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IBSV-Traditionsessen

„Die Stadtwerdung Iserlohns war ein schleichender Prozess“

01.07.2012 | 16:17 Uhr
„Die Stadtwerdung Iserlohns war ein schleichender Prozess“
Das Traditionsessen in der Parkhalle am Samstag mit Festredner Dr. Wilhelm Bleicher war wie gewohnt sehr gut besucht.

Iserlohn. 775 Jahre Iserlohn? Weit gefehlt! Dr. Wilhelm Bleicher widerlegte am Samstag als Redner beim Traditionsessen des IBSV in der Parkhalle die Annahme, Iserlohn habe im Jahr 1237 die Stadtrechte verliehen bekommen. Es sei im Dritten Reich vielmehr ein wenig schön gerechnet worden, um 1937 die 700-Jahr-Feier zeitgleich mit der damaligen Reichshauptstadt Berlin feiern zu können.

Wie in jedem Jahr konnte IBSV-Oberst Hans-Dieter Petereit auch am Samstag viele Gäste aus Politik, Verwaltung und öffentlichem Leben an der Alexanderhöhe begrüßen. Dabei kritisierte er einmal mehr den immensen Aufwand, der heute für ein Sicherheitskonzept nötig sei. „Die Bürger müssen wissen, dass das alles Geld kostet, und wir die Kosten auf die Besucher des Schützenfestes umlegen müssen.“ Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Landrat Thomas Gemke lenkten den Blick in ihren Grußworten über das Schützenfest hinaus auf die 775-Jahr-Feier Iserlohns. Angesichts des großen Bürgerfestes Ende August erklärte Gemke: „Es steckt viel Kraft in der Bevölkerung. Manchmal mehr, als wir denken.“

„Iserlohn im Morgendämmer der Geschichte“ lautete danach das Thema bei Dr. Wilhelm Bleicher, der die These vertrat, Iserlohn habe nie eine Stadturkunde erhalten. Die Iserlohner haben sich die Stadtrechte vielmehr in einem Prozess schleichender Emanzipation erworben, und diesen Prozess verortet er erst in die 1250er Jahre. Denn erst im Jahr 1249 sei Iserlohn nach kriegerischen Auseinandersetzungen an die Grafen von der Mark gefallen. Aus Münzfunden gehe hervor, dass Iserlohn seit dieser Zeit als Stadt bezeichnet wurde. Gleichzeitig existiert eine Urkunde von 1278, in der dem neuen Grafen für Iserlohn dieselben Stadtrechte zugesichert werden wie seinem Vater, der ab 1249 regierte. Zudem sei davon auszugehen, dass während des vorausgegangenen Krieges eine befestigte Burg auf dem Bilstein errichtet wurde, die danach als Stadtbefestigung weiter genutzt wurde. All das, so Bleicher, lege den Schluss nahe, dass Iserlohn erst nach dem Jahr 1249 Stadt wurde.

Zu Beginn seines Vortrags beschrieb er die Anfänge der germanischen Siedlung zwischen dem 2. und 7. Jahrhundert. Im Bereich der heutigen südlichen Innenstadt hätten sich damals bäuerliche Viehzüchter mit einer heidnischen Kultstätte auf dem Bilstein niedergelassen. In diesem Zusammenhang ging er auch auf die vielen Ortsnamen in Iserlohn germanischen Ursprungs ein und deutete Iserlohn nicht als „Eisenwald“, sondern eher als „Eisenbach“.

Ralf Tiemann



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