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Der Herr der Liebesbriefe

05.02.2010 | 20:00 Uhr

Hemer. Ron Nashville ist der Retter in der Liebesnot. Er bringt zu Papier, was der Liebende nicht in Worte fassen kann: Ron Nashville ist eine Art Ghostwriter - er schreibt Liebesbriefe an Frauen (und Männer), die er gar nicht kennt. Und hat auf diesem Weg schon viele Herzen zueinander geführt.

Wenn der 51-Jährige vor seinem Computer sitzt, dann geht es um Gefühle, große Gefühle, Romantik und nicht selten um Verzweiflung. Es seien daher auch streng genommen keine Liebesbriefe, die er schreibt, sagt Ron Nashville, sondern Herzensbriefe. Menschen aus ganz Deutschland - Frauen und Männer - wenden sich über seine Internetagentur www.herzensbriefe.de mit Sitz in Hemer an ihn. „Nicht jedem liegt das Schreiben, nicht jeder kann seine Gefühle zu Papier bringen”, sagt Nashville. Und genau bei diesem Problem könne er helfen.

Ron Nashville schreibt Herzensbriefe auf Bestellung. IKZ-Foto: Wrona

Dabei ist Ron Nashville gelernter Gastronom - ein Beruf, der nicht zuerst mit Romantik in Verbindung gebracht wird. „Aber ich habe schon immer gerne geschrieben”, sagt der gebürtige Essener: die Texte für seine Songs, mit denen der ehemalige Countrymusiker auf Tour war, oder Kurzgeschichten, ein Buch ist in Arbeit. Außerdem: „Ich bin der letzte Romantiker, der herumläuft”, sagt Nashville schmunzelnd über sich selbst. Unter anderen Voraussetzungen könne er gar keine Herzensbriefe schreiben.

Die Idee, sein Talent zu seinem Beruf zu machen, kam ihm allerdings erst vor ungefähr fünf Jahren. Seine Agentur Herzensbriefe besteht seit August 2007. Im Angebot finden sich inzwischen außer Liebesbriefen auch persönliche Einladungen und Reden.

Vom Fragebogen zum Liebesbrief

Doch es sind nach wie vor die Briefe, die Ron Nashville am Herzen liegen. Ein bis zwei Stunden benötigt er, um einen zu schreiben, manchmal auch länger. „Ich versuche, mich in die Menschen hineinzuversetzen”. Damit das gelingt, muss der Auftraggeber im Internet einen Fragebogen ausfüllen und Angaben zu Beziehungsstand, Kosenamen oder gemeinsamen Erlebnissen machen (Daten, die der Ghostwriter vertraulich behandelt). Je mehr Informationen Nashville bekommt, desto individueller und länger wird der Brief. Und die Nachfrage steigt - besonders kurz vor dem Valentinstag und selbst (oder gerade) in Zeiten von E-Mail, SMS und Twitter. „Ein Liebesbrief ist und bleibt etwas ganz Besonderes”, sagt der Romantik-Experte aus Hemer.

Beziehungstipps gibt es von Ron Nashville allerdings nicht. „Ich mache keine Lebensberatung, ich bringe Gefühle zu Papier”, betont er. Und auch seine Briefe betrachtet er vielmehr als Anstoß oder Vorlage, die seine Kunden nach Belieben ergänzen oder verändern können.

Keine plumpe Anmache

Ron Nashville selbst ist seit 20 Jahren glücklich liiert. Große Liebesbriefe schreibe er seiner Lebensgefährtin zwar nicht mehr, aber regelmäßig kleine, herzliche Zettelbotschaften. Doch ganz gleich ob langer Brief oder wenige Zeilen: „Das Wichtigste ist, dass die Worte ehrlich gemeint und keine plumpe Anmache sind”, verrät Ron Nashville sein Erfolgsrezept. „Etwas Negatives würde ich niemals schreiben”.

Silke Wrona

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