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Haiti-Initiative

10 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe

22.05.2012 | 16:59 Uhr
10 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe

Gladbeck. Stolz blättert Barbara Holt durch einen Ordner voller Erinnerungen. Zeitungsartikel und alte Fotos hat die Sprecherin der Haiti-Initiative in den letzten zehn Jahren gesammelt. Damals, im Jahr 2002, fand in der Zweckler Herz Jesu Gemeinde eine Haiti-Woche statt.

Nach der Woche war sich die Gemeinde einig: „Das Projekt soll nicht nach einer Woche vorbei sein!“ Und so schrieben die Aktiven der Gemeinde das „Gladbecker Manifest“, in dem sie eine langfristige Partnerschaft mit Haiti versprachen. Eine Freundschaft mit der Gemeinde Nôtre Dame du Mont Carmel de Cabaret entstand. Der Kontakt wird seither über Adveniat, einer bischhöflichen Hilfsorganisation des Bistums Essen, aufrecht erhalten. Zehn Jahre währt das Engagement der Haiti-Initiative jetzt. Länger als anfänglich gedacht. „Wir hatten erwartet, es ginge zügiger und das Projekt wäre nach drei Jahren abgeschlossen“, erinnert sich Pastor Clemens Bombeck, der bereits 1984 ein erstes Mal Haiti besuchte und seitdem die Situation dort verfolgt.

Einfach war die Hilfe in den vergangenen zehn Jahren nicht. Viele strukturelle Probleme vor Ort, wie Korruption oder eine mangelnde Infrastruktur, machten die Unterstützung häufig schwierig und langwierig. So saß ein Container mit der Ausrüstung für das Solarkocherprojekt mehrere Monate in einem haitianischen Hafen fest, bis er endlich zu seinem Bestimmungsort gebracht werden konnte.

Das Solarkocherprojekt ist das zentrale Anliegen der Haiti-Initiative. Damit wollen sie auch der Umweltzerstörung durch Waldrodungen entgegenwirken. Statt mit Holz, können die Menschen nun mit Solarkochern Essen zubereiten. Schöner Nebeneffekt dabei: das Bauen der Solarkocher ist wie eine technische Ausbildung und ermöglicht so eine berufliche Perspektive für die Einheimischen. Das Prinzip bei allen Unterstützungsmaßnahmen: „Hilfe zur Selbsthilfe!“ Clemens Bombeck hofft, dass die Hilfe zur Selbsthilfe nun, nach zehn Jahren, auch langsam funktioniere.

Doch vor allem das Jahr 2010 stellt einen Einschnitt in der Aufbauhilfe für Haiti dar. „Die Erdbebenkatastrophe von 2010 hat uns zurückgeworfen“, meint Pastor Bombeck. Wenige Monate zuvor war Bischof Piere-André Dumas aus Haiti zu Gast in Gladbeck. Daher war die Verbindung dorthin während der Katastrophe besonders intensiv, die Gladbecker Anteilnahme sehr groß. Die Folgen der Katastrophe waren auch für das Solarkocherprojekt konkret zu spüren. Das Haus, in dem die Solarkocher hergestellt werden, wurde zerstört.

Finanziert wird die Partnerschaft vor allem mit dem Verkauf von fair gehandelten Produkten in den Gladbecker Kirchen und anderen Aktionen, wie Benefizkonzerten oder Ausstellungen. Zum zehnjährigen Jubiläum gibt es nun am 3. Juni auch wieder ein großes Chorkonzert und vorher am Morgen einen Familiengottesdienst. Der VHS-Chor „Alegria Cantar“ wird dabei in der Christus-König-Kirche in Schultendorf Lieder „quer durch die Kontinente singen“, kündigt Chorsprecherin Angelika Fried an.

Dabei werde es einen spanischen Schwerpunkt geben, aber auch Lieder in deutscher Sprache werden gesungen. Weil der Chor auf ein Honorar verzichtet, gehen alle Einnahmen aus dem Konzert direkt an die Haiti-Initiative. Denn das ohnehin schon von Hunger und Armut gebeutelte Land, das 2010 so hart getroffen wurde, ist bis heute nicht wieder aufgebaut. Also gibt es für die Gladbecker Initiative auch nach zehn Jahren Engagement noch viel zu tun.

Neben dem Konzert am 3. Juni veranstaltet die Haiti-Initiative auch eine Ausstellung mit Bildern des haitianischen Künstlers Fritzner Cedon. Titel der Ausstellung, die am 5. Juni eröffnet wird: „Farben inmitten der Armut“.Informationen zur Ausstellung und weiteren Aktionen findet man unter www.adveniat.de

Lennart Krotzek


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