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Die Liebe zum Hönnetal und zur Burg Klusenstein

20.07.2007 | 09:27 Uhr

Deilinghofen. (rd) Gerd Herchenröder hat einen Aufsatz geschrieben über die Burg Klusenstein und das Hönnetal. Der Text des Deilinghofer Konrektors a. D., der auch eine Brockhauser Lehrerlegende ist, ist echter Lesestoff, verfasst für Hemers Stadtmanageme

"Meine erste Bekanntschaft mit dem Hönnetal machte ich im Sommer 1946 auf der Pritsche eines britischen Militär-Lkw. Die Jugendbewegung, der ich damals angehörte, hatte unter schwierigsten Bedingungen ein Sommerzeltlager an der Sorpetalsperre organisiert. Wir Kinder wurden in Viehwagen der Reichsbahn bis Menden transportiert und dort auf die besagten britischen Militär-Lkw umgeladen. Mit rasantem Tempo fuhren die Soldaten durch die engen Kurven des Hönnetals, so dass wir kaum Gelegenheit hatten, die Kulisse zwischen "Uhufelsen" und den "Sieben Jungfrauen" zu bewundern.

Dazu hatte ich drei Jahre später weit bessere Gelegenheit. In der Untertertia wanderte meine Klasse von der Jugendherberge Menden durch das Hönnetal, die heutige B 515 entlang zur Jugendherberge Sorpesee, damals ein Barackenlager. Da es nur ganz wenig Verkehr gab, hatte ich genügend Muße, die steil aufragenden Felsen, die rauschende Hönne und die auf hohem Felsen thronende Burg Klusenstein mit der Mühle zu ihren Füßen zu bewundern.

Dass ich 14 Jahre später als Schulmeister der einklassigen Dorfschule Brockhausen ihr direkter Nachbar werden würde, hätte ich mir damals nicht träumen lassen.

Die Geschichte der Burg, die 1353 als Grenzfeste der Grafschaft Mark gegen die Grafschaft Arnsberg von dem Drosten Geil von Plettenberg im Auftrage des Grafen Engelbert III. erbaut worden war, interessierte Schüler und Lehrer der alten Dorfschule, die mitten im Feld in etwa gleicher Entfernung von den Dörfern Riemke und Brockhausen und der Burg Klusenstein an der Kreuzung des Klusensteiner Kirchwegs und der Straße zwischen Brockhausen und Riemke erbaut worden war.

Graf Gottfried IV. von. Arnsberg war kinderlos geblieben; darum verkaufte er seine Grafschaft 15 Jahre nach dem Bau der Burg Klusenstein an das Erzbistum Köln, um so zu verhindern, dass sein Vetter Eberhard III. von der Mark nach seinem Tode die Grafschaft Arnsberg erben würde. Seitdem heißt das Gebiet rechts der Hönne, auf das ich aus meinem Küchenfenster sehen kann, im Volksmund "Das Kölsche".

Mit Begeisterung lauschten beim Besuch der Burg Klusenstein immer wieder Schulklassen meiner Erzählung der Sage vom "Ritter Eberhard und dem Schwarzen Benno". Schaudernd schauten sie den Felsabsturz hinunter, wo Ritter Eberhard den "Schwarzen Benno" nach hartem Kampf schließlich hinuntergestürzt hatte. Auf der anderen Seite der Hönne sahen sie den Uhufelsen, in dem zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch Uhus genistet hatten, und die "Stäoutlegge" (Sturzfelsen), von dessen Fuß sich der alte Mühlenweg nach Eishorn hoch windet.

Der Weitermarsch unserer Klassenwanderung von der Burg führte uns stets über die nahe der Burg gelegene Weide, wo ein Törchen den gewundenen Fußweg hinab zum Haltepunkt Klusenstein der Hönnetalbahn freigab. Am Bahnhof angekommen ging es den Wandererschutzweg entlang vorbei an der Mühle und dem Mühlenwehr bis zu der Felsengruppe, die "Die sieben Jungfrauen" genannt wird. Auch der Sage, die diesen Felsen ihren Namen gegeben hat, lauschten die Kinder gespannt.

Der Rückweg führte an der Feldhofhöhle und Gut Bäingsen mit dem romanischen Turm vorbei und erreichte schließlich Brockhausen. Die Bauern dieses Dörfchens waren, wie es alte Unterlagen und Urkunden aufzeichnen, der Burg Klusenstein zu Frondiensten und jährlichen Abgaben verpflichtet. Die Wasserversorgung der Burg geschah durch eine Holzwasserleitung von Bäingsen aus, von der noch ein Stück im Graben neben der Straße zu sehen ist.

Aber auch für Geologie und Vorgeschichte dieses Raums waren die Brockhauser Schüler und ihr Lehrer zu begeistern. Wir durchstreiften im Erdkunde- und Geschichtsunterricht die steilen Hänge des Hönnetals nach noch nicht entdeckten Höhlen und Relikten der Steinzeit und fanden ein Höhlenfragment, über das ein bekannter Iserlohner Heimatforscher seine Dissertation geschrieben hat.

Neugier und Entdeckerfreude lassen heute noch aufmerksame Wanderer manch seltene Pflanze, vielleicht ein Stück Rennofenschlacke oder den Platz eines alten Kohlenmeilers beim Durchstreifen dieses Gebietes finden."


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