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Die Reise der Sojus-Kapsel

27.08.2010 | 15:08 Uhr
Die Reise der Sojus-Kapsel

Hemer. Dr. Frauke Höllering sitzt mit ihrem Team in einem Offroad-Wagen inmitten einer öden Steppenlandschaft. Ein Knall am Himmel lässt die Besatzung aufmerken, der Fahrer beschleunigt den Jeep und brettert rasant über die karge Fläche.

Was klingt wie eine dramatische Szene aus dem neuesten Actionfilm hat die Arnsberger Ärztin und Journalistin im vergangenen Jahr genauso erlebt - bei einer Raumfahrerlandung im kasachischen Nirgendwo.

Wenn Dr. Höllering heute von diesen Momenten berichtet, wirkt sie immer noch unheimlich fasziniert. Als erstes europäisches Presseteam wurde sie gemeinsam mit Kameraleuten und Fotograf Rainer Unkel von der russischen Raumfahrtbehörde eingeladen. Mit ihren Erinnerungen an den Aufenthalt und ganz besonders an die Landephase ließen sich wohl ganze Bücher füllen.

Die Reise im April 2009 begann im Sternenstädtchen nahe der Hemeraner Partnerstadt Schelkowo. Dort werden die Kosmonauten auf ihren Aufenthalt in der internationalen Raumstation ISS vorbereitet. „Die Gespräche mit den Raumfahrern, die schon einmal oben waren, sind spannend“, verrät die Arnsbergerin.

Dass man erst im Weltall so richtig erkenne, wie zerbrechlich die Erde sei, erzählten ihr die Kosmonauten. „Egal ob Chinesen, Amerikaner oder Russen - alle Raumfahrer mahnen nach ihrer Rückkehr, zusammen auf unsere Erde aufzupassen. Wir sind eine Welt!“

Die friedliche Zusammenarbeit unter den Nationen hat bei Dr. Frauke Höllering bleibenden Eindruck hinterlassen. Das beinah kumpelhafte Sprachgemisch aus Russisch und Englisch oder die Gastfreundschaft der russischen Journalisten-Kollegen, das gängige Bild der Nationalitäten sah bislang anders aus.

Trotzdem, selber die Reise in den Weltraum antreten, kommt für die Ärztin nicht infrage: „Ich hätte zu viel Angst.“ Bei der Besatzung der Sojus TMA-13, deren Landung sie in der Nähe des kasachischen Baikonur verfolgte, spielt Angst keine Rolle mehr. „Die Kosmonauten aller Nationen kommen lieber in einer Sojus-Landekapsel zurück auf die Erde als mit einem Space-Shuttle“, berichtet Dr. Höllering von ihren Erfahrungen. „Weil sie wissen, dass in der Kapsel nichts passiert.“

Die Raumfahrer Juri Lontschakow und Michael Fincke sowie ISS-Tourist Charles Simonyi kehrten am 8. April 2009 in einer solchen Kapsel zurück. Das Achtfache ihres Körpergewichts müssen sie während und nach dem Eintritt in die Atmosphäre aushalten, die Temperatur im Landemodul bleibt dabei trotz mehreren Tausend Grad außerhalb stabil.

Mit einem Knall kehrt die Sojus in die ersten Luftschichten zurück, ein Fallschirm soll wenig später weitere Bremswirkung bringen. Zu diesem Zeitpunkt rast Dr. Höllering gemeinsam mit Kollegen, Ärzten und Forschern bereits über die Steppe. Als eine der ersten trifft sie nach der Landung an der Raumkapsel ein.

„Die Bergung ist dann ein irres Glücksgefühl“, erinnert sie sich an ihre Verzauberung ob der großen Kräfte zurück. „Dass aus dieser Kapsel Lebende herausgeholt werden.“ Da eine Seite der Kapsel durch die immensen Kräfte radioaktiv aufgeladen wurde, müssen nun zuerst Spezialisten die Klappe entfernen. Die Kosmonauten werden dann nacheinander mit ihren Sitzschalen aus der Kapsel gezogen. „Das sieht wirklich so aus wie eine Entbindung“, sagt Dr. Höllering.

Von Betreuern erhalten die drei Männer nun zuerst einen Apfel als Zeichen für die Erde. Das Essen fällt allerdings noch schwer, da sie nach teilweise mehreren Monaten ISS-Aufenthalt noch zu sehr an die Schwerelosigkeit gewöhnt sind. Nach weniger als einer halben Stunde sind wieder die ersten Schritte möglich.

Heute steht die Landekapsel der Sojus TMA-13 zwischen Blumenbeeten und Kinderspielplätzen auf der Hemeraner Landesgartenschau. Dr. Höllering hat die Reise der Kapsel auch nach der Landung in der kasachischen Steppe weiter verfolgt und kehrte kürzlich mit einem Kamerateam zur Sojus zurück.

„Vom All in den Alltag“ heißt ein Informationsfilm, den die Journalistin während ihrer Russland-Reise für die Firma Sandoz gedreht hat. Kalziumtabletten des deutschen Unternehmens fliegen seit einigen Jahren mit ins All, um Osteoporose und Muskelschwund zu verhindern. „Beides ist in der Schwerelosigkeit ein besonderes Problem“, so die Expertin. Andererseits eignen sich diese Umstände auch besonders gut zu Forschungszwecken. „Mit dem Film wollen wir zeigen, welche Rolle die Forschung im Weltraum für jeden einzelnen hat“, so Dr. Höllering.

In einem zweiten Teil des Films, wird auch die Landesgartenschau Kulisse sein. Den Vorschlag Dr. Höllerings, in einem Vortrag noch weitere Einblicke in die russische Raumfahrt zu geben, habe die LGS wegen angeblich mangelnden Interesses abgelehnt - die Menschentraube, die sich während ihrer Erklärungen um die Sojus-Kapsel bildete, spricht eine andere Sprache.

Thorsten Streber

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Kommentare
30.08.2010
22:15
Die Reise der Sojus-Kapsel
von Hemeraner37 | #4

Frage an die Readaktion:
Gibts denn den Film irgendwann zu sehen?

Die Kapsel ist einfach eine ingieneurtechnische Meisterleistung - so einfach wie möglich - zuverlässig - wirkungsvoll.

Ein schönes Obejekt.

29.08.2010
10:19
Die Reise der Sojus-Kapsel
von didum | #3

Ich kenne die Dame persönlich und kann versichern, dass sie auf ihr Honorar gänzlich verzichten wollte. Kein feiner Zug, Gerd!

28.08.2010
17:54
Die Reise der Sojus-Kapsel
von liberalerGerd | #2

#1 Ich denke eher, das war so ein Angebot der Dame mit dem Hintergedanken, wie hoch ist mein Honorar? Vielleicht hätte der Redakteuer danach fragen sollen, als so einen Satz einfach zu schreiben.

27.08.2010
18:48
Die Reise der Sojus-Kapsel
von Heinrich | #1

Bezogen auf den letzten Satz des Artikels: das mit dem wegen mangelndem Interesse abgelehnt kennen doch viele, die dem damaligen Eventmanager ihre guten Ideen unterbreitet haben, gelle???

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