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Drogenkriminalität

Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen

27.03.2012 | 12:00 Uhr
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen

Essen.   Ein Jahr nach dem massiven Einschreiten gegen den Rauschgifthandel in Altendorf setzt die Polizei auf eine neue Strategie: „Platzverweise auf Zeit“ sollen Kriminellen das Leben möglichst schwer machen. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, dem droht ein Zwangsgeld von bis zu 500 Euro. Wer nicht zahlt, wandert in Haft.

Was einst den unerwünschten Drogentourismus am Hauptbahnhof unterbunden hat, soll jetzt auch gegen Dealer Wirkung zeigen: Mit Aufenthaltsverboten baut die Polizei ab sofort mehr Druck gegen die Rauschgifthändler auf, die in Altendorf und am Berliner Platz ihre kriminellen Geschäfte abwickeln .

Wie Essens oberster Drogenfahnder Dieter Stahlke in einem Gespräch mit der NRZ berichtete, habe sich die Essener Behörde zu solchen „Platzverweisen auf Zeit“ durchgerungen, um den Kriminellen das Leben möglichst schnell möglichst schwer zu machen. Und das lange bevor ein beweissicheres Gerichtsverfahren überhaupt in Gang kommt: Wer bei Straftaten beobachtet wird, kann sogleich mit einem „polizeirechtlichen Bann“ belegt werden, der für die Dauer von Monaten den Aufenthalt in bestimmten Straßenzügen untersagt. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, dem droht ein Zwangsgeld von bis zu 500 Euro. Wer nicht zahlt, wandert in Haft. Dieses Vorgehen sieht das Polizeirecht unter Bedingungen ausdrücklich vor, so Stahlke, der hofft, dass die Offensive Eindruck macht: „Wir müssen uns immer was Neues einfallen lassen.“

Juristisch schwer nachweisbar

Die Dealer tun’s auch: Nachdem die Polizei nach Bürgerbeschwerden den Druck auf die Altendorfer Szene massiv erhöht hatte, tauchten die Rauschgifthändler die Münder voller Heroinpäckchen zum Preis von zehn bis 15 Euro das Gramm in die U-Bahn am Berliner Platz ab. In diesem „Fuchsbau“, sagt Stahlke, ist ihnen noch schwerer beizukommen. Sie sind vorsichtiger geworden, haben ihre Späher, die sie vor der Polizei warnen. Droht Gefahr, verschwinden sie mit der nächsten Bahn. Und ihre Drogenverkäufe, die wickeln sie dann einem Ort irgendwo in der Stadt ab, nachdem ihnen die Kunden oft mehrere hundert Meter in unverdächtigem Abstand gefolgt sind. Da wird der juristisch wasserdichte Nachweis eines Rauschgiftdeals zum Glücksfall.

Vor fast genau einem Jahr hat eine Ermittlungskommission mit Unterstützung der Einsatzhundertschaft und der Besatzung des Schutzbereichs vor Ort damit begonnen, in Altendorf durchzugreifen. 650 Strafanzeigen wurden seitdem geschrieben und 18 Drogendealer hinter Gitter gebracht, die in einschlägigen Geschäften des Stadtteils das Heroin an den Mann oder die Frau gebracht hatten.

Ausnahmslos waren es Schwarzafrikaner, die zu Haftstrafen zwischen 15 Monaten und zweieinhalb Jahren verurteilt wurden. Und inzwischen, meint Stahlke, „scheint Altendorf optisch beruhigt“, auch wenn andere Verkäufer nachwuchsen, kaum, dass die ersten Drogendealer hinter Schloss und Riegel sagen. Doch die „Neuen“ waren vorgewarnt und wanderten in die U-Bahn ab. Sie sind oft jünger als 21 Jahre und unterliegen dem Jugendstrafrecht, „das macht die Sache vor Gericht nicht gerade einfacher“.

Niedergang des Wohnungsmarktes

Dass Konsumenten und Verkäufer sich ausgerechnet in Altendorf die Klinke und so manchen Bobbel in die Hand gaben, war dem Niedergang des dortigen Wohnungsmarktes geschuldet, meint Stahlke. Um noch längere Leerstände zu vermeiden, haben Besitzer von Wohnungen, die nur schwer zu vermitteln waren, „wohl nicht so genau hingeschaut“, wenn sie an Drogensüchtige nach der Haftentlassung vermieteten. Die Händler folgten ihnen auf dem Fuß.

„Viele unserer Klienten wohnen in Altendorf“, bestätigt Bärbel Marrziniak von der Essener Suchthilfe, an deren Drogenkonsumraum die jüngsten Entwicklungen in der Szene ebenfalls nicht spurlos vorüber gegangen sind. Als sich die Konsumenten quasi vor der Haustür in Altendorf mit Drogen versorgen konnten, nahmen sie den Weg zur Hoffnungstraße nicht mehr auf sich, um sich den Stoff dort unter hygienischen Bedingungen und medizinischer Aufsicht zu verabreichen: Die Zahlen der Nutzer erlitten einen deutlichen Einbruch pendelten sich erst in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres aber auf Normalniveau ein. Denn jetzt versorgen sich die Junkies wieder citynah.

Jörg Maibaum



Kommentare
04.04.2012
08:58
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von Elo2007 | #6

Also wer meint in Altendorf sei der Drogenhandel ruhiger geworden, der täuscht sich gewaltig. Man braucht sich nur mal so in die Unterdorfstr. stellen und da kann man ab ca. 17.00Uhr praktisch ein Handel nach dem anderen verfolgen. Klar, es wir auch schon früher gehandelt, aber nicht so intensiv. Viele der Dealer halten sich auch in dem Wettbüro und dem gegenüberliegendem Casino auf. Am Wochenende steht mittlerweile seit ca. 3 Wochen immer ein und derselbe Ford Transit, wo auch die "Geschäfte" abgewickelt werden.
Die Razzia am Limbecker/ Berliner Platz sind nicht genug, sowas muss wesentlich häufiger durchgeführt werden.

27.03.2012
18:57
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von tenzin | #5

So so, Altendorf soll also „optisch beruhigt“ erscheinen. Haben die geneigten Autoren schon einmal in die Seitenstraßen geschaut?

27.03.2012
12:54
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von Brecht | #4

Und was ist, wenn die Illegalen, die sonst keine andere "Verdienstmöglichkeiten" haben, einer gesetzlichen Arbeit nachgehen dürfen?

2 Antworten
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von dimmi | #4-1

Genau man gibt den Menschen ja keine Möglichkeiten.Akademiker die keinen deutschen Abschluß haben müssen hier-wenn überhaupt-klos putzen.

Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von dimmi | #4-2

Genau man behandelt diese Menschen von Anfang an als Kriminelle. Dieses Schubladen denken nimmt nicht nur diesen Menschen Chancen auch UNS!

27.03.2012
12:49
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von dimmi | #3

Wie will man das hundert prozentig nachweisen & was ist wenn sie in dem Viertel Wohnen. Ist es wie am Hauptbahnhof wo selbst Vereine die helfen wollten in Sippenhaft genommen wurden? Polizisten sind am HBF auf die Menschen zugegangen & meinten,ganz offen,Jetzt kriegt ihr was ihr braucht.Sich Polizisten auf Kosten von Minderheiten Profilieren wollen. Nicht das man mich hier falsch versteht,wenn ich mal zum Berliner fahre & da die Afrikaner sehe die ohne es groß zu verbergen ihren Geschäften nachgehen,bekomme auch einen dicken Hals.Ob Albaner,schwarzer oder sonstige Gruppen die nur Verkaufen ohne zu wissen wie es ist Süchtig zu sein,nur treffen wird es wieder am Ende die letzten im Glied.

27.03.2012
12:43
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von foxtrott | #2

Interessant ist, dass im Artikel die ganze Zeit die Rede von Heroin ist, das Bild zeigt aber die Hobby-Sammlung eines Marihuana-Fans. Oder wie der geneigte Piefke sagen würde: eines Haschisch-Süchtigen.

27.03.2012
12:16
Essener Polizei will mit mehr Druck gegen Dealer vorgehen
von Nick_Palomino | #1

500 Euro Zwangsgeld? Das entspricht bei einem Dealer ja in etwa einem halben Tagessatz. Merkt es doch einmal, dieser hilflose Nachtwächterstaat mit seinem knallharten ermahnenden erhobenen Zeigefinger wird von solchen Karrierekriminellen logischerweise nicht ernstgenommen. Wo die herkommen, beginnt der Tag noch mit einer Schußwunde. Die Lachnummer demokratischer Rechtsstaat hat dem überhaupt nichts entgegenzusetzen. Dann von mir aus lieber in Altendorf die Scharia einführen und auf klassische, altbewährte Körperstrafen zurückgreifen. Das dürfte allemal erfolgreicher, schneller und erheblich kostengünstiger sein als die Kriminalitätsverwaltung zwischen Aktendeckeln, die gegenwärtig praktiziert wird.

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