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Fußball in der Kirche

Gomez trifft im Gotteshaus - Public Viewing in der Kirche

10.06.2012 | 17:33 Uhr
Gomez trifft im Gotteshaus - Public Viewing in der Kirche
Fußball und Kultur: In der Kirche St. Engelbert gab es Public Viewing. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool

Essen.  Fußball und Kultur spielen Doppelpass: Besucher fieberten in St. Engelbert mit der deutschen Elf. Das Spiel kommentierte Stephan von Bothmer an der Orgel.

Es riecht nach Bratwurst statt nach Weihrauch, als sich die Tür von St. Engelbert öffnet. Statt Messwein fließt Pils. Und die Besucher schauen gebannt zum Ausgang statt zum Altar. An diesem Abend blicken sie nicht zum gekreuzigten Jesus, sondern an die Wand gegenüber, denn über dem Eingang hängt eine riesige Leinwand. Über die flackern nicht etwa Gebete, sondern Lukas Podolski, Mario Gomez und Mats Hummels. Die deutsche Elf spielt gegen Portugal – im Gotteshaus.

Deutschland - Portugal

Ecke Portugal, kurz vor Ende der ersten Halbzeit. Das deutsche Tor. Der Ball knallt unter die Latte, dann auf die Linie. Schreie im Kirchenraum. Ein Raunen dringt aus der Dunkelheit, noch bei der zweiten Wiederholung. Aufatmen. Kein Tor! Nur der Kommentator schweigt, zumindest in St. Engelbert. Den Ton gibt die Orgel an. In dem sakralen Bau, den das Chorforum für Veranstaltungen nutzt seitdem hier kein Gottesdienst mehr stattfindet, kommentiert Stummfilmmusiker Stephan von Bothmer den Fußball klangvoll. Befremdlich beschreibt es ein Besucher zunächst. Eine düstere Atmosphäre, findet ein anderer.

Die Orgel durchdringt mit dunklen Klängen die Kirche, die nur wenige Kerzen auf den Stehtischen dumpf beleuchten. Nicht alle der davor stehenden Stühle sind besetzt. Neben dem Bierstand vorn steht ein Zelt, vor dem Bild der Mutter Gottes mit dem Jesuskind liegt die Wurst auf dem Grill. Besucher tragen Trikots, Schals, schwarz-rot-gold auf der Wange, Fähnchen auf dem Kopf oder auch blaue Hemden. Ihre Gespräche gehen in der Musik unter. Erst in der 72. Minute schreien sie lauter als die Orgel klingt: Gomez trifft. Mit dem 1:0 für Deutschland fliegen alle Arme nach oben, Pfiffe hallen, Applaus für den Stürmer. Von den blauen Polstern der Sitze reißt die Elf das Publikum nicht. Erst nach dem Spiel erhebt es sich – für den Musiker. Der sie mit Melodien wie „Kleiner grüner Kaktus“ zum Lachen bringt. Der in der Nachspielzeit an ihren Nerven zehrt, als die Orgel laut, erregt und ungeduldig klingt, als Stephan von Bothmer mit seiner Musik die Spannung der letzten Sekunden beinahe dramatisch steigert. Bravo-Rufe erntet er für das Konzert. Einfach eindrucksvoll, lautet das Fazit der Fans nach dem Abfiff. Den allerdings hört in der Kirche keiner.

Deutschland-Niederlande

In der Gruga gegen Portugal

Das Fußballspielam kommenden Mittwoch, 13. Juni, kommentiert Stephan von Bothmer wieder auf den Tasten der Orgel in St. Engelbert, Fischerstraße 2-4. Beginn: 20.15 Uhr. Der Eintritt zum Publik Viewing mit Benefiz-Fußball-Konzert ist frei, um Spenden für die neue Orgel wird gebeten. Halbfinale und das Finale der EM begleitet der Musiker ebenfalls an der Orgel, allerdings in Berlin.

Dominika Sagan

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Kommentare
11.06.2012
00:59
Gomez trifft im Gotteshaus - Public Viewing in der Kirche
von dummmberger | #1

Gotteshaus? Kirche?

Klar, für die Schlagzeile ist das so besser.

Aber korrekt ist es nicht, da es sich um ein EHEMALIGES Gotteshaus handelt, dass nach der Profanierung jetzt ein ganz normales Gebäude ist.

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