Die ungewisse Zukunft des Schlieperblocks
01.09.2010 | 17:14 Uhr 2010-09-01T17:14:00+0200
Iserlohn.„Wir erkennen den Denkmalwert ohne jeden Zweifel an“, verdeutlicht Baudezernent Olaf Pestl auf Anfrage unserer Zeitung die Position der Verwaltung, die letztlich in eine Beschlussvorlage für die Dezember-Sitzung des Planungsausschusses münden soll, den „Block“ in die Denkmalliste aufzunehmen.
Tatsächlich stellen die 28 Häuser, die an der Anker- und der Kreuzstraße, sowie am Meisen und am Drosselweg nach Entwürfen des Architekten Theodor Hennemann zwischen 1928 und 1936 errichtet worden sind, für Dr. Hans Hanke als zuständigem Fachmann vom Denkmalamt Münster ein Beispiel für das sogenannte „Neue Bauen“ dar, durch das in Zeiten der Weimarer Republik einkommensschwache Haushalte mit menschenwürdigem Wohnraum versorgt werden sollten. Der Schlieperblock gehöre in diesem Zusammenhang zu den in Westfalen ganz seltenen Baugruppen, die sich an der Moderne der 20er Jahre orientiert haben, so Hankes Einschätzung der Bedeutung des Ensembles. Ein Urteil dem sich Olaf Pestl ebenso wenig wie Holger Lohrbach, Geschäftsführer der Iserlohner gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft als Eigentümer der Immobilien, verschließen wollen.
Städtebaulich indes scheiden sich die Geister. So hat die IGW zwischenzeitlich einen Abrissantrag für die mittlerweile fast komplett entmieteten Häuser gestellt, da sie den Aufwand für eine Sanierung für deutlich zu hoch einschätzt, um den „Block“ anschließend wieder vermieten zu können. „Wir lägen bei einer Kaltmiete von 8,50 Euro pro Quadratmeter“, so Holger Lohrbach. Angesichts der bevorstehenden Unterschutzstellung werde die Wohnungsgesellschaft daher einzig und allein Sicherungsmaßnahmen ergreifen, aber keinen Euro in die Aufwertung investieren. Offen stehe die IGW hingegen einem Verkauf des gesamten Areals an einen privaten Geldgeber gegenüber, wenn denn das Angebot stimmt. Trotz der Eintragung in die Denkmalliste will die IGW überdies in Kürze einem Antrag der Stadt Iserlohn an die Europäische Union, im Rahmen eines EU-Förderprogramms den Gesamtbereich rund um den Grüner Weg zu attraktivieren. Der Schlieperblock gilt bei diesem Antrag als zentrales Grundstück für die weitere Gebietsentwicklung - allerdings bislang in unbebautem Zustand.
Eine Vorstellung, die Peter Treudt und Klaus Stinn überhaupt nicht behagt. Mit einigen anderen Unterstützern möchten sie den Erhalt des Schlieperblocks erreichen, um an dem Standort alternative Wohnformen zu ermöglichen und dazu noch - begünstigt durch die baulichen Gegebenheiten - die Ursprungsidee wiederaufleben zu lassen, Möglichkeiten sozialer Kommunikation zu schaffen. So könnte der Schlieperblock nach Vorstellungen von Treudt und Stinn etwa ein geeigneter Ort sein, um das Zusammenleben älterer Frauen in Form eines sogenannten „Beginenhofes“ zu realisieren. Auch die finanzielle Seite sei bei einem solchen Vorhaben durchaus in den Griff zu bekommen. Die beiden Block-Befürworter nennen nach Einblick in IGW-Unterlagen Sanierungskosten pro Gebäude, die bei einer Wohnfläche von 140 Quadratmetern bei 170 000 Euro, bei 170 Quadratmetern bei 190 000 Euro liegen sollen. Noch nicht eingerechnet seien hierbei Fördergelder, die es für ein solches Projekt geben könne.
Grundlage für das weitere Vorgehen, so die Forderung, müsse nun die Erstellung einer Machbarkeitsstudie sein, wie das Denkmal Schlieperblock in einem für den Eigentümer wirtschaftlich darstellbaren Rahmen erhalten werden könne. Klaus Stinn: „Es muss auch darum gehen, innenstadtnahe Quartiere mit einer funktionierenden Infrastruktur zu erhalten.“ Neben dem Denkmal-Aspekt und der städtebaulichen Funktion müsse überdies die stadthistorische Bedeutung eine Rolle spielen, da der Schlieperblock ein Quartier gewesen sei, dessen Bewohner sich gegen das NS-Regime zur Wehr gesetzt hätten.
Um für den Erhalt des Blocks zu werben, suchen Klaus Stinn und Peter Treudt nun die Öffentlichkeit und somit auch Menschen, die eine Realisierung alternativer Wohnformen an dem Standort unterstützen möchten. Zum Tag des Denkmals am 12. September soll daher ein Informationsstand an der Ecke Kreuzstraße/Ankerstraße aufgebaut werden, an dem auch Führungen durch das Quartier angeboten werden. In der Folge wird am 22. September zu einer Podiumsdiskussion in das Alte Stadtbad eingeladen, bei der Hans Hanke vom Landesdenkmalamt ebenso wie ein Architekt und eine Fachfrau zur Realisierung von Wohnprojekten zu Worte kommen solle. Moderiert wird das Gespräch von Thomas Brenck. Gesucht werden von Stinn und Treudt zudem Zeitzeugen, die über das Leben im Schlieperblock in der Nazi-Zeit berichten können.
„Wir brauchen eine zeitnahe Entscheidung, was an diesem Standort geschehen soll“, hält es derweil Baudezernent Pestl für einen untragbaren Zustand, den Schlieperblock nun über Jahre leer stehen und weiter verfallen zu lassen. Fakt sei, dass der Abrissantrag der IGW nur Ruhe und nach der Unterschutzstellung weiter bearbeitet werde. „Wenn der Eigentümer dann den Nachweis führen kann, dass eine wirtschaftlich vertretbare Nutzung nicht erreicht werden kann, werden wir dem Antrag stattgeben“, so Pestl. Dann aber ist wieder die Münsteraner Denkmalbehörde am Zuge, was am Ende dazu führen könnte, dass ein Ministerentscheid getroffen werden muss, um die Zukunft des Blocks zu klären. Dem Ansatz, den Schlieperblock von einem privaten Geldgeber sanieren zu lassen, steht der Baudezernent allerdings ebenso offen gegenüber: „Wenn sich eine solche Option bietet, dann wäre es ja unklug, sie nicht zu nutzen.“
20:25
Selbst wen man es sanieren würde , wer will den dan dort in so kleinen wohnungen wohnen?..mich würde die zielgruppe intressieren? lol
Das man darüber wirklich noch diskutieren muss...abreissen den dreck..schicke 1-3 famielienhäuser hin fertig-
20:49
Also Schlieperblock gehört doch geschützt mit einer goldenen Plakette dran: Hier starb der Ex-Mann von Ex Tik Tak Toe Sängerin Lee. Es dauerte ein Monat oder zwei bis er gefunden wurde...
Oder wir warten bis sich diese Schukartonboxen von alleine auflösen und die Natur zurückkehrt... ^^
00:36
Kann mich dem Kommentar #8 nur anschließen. Wenn die Bruchbuden so Erhaltungswürdug sind sollen die Herren Dr. Hans Hanke, Peter Treudt und Klaus Stinn die Hütten doch Stein für Stein nummerieren, rückbauen und auf ihrem Grund wiederaufbauen. Welche Rolle die beiden letzteren in dieser Soap spielen, ist aus dem Artikel leider nicht ersichtlich, ich vermute mal da brauch jemand Publicity.
00:01
Weg mit dem Mist!!!!
21:00
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18:23
unbedingt
18:23
Lasst doch Stinn einziehen und das ganze pflegen wenn er das unbeding erhalten will !!!!
16:27
Ich muss sagen das ich einfach nur Lachen muss :D
Wie wäre es wenn man dort ein Rotlichtmilleu eröffnen würde und die Betreiber würden sich sehr über so ein Angebot freuen die Pilzlaternen einfach rote Birenen rein und schon hat Iserlohn eine Atrakktion mehr zugunsten von Stadt und Image da würde sich jeder Freier freuen oda =) ?
Wenn schon unser Nievau so tief und wir keine Moral haben dann sollten wir auch so handeln falls nicht dann reißt die ******* ab und macht ein Park drauß wo man grillen kann mit Teich
16:17
Wahrscheinlich wird jetzt wieder so lange über die Zukunft des Blocks diskutiert, bis die Buden von selbst in sich zusammenfallen.
14:42
@ Kerryman: Nach solch einem mit Geld in der Tasche wird doch gesucht... Ich denke, die Stadt macht das schon richtig.. Erstmal nach einem Geldgeber suchen.. Und danach darüber nachdenken, abzureißen.. Es geht den meisten doch garnicht um die Bausubstanz, sondern um die Bewohner.. Und irgendwo müssen auch einkommensschwache Schichten leben.. Warum sollen die immer weg, wenn sich andere nicht wohl fühlen?? Denken Sie echt, man löst soziale Probleme in Iserlohn, indem solche Blocks abgerissen werden, oder verlagert man sie vielleicht woanders hin??