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Besser geht Boulevard-Theater wohl kaum

12.01.2016 | 11:20 Uhr
Besser geht Boulevard-Theater wohl kaum
Bianca Karsten (v. li.), Ralf Komorr, Marcus Ganser, Mackie Heilmann und (nicht im Bild) Nina Juraga begeisterten das Publikum im Parktheater.Foto: Michael May

Iserlohn. Da spielten zwei Unterleibe auch schon mal kurz „Ping-Pong“. Die konsequenten Liebhaber des ausschließlich ganz feinen, hintersinnigen Humors mussten am Freitagabend im voll besetzten Parktheater wahrscheinlich das eine oder andere Mal leicht oder auch kräftiger schlucken. Die anderen – und das war ohne Frage die überragende Mehrzahl – quietschten und juchzten vor Vergnügen über das Komödien-Spektakel, das sich ihnen da in der Boulevard-Reihe in Gestalt des „perfekten Desaster-Dinners“ bot.

Fünf Darsteller in einer atemberaubenden Spiellaune und offenbar getragen von der unbändigen Freude am bespaßenden Zusammensein brachten ein Beziehungs-Verwirrspiel auf die Bühne, das sich so gar nicht nacherzählen bzw. mit Worten verständlich vermitteln lässt.

Da waren also der locker-leichte Sympath Ralf Komorr als Techtelmechtel-williger Ehemann Stefan, Bianca Karsten als seine nicht minder Ehebruch-bereite Gattin Jacqueline und Marcus Ganser als Fleisch gewordene Notlüge und Stefan-Freund Robert (Aszendent Jacqueline). Schließlich noch Nina Juraga als Susanna, kiffendes Stefan-Liebchen und Jetset-Dööfchen, und eben auch Mackie Heilmann, eigentlich als Asia-Köchin, aber am Ende auch potenzielle Mehrfachgeliebte und unkaputtbare Wuchtbrumme Susi. Wer Dirk Bach mochte, muss sie lieben.

Schlussnummer erst kurz vor Beginn fertig einstudiert

Die gezeigte Ensemble-Leistung war um so erstaunlicher, als dass man sich zur Vorbereitung der Wiederaufnahme des Stücks von Marc Camoletti nur zwei Wochen in dieser Besetzung zu Proben unter Leitung von Marcus Ganser getroffen hatte. Er war es auch, der zum Stück- und Applausfinale ein verwirrendes, das Publikum begeisterndes Schluss-Gewusel zwischen Türen, Treppen und Sofas einstudieren ließ und zwar erst ab Freitagmorgen und dann auch noch am Abend, als das Publikum bereits vor dem geschlossenen Vorhang Platz genommen hatte.

Das erfuhren die Zuschauer, die auf Einladung von Kulturbüro, Veltins-Brauerei und Heimatzeitung noch zum anschließenden „Nah dran“-Künstler-Talk mit IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert in die aus allen Nähten platzende Galerie des Parktheaters kamen. „Das Proben der Schlussnummer haben wir dann auch gleich zum Aufwärmen nutzen können“, berichtete Marcus Ganser und gratulierte seinen Kollegen überhaupt zu der Leistung, die Komödie „in so kurzer Zeit so großartig“ auf die Bühne zu bringen. Die Zusammenarbeit mit diesem „Wunsch-Ensemble“ empfinde er als „unglaubliches Glück“, wohl wissend, dass es mit ihm, dem „Allround-Dilettanten“, der vom Bühnenbild bis zur Regie alles irgendwie stets lieber selber und möglichst dabei auch noch perfekt machen will, auch anstrengend sein könne.

Dass aber trotzdem die Chemie zwischen allen bestens stimmte, merkte man nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Talk gleich von Beginn an. So als Ganser und Ralf Komorr die Bitte von Thomas Reunert an die ehemalige Waldorfschülerin Mackie Heilmann, ihren Namen zu tanzen, lautstark unterstützten. Um dem „lustigen Klischee“, das immer direkt mit der Pädagogiklehre von Rudolf Steiner in Verbindung gebracht wird, ein bisschen entgegen zu wirken, folgte Mackie Heilmann – die übrigens tatsächlich so heißt, weil ihr Vater, der am Theater arbeitete, „Die Dreigroschenoper“ liebte – dem Wunsch. Bei einem kleinen Exkurs in die Welt der Eurythmie stellte sie die entsprechenden Buchstaben aus der Bewegungskunst dem Publikum vor. Zugleich gab die unter anderem durch die Sat1-Serie „Weibsbilder“ bekannt gewordene Schauspielerin Einblicke in ihre Kariere und auch in ihr Gefühlsleben.

Das tat anschließend auch Ralf Komorr, der bei seinem „mindestens“ siebten Gastspiel im Parktheater erstmals auf die „Nah dran“-Bühne gebeten wurde: „Bislang hatte ich hier wohl immer an der Seite berühmterer Kollegen gespielt.“ Da er sich aber hinter denen wahrlich nicht verstecken muss und vor allem ein sehr sympathischer Talk-Gast war, dürfte der gebürtige Kieler und Wahl-Münchner nicht das letzte Mal Thomas Reunert und dem Publikum Rede und Antwort gestanden haben. Allerdings könnte es bis dahin ein wenig dauern, denn Komorr, der auch gerne selber wieder ein Theater führen möchte, geht nur ein bis zweimal pro Jahr auf Tournee und kümmert sich, während sein Frau in der Pharmabranche tätig ist, als Hausmann um die beiden Söhne (8 und 10).

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2016-01-12 11:20
Iserlohn