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Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen

03.01.2011 | 12:00 Uhr
Andreas Büdeker und seine Frau Sabine steigen auch gemeinsam gerne in den Ring. Seit zwei Jahren leiten sie den Recover Fight Club im Alexanderpark.

Essen. Im Recover Fight Club an der Max-Keith-Straße sind 90 Prozent der Kunden Geschäftsleute. Die können sich beim Boxen zwar kein blaues Auge leisten, lassen sich dafür aber gern anbrüllen. Nicht jeder hat dort Zutritt, ein Schweinehund erst recht nicht.

Info
Beim Boxen werden alle Muskeln trainiert

Boxen trainiert nicht nur die Arme, sondern den gesamten Körper. Wichtig ist dabei auch die Atmung. „Durch richtiges Atmen kann man bis zu 20 Prozent mehr Leistung bringen“, weiß etwa Trainer Willi Braun. Mitmachen kann im Recover Fight Club jeder, „wenn er ins Team passt“, sagt Geschäftsführer Alexander Büdeker. Ganz billig ist das nicht: Der monatliche Mitgliedsbeitrag kostet 90 Euro.

Seilchen springen zum Aufwärmen. Das kennt man ja noch vom Pausenhof. Doch den unbefangenen Kindheitserinnerungen folgt schnell der erste Schweiß auf der Stirn. Ein paar Minuten später geht es abwärts, Liegestütze stehen auf dem Programm. Der Pudding in den Armen protestiert. Trainer Willi Braun brüllt „Hintern runter!“ und seine Schützlinge gehorchen. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich die ersten Schläge gegen den Sandsack. „Haut ordentlich zu, solche Mädchenschläge will ich nicht mehr sehen!“ Willi kennt keine Gnade. Das Box-Training im Recover Fight Club an der Max-Keith-Straße ist nichts für zart besaitete Gemüter. Ein Großteil der rund 200 Mitglieder sind Geschäftsleute, Anwälte, Ärzte. Und sie alle lassen sich gerne anbrüllen.

„Dein Schweinehund kann mich mal“, steht auf einem großen Plakat direkt am Eingang des Clubs, den Fitnesstrainer Andreas Büdeker 2008 gemeinsam mit seiner Frau Sabine im Alexanderpark eröffnete. Der 47-Jährige aus Werden wurde unter anderem durch die Kabel1-Abspeck-Show „The Biggest Looser“ als „Drill-Instructor“ des deutschen Fernsehens bekannt. Sein „Baby“ aber sei der Club, den Büdeker in Eigenarbeit ganz im Stil des legendären amerikanischen „Gleason’s“-Boxclubs aufbaute, in dem schon Muhammad Ali trainierte.

„Boxen ist nicht nur draufhauen“

Steigen gerne gemeinsam in den Ring: Andreas Büdeker und Frau Sabine. Foto: Klaus Micke

In seiner Art sei der Club in Deutschland einzigartig, sagt Büdeker: In die Jahre gekommene Boxposter von Rocky Balboa, in der Mitte des Raumes ein riesiger Ring, ein nostalgischer Cola-Automat vom Trödel, alte Boxhandschuhe, die von der Decke hängen: Wer hier boxt, der fühlt sich für einen kurzen Moment tatsächlich so wie Muhammad Ali oder das „Million Dollar Baby“ aus Clint Eastwoods Film von 2004. Dabei ist das Training hochprofessionell. An Büdekers Seite trainieren fünf weitere Profis, etwa der russische Champion Alexander Müller und Kickbox-Europameister Tiran Mkrtschjan. Frau Sabine Büdeker bildet eine weitere Säule des Clubs, die Ernährungsberatung. Dabei ist auch sie „süchtig“ nach dem Gefühl im Ring und trainiert zwei bis drei Mal die Woche - gerne auch mit ihrem Mann.

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Martialischer Name, gehobenes Klientel: Im 'Recover Fight Club' sind Schläger unerwünscht.

Doch nicht jeder kann Mitglied werden, wie Büdeker betont. „Wir wollen hier nur Leute, die ernsthaft an sich arbeiten möchten. Boxen ist nicht nur Draufhauen, sondern Ehrgeiz und Willensstärke“, sagt Büdeker. Sparring oder Kämpfe gibt es nur auf ausdrücklichen Wunsch, ein blaues Auge kann sich hier kaum jemand erlauben. Das erklärt auch die gute Mischung im Club. Maximal zwölf Leute trainieren pro Kurs. Dabei sind Männer und Frauen, Anfänger und Fortgeschrittene bunt gemischt. 90 Prozent der Kunden sind Unternehmer, schätzt Büdeker. Denn vom Boxen profitiere nicht nur der Körper. „Man lernt, wieder aufzustehen, wenn man schon am Boden liegt“, ist der 48-Jährige Motivationscoach überzeugt.

Recover Fight Club

Auch er arbeitete sich quasi aus dem Nichts hoch. „Für meine erste Fitnessstunde damals in Werden habe ich fünf Mark bekommen. Ich habe zu Beginn nur ein paar Frauen trainiert und es wurden immer mehr“, sagt Büdeker, der auch schon als Personenschützer gearbeitet hat. Demnächst sei er wieder im Fernsehen zu sehen, in der Doku-Reihe „Schluss mit Hotel Mama“. Sagt’s und dreht „Gonna fly now“, die Titelmelodie von Rocky, laut auf. Ein bisschen Show muss schließlich sein.

Jennifer Schumacher


Kommentare
05.01.2011
12:45
Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen
von bunny.summers | #6

Wieder einmal ein astreiner PR-Artikel von der WAZ für einen kommerziellen Laden. Was interessiert mich das Geschwätz der Betreiber, hätte die WAZ nicht wenigstens mal mit ein paar der dort Trainierenden sprechen können? Mich hätte vielmehr interessiert, wieso die dorthin gehen und wie die das finden... Die Kampfsportschule am Landgericht kenne ich, die ist wirklich gut! Den Namen darf man ja hier wegen Werbung nicht nennen, aber die WAZ darf es in ihren eigenen Artikeln....

04.01.2011
09:14
Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen
von Klunker | #5

Sehe ich ähnlich!
Ohne Werbung zu machen aber in Nähe vom Landgericht gibt es auch eine Kampfsportschule/Akademie, die
a.) sauber, hell und sehr ansprechend ist,
b.) wo auch in kleinen Gruppen trainiert wird.
c.) wo sich auch niemand ein blaues Auge einfängt und vor allem
d.) wo vernünftig gelehrt und auch miteinander umgegangen wird.

Wer allerdings....
-sich sein Leben lang nie herausforderungen gestellt hat,
-überall sofort die Flinte ins Korn wirft und
-denkt Geld macht Charakter....

Der soll sich ruhig mal anschreien lassen, dass bringt vielleicht dann auch was.

03.01.2011
19:38
Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen
von wolfgang bruer | #4

Schlimmes High-Society-Studio. Man braucht sich nur die Q7s anschauen, mit denen dort die Hausfrauen zum Pseudo-Boxtraining kommen. Gewollt und nicht gekonnt. Ganz ganz peinlich.

03.01.2011
18:28
Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen
von Bwuufff | #3

Ein blaues Auge hätte diese Trullalahähnchen aber nicht in eine so lächerliche Situation gebracht. Wer prügelt sich denn, wenn er bald in den Ruhestand geht.

Vll. früher mal mehr auf der Straße gefightet, dann wäre das Selbstwertgefühl nicht so auf den Hund gekommen. Wenigstens glaube ich an diesen Grund.

03.01.2011
14:31
Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen
von lesekompetenz | #2

Wer lesen kann ist klar im Vorteil. In diesem verein geht es nicht um Boxtalente und Wettkämpfe, sondern um Freizeitsport für Leute, die sich beruflich kein blaues Auge leisten können oder wollen.

03.01.2011
14:09
Wo sich Unternehmer wie Muhammad Ali fühlen
von Eckfahne1000 | #1

Boxen nur für Reiche? Wahrscheinlich ist das einzig anstrengende dabei das Gelaber von dem drill-instructor! Ich lach mich tot...die echten Boxtalente trainieren in schäbigen Turnhallen und sind in so einem Schuppen nicht willkommen...Muhammad Ali an der Wand...lächerlich...der junge Ali hätte doch auch nicht in eure Truppe reingepasst.

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