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28.01.2008 | 19:29 Uhr

Zwei Großpfarreien bleiben ab 1. Februar im Dekanat Borbeck St. Antonius Abbas in Schönebeck, St. Franziskus in Bedingrade und St. Paulus in Gerschede gehören als Gemeinden zukünftig zur Pfarrei St Josef in Frintrop. Die Kirchen Herz-Jesu und St. ...

... Hermann Josef fallen weg. Verlust der eigenen Kirche schmerzt. Potenziale für die Zukunft bündeln.

Essener Nordwesten. Dem Bistum fehlt Geld. Die darum notwendige Umstrukturierung der Gemeindelandschaft ist fast abgeschlossen - offiziell am 1. Februar. Dieser Strukturwandel hinterlässt auch im Dekanat Borbeck seine Spuren. Bald gibt es dort zwei Großpfarreien. Drei Kirchen sind für den Gemeindebetrieb nicht mehr zu halten.

Nicht jeder kann diesen Schritt verstehen. Für viele ist der Verlust der eigenen Kirche sehr schmerzlich. Alle Gotteshäuser zu erhalten sei ein Luxus, den sich niemand mehr leisten könne, so Dorothee Renzel-Walter, Mitarbeiterin des Medienforums im Ruhrbistum. Bisher war es jedem Mitglied einer Gemeinde in Essen möglich, seine Kirche in zehn, fünfzehn Minuten zu Fuß zu erreichen. "Das ist nach der Neuordnung unmöglich. Da der Entwurf über die künftige Gemeindelandschaft von Anfang an öffentlich war, konnte jeder Einspruch erheben", sagt Renzel-Walter.

Das taten einige Katholiken im Dekanat Borbeck. Denn der erste Entwurf sah für den Großraum lediglich eine Pfarrei. Mit über 40 000 Gläubigen wäre das "zu unpersönlich" oder "eine Zumutung" gewesen, lauteten Einsprüche. Ferner existieren dort zwei historisch gewachsene Zentren. Die Proteste erhörte Ruhrbischof Felix Genn und machte aus ehemals 13 Gemeinden in Borbeck zwei Großpfarreien. St. Josef bleibt ebenso als Pfarrsitz (mit den Gemeinden Herz-Jesu, St. Herman Josef, St. Franziskus, St. Antonius Abbas und St. Paulus) erhalten wie St. Dionysius (mit den Gemeinden St. Michael, St. Maria Rosenkranz, Frohnleichnahm, St. Thomas Morus, St. Johannes Bosco und der Kroatischen Gemeinde).

Dass es zwei Pfarreien gebe, sei sehr wichtig, vor allem um die Nähe zu den Leuten zu gewährleisten, betont Wolfgang Haberla, Pastor an St. Josef in Frintrop, einer der beiden "Pfarreimanager". Er sieht besonders für ältere Menschen - die sehr mit ihrer Gemeinde verwachsen sind - Probleme, mit der neuen Situation klar zu kommen. Sehr wichtig sei jetzt die Arbeit der Angehörigen in den Fördervereinen. Sie strebten vor allem die Erhaltung der Pfarrheime als "Stätte der Begegnung" an, so Haberla.

In jeder der drei Gemeinden innerhalb der Pfarrei St. Josef bleibt ein Pastor für die Seelsorge vor Ort. Das sei die Aufgabe, die jeder bisher auf seine eigene Art bewältigt habe. Hinzu komme nun, den Überblick über die gesamte Pfarrei zu behalten. "Man muss gut zusammen arbeiten und die Leute zusammenführen", weist Haberla den Weg.

Er bewertet die Zusammenarbeit in der künftigen Pfarrei St. Josef als "sehr gut - auch nach außen hin sichtbar". Zum Beispiel gestalteten alle gemeinsam erfolgreich die letzte Frohnleichnamsprozession. "Bei aller Trauer und aller Enttäuschung sind die Menschen bereit, in die Zukunft zu gehen."

Zuversicht ist wichtig in dieser Zeit. Alle Gemeinden der neuen Großpfarrei St. Josef stünden vor dem gleichen Schritt: dem Zusammenführen zweier Gemeinden. "Das erleichtert Absprachen. Ehrenamtliche Tätigkeiten auf verschiedensten Ebenen nehmen zu und sind auch nötiger denn je", sagt Haberla.

Eine Besonderheit dieser Großpfarrei: Dort sind viele Kirchenmusiker auf den Emporen aktiv. Die Kirchenchöre aus allen Gemeinden kommen auf 300 Sängerinnen und Sänger. In den Jugendchören sind es 200 Stimmen. Dort sollen bald Extra-Aktivitäten helfen, "alles unter einen Hut zu bekommen". "Hier muss besondere Vorsicht walten, damit diese Potentiale nicht wegen knapper Mittel verloren gehen. Ein Förderverein wäre sehr hilfreich", hofft Haberla. Es sei Aufgabe des Pfarrgemeinderates, die kirchenmusikalischen Aktivitäten zu koordinieren und zu schützen.

Die Pfarreigründung wird mit der "Feier der Errichtung" am Sonntag, 2. März, um 15 Uhr, in der Pfarreikirche St. Josef, Himmelpforten, mit Weihbischof Franz Vorrath vollzogen. Das bedeutet auch: mit Betriebsstart der Großpfarrei St. Josef werden die Kirchenbücher nicht mehr in den Büros der Gemeinden verwaltet und aufbewahrt, sondern sie kommen ins Pfarrbüro "auf dem Berg". Alle Eintragungen von Taufen, Trauungen, Firmungen, Sterbefällen etc. sind zukünftig an Himmelpforten zu erledigen.

In der neuen Pfarrei sei nicht gleich alles anders. Noch lange sei nicht alle Arbeit getan. Bis zum Abschluss der Neustrukturierung der Pfarrei werde viel Zeit vergehen, heißt es in einem Schreiben der Pastore an die Gemeindemitglieder, die bald zur Pfarrei St. Josef gehören.

Julia Nahamowitz

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