Auch FDP für eine zweite Gesamtschule
21.06.2011 | 16:30 Uhr 2011-06-21T16:30:00+0200Iserlohn.Die Iserlohner FDP reiht sich ein in die Riege der Parteien, die eine zweite Gesamtschule im Stadtgebiet fordern. Dies ist eines der Ergebnisse eines Strategie- und Programmgesprächs der Liberalen, bei dem die Partei unlängst Leitlinien ihrer Politik festlegten.
„Die Anmeldezahlen an den Hauptschulen sind stark rückläufig, die Realschulen und Gymnasien verlieren leicht. Die einzige Schulform, die steigende Nachfrage verzeichnet, ist die Gesamtschule“, begründet Fraktionschef Detlef Köpke pragmatisch die Entscheidung im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit dem Votum der FDP pro zweiter Gesamtschule käme - Stand heute - eine Mehrheit im Stadtrat zustande, nachdem sich bereits die SPD, die Bündnisgrünen und die Linken öffentlich als Befürworter positioniert haben.
Mit ihrem „ja“ verknüpfen die Liberalen allerdings Bedingungen. „Wir dürfen es angesichts der demografischen Entwicklung nicht zulassen, dass es zu Überkapazitäten kommt“, betont Stadtverbandschef Markus Munckenbeck. Vor diesem Hintergrund spricht sich die FDP dafür aus, die bisherige Gesamtschule am Nussberg zusammenzufassen und auf vier statt wie bisher sechs Züge zu reduzieren sowie am neuen Standort ebenfalls vier Züge samt einer eigenen Oberstufe einzurichten. Während andere Ratsfraktionen derweil bereits die Hauptschule Hennen als optimalen Standort für die zweite Gesamtschule ausgemacht haben, halten sich die Liberalen bei dieser Frage noch zurück. „Es gibt natürlich auf der Hand liegende Vorteile, aber eben auch Nachteile wie die zu erwartenden Umbaukosten und die Verkehrsanbindung“, so Munckenbeck. Möglicherweise sei daher die zweite Gesamtschule an anderer Stelle besser untergebracht. Zur Meinungsbildung erwarten die Liberalen entsprechende Untersuchungen und Berechnungen der Fachverwaltung im Rahmen der Schulentwicklungsplanung.
Während die Hauptschule als Schulform trotz ihrer unzweifelhaften pädagogischen Berechtigung angesichts der Anmeldezahlen bedauerlicherweise ein, so Fraktionschef Köpke, „Auslaufmodell“ sei, fordern die Liberalen jede mögliche Unterstützung für die drei Gymnasien. Köpke: „Wir müssen im Sinne des Bildungsstandortes diese Schulen so gut wie möglich ausstatten, um ihren dauerhaften Bestand zu gewährleisten.“ Die Zukunft der Haupt- und Realschulen könne derweil im Verbund liegen - allerdings ohne eigene gymnasiale Oberstufe. Und während die FDP sonst kaum eine Gelegenheit auslässt, angesichts der angespannten Haushaltslage auf den Sparzwang hinzuweisen, gilt dies für die Liberalen nicht in Sachen Bildung. „Investitionen in diesem Bereich halten wir für schlicht unumgänglich. In anderen Bereichen müssen wir im Sinne der Konsolidierung den Druck auf dem Kessel lassen“, sagt Markus Munckenbeck.
Unumgänglich aus Sicht der FDP sind indes auch bittere Wahrheiten, die die Grundschul-Landschaft betreffen. „Wir werden in den nächsten Jahren zwei oder drei Grundschulen schließen müssen. Und das muss man auch klar so öffentlich benennen“, so der Stadtverbandsvorsitzende. Begrüßt wird von der FDP die geplante Reaktivierung des Elternrates für alle Grundschulen, eine im Zuge der Debatte über die Probleme des Schulverbundes Nussberg/Gerlingsen geborene Initiative der Eltern aus den beiden Stadtteilen. „Wir sehen das ausgesprochen positiv, wenn es gelänge, durch dieses Gremium die Elternvertreter aller Grundschulen in die weiteren Entscheidungsprozesse einzubeziehen“, erklärt Detlef Köpke.
Stichwort Bürgerbeteiligung: Die mit dem ersten Sparpaket verbundene Befragung der Öffentlichkeit soll nach dem Willen der FDP zu einem deutlich öfter genutzten Instrument der politischen Kultur Iserlohns werden. „Wir wollen mehr Transparenz erreichen, beispielsweise auch bei der Debatte über neue und diskussionswürdige Großprojekte wie die Schillerplatz-Neugestaltung oder die Gestaltung der neuen Alexanderhöhe“, erklärt Fraktionschef Köpke. Denn nicht nur bei der Spardebatte hätten Politik und Verwaltung gute Erfahrung mit der Bürgerbeteiligung gemacht, gerade auch die Realisierung des Wohngebiets Sümmern-Dahlbreite sei ein Positivbeispiel dafür, wie es gelingen könne, gemeinschaftlich zu einem breiten Konsens zu kommen.
20:02
Für Iserlohn wäre es wichtig weiterhin eine gute Schulausbildung vorzuhalten. Ich frage mich, warum dieses wichtige Thema jetzt wieder zerredet wird? Warum die FDP eine Lösung nur bezogen auf Iserlohn anstrebt und nicht die Vororte einbezieht verstehe ich nicht. In Hennen gibt es ein Schulgebäude und dank der weitsichtigen Bebauunsgpolitik viele Eltern mit jungen Kindern. Was läge näher, diesen Kindern eine Chance in einer Gesamtschule zu geben, als vor Ort nur eine Hauptschule vorzuhalten?