezeichnet sich selbst als Kind des Ruhrgebiets. 1957 geboren wuchs sie in Essen in einem streng katholischen und politisch aktiven Elternhaus auf. „Die SPD war bei uns zu Hause immer der Feind”, sagt sie. Umso willkommener war der jungen Frau im Jahr 1980 die Gründung der Grünen als Partei jenseits der alten Blöcke. Die politische Bewegung der späten 70er-Jahre erlebte sie als Studentin an der Bochumer Ruhr-Universität hautnah mit. Friedensbewegung, Familienbewegung, Anti-Atomkraft - Sylvia Löhrmann war mit Anfang 20 von dem all dem begeistert und mischte bei den großen Demos und anderen Ereignissen immer vorne mit.

„Dass ich bei den Grünen aktiv werden würde, war von Beginn an klar”, erinnert sie sich. Eingetreten ist sie aber erst, als sie 1985 in Solingen als Lehrerin sesshaft wurde. Von der Kommunalpolitik führte ihr Weg dann recht schnell in die Spitze der Landespolitik, wo sie seit 2005 die Grünen-Fraktion im Landtag führt.

Viele Erfahrungen hat sie seit dem auf allen politischen Gebieten gesammelt - unter anderem auch mit umstrittenen Moschee-Bauvorhaben. Unter anderem in Köln und in Duisburg hat sie ähnliche Entwicklungen, wie sie derzeit in Barendorf rund um den Bauantrag der Ahmadiyya-Gemeinde eng begleitet. „Wichtig ist ein runder Tisch, an dem alle Beteiligten, die Muslime, die Anwohner und die christlichen Gemeinden am besten unter Leitung des Bürgermeisters, offen ansprechen können, was sie wollen und was sie nicht wollen. Viele Vorbehalte beruhen auf Missverständnissen und Unwissenheit. Meistens lösen sich die Probleme an einem runden Tisch in Luft auf.”

Und einen Vorzug eines Moscheebaus gibt sie auch noch zu bedenken: die Transparenz. Denn eine große Moschee, von der jeder weiß, was darin geschieht und wer sie nutzt, sei sehr viel begrüßenswerter als viele kleine Gebetsräume, die sich in verborgenen Hinterhöfen etablieren und von denen niemand weiß, was dort geschieht.

Ralf Tiemann

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Kommentare
10.04.2010
17:07
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von Matthias.Kiesel | #7

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10.04.2010
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von Matthias.Kiesel | #6

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10.04.2010
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10.04.2010
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10.04.2010
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10.04.2010
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