Wanheim-Angerhausen - zwischen Anger und Rhein
19.11.2010 | 17:23 Uhr 2010-11-19T17:23:00+0100
Duisburg. Wir treffen uns in der Rheinstahl-Siedlung, Silvia Gasse, Wilfried Hucks und ich, um Wanheim-Angerhausen zu erkunden. Unser Startpunkt markiert ein Stück Zeitenwende im Doppelnamen-Stadtteil.
Um die vorletzte Jahrhundertwende wurde das Dorf – noch wiederzufinden in vielen Straßennamen wie Am Knevelshof, Schönenhof- oder Höschenhofweg – städtisch, Industrie trat an den Platz, den für Jahrhunderte die Landwirtschaft inne hatte.
Die Rheinstahlsiedlung mit ihren wohnlichen Reihenhäusern entstand ab 1912 für die Angestellten der MAN, die in der Nähe ein Werk errichtet hatte und Arbeitskräfte mitgebracht hatte. „Die ersten Migranten kamen aus Bayern“, lacht Hucks. Heute sind Spanier und Türken unter den Nachbarn von Silvia Gasse und viele Häuser der Siedlung privatisiert, modernisiert, aus- und umgebaut.
Wanheim-Angerhausen gehört zum Stadtbezirk Süd und hat nach amtlichen Angaben 11.936 Einwohner. Davon sind 6160 Frauen und 5776 Männer. Der Ausländeranteil liegt bei 16 Prozent.
Als ältester Nachweis des Stadtteils gilt eine Urkunde des Stifts Werden von 1052, der zufolge einem Edelherrn Franko und seiner Ehefrau Werinhild je eine Hufe Land in Wagenheim und Angerohuson als Leihgut übertragen wurden.
1902 kam Wanheim-Anger-hausen zu Duisburg. Vorausgegangen war ein erheblicher Bevölkerungszuwachs als Folge diverser Industrie-Ansiedlungen. Weitere Information beim Heimat- und Bürgerverein Wanheim-Angerhausen.
Auf der anderen Seite der Cramer-Klett-Straße stoßen wir auf den Biegerpark , blicken mehrere Meter hinab auf den Lauf des Alten Angerbachs, der sich munter dem Rhein entgegen windet. Der Park wurde in den 60er Jahren angelegt und bietet etliche Kilometer Spazierwege im Grünen.
„Ich liebe Wanheim, es ist einfach schön hier“, schwärmt die in Wanheimerort geborene Silvia Gasse. Seit 28 Jahren lebt sie mit ihrer Familie am Rande des Biegerparks. Auch Wilfried Hucks, 27 Jahre lang Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins (www.duisburg-wanheim.de), ist überzeugter Wanheimer, weiß aber auch, was im Stadtteil fehlt. Einzelhandel vielfältiger Art habe es bis in die 60er Jahre gegeben, „jetzt ist ein Zentrum praktisch nicht mehr vorhanden“. Geschäftshäuser wie an der Wanheimer Straße sind zu reinen Wohnhäusern geworden, die Kundschaft orientiert sich nach Buchholz, auch der Markt verliert an Attraktivität.
Einige wenige Läden finden sich noch am Wanheimer Dreieck, von dort geht’s weiter in Richtung Rhein, und jetzt wird’s wieder richtig schön: 1,4 Kilometer lang führt die Rheinpromenade am Strom entlang, gesäumt von Wiesen, versehen mit Bänken, eine Terrasse, die weit übers hohe Ufer hinausragt, ist im Bau.
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Industrie markiert Anfang und Ende der Promenade, einst bot sie auch auf der gegenüberliegenden Rheinseite eine einmalige Kulisse. Dort ließ Krupp Stahl kochen bis 1993. Jetzt bietet Logport mit seinen Container-Brücken den Augen Halt. Drei Wassersportvereine haben ihr Domizil direkt am Rhein, Gastronomie mit Rheinblick lädt zum Verweilen ein. Die Straße Rheinufer gilt als gute Adresse, gepflegte Häuser finden sich dort und alte Katen aus dem 18. Jahrhundert.
Im Norden der Promenade stoßen wir auf den Franzosenweg, wo 1795 Soldaten den Rhein überquerten. Im Hintergrund sehen wir das farbenfrohe Stadtwerke-Gaskraftwerk.
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.
Wo endet Wanheim, wo fängt Angerhausen an? „Eine Grenze ist nirgendwo verzeichnet“, sagt Hucks. Wir kommen durch ruhige Wohnstraßen, Neubauviertel, sehen ein paar wenige Hochhäuser aus den 70ern, durchqueren die Berzelius-Kolonie, eine weitere Werkssiedlung, die durch neue Eigenheime – davon gibt’s übrigens viele im Stadtteil – ergänzt wurde. Berzilius, die Metallhütte, die zum Umweltskandal wurde, ist Geschichte, aber immer noch vorhanden. Die Abbruch-Trümmer wurden aufgeschüttet zur Heinrich-Hildebrand-Höhe , die bald vom Großkunstwerk „Tiger & Turtle“ gekrönt wird. Ein weiterer Grund, Wanheim-Angerhausen zu besuchen.

01:21
In Wanheim habe ich den grössten Teil meiner Jugend verbracht. Vor einigen Wochen bin ich nach 20 Jahren in einem Anflug von Heimweh mal wieder dort gewesen. Alles kaum noch wiedererkannt und aus einem ehemals lebhaften Stadtteil ist ein Stadtteil geworden, dessen Untergang man spürt. Klar war früher nicht alles besser, aber eine Stunde Aufenthalt reichte mir um depressiv zu werden. In Wanheim möchte ich noch nicht mal tot vom Zaun hängen.
17:54
Alle diese Stadtteilberichte zeigen hauptsächlich die positiven Seiten der Stadtteile und verschweigen die negativen Aspekte.
Lest sie alle mal durch. Ihr werden feststellen, dass immer ein Aufschrei von anderen Stadtteilbewohnern kommt. Da wird dann bemängelt, dass die hälfte fehlt oder nicht ausreichende beleuchtet wurde.
Wenn man über die schlechten Dinge Lesen möchte, dann braucht man nur die Zeitung zu verfolgen, die meisten Meldungen sind eher schlechte Nachrichten. :)
Ich finde die Serie trotzdem gut.
16:08
Ich kann Theofanismagnus nur voll und ganz zustimmen! Die Lärmbelästigung (Schrottsammler sind die Schlimmsten!) und das Abschneiden des Viertels durch die Schranken sind ein ernstzunehmendes Problem, welche die Lebensqualität nach und nach mindern. Ich denke auch schon lange darüber nach, den Wohnort deshalb zu wechseln, denn es ist uneträglich! Die Schranken gehen über 100mal am Tag runter und es wird einem massenweise Lebenszeit gestohlen...vom größten Verbrecherverein überhaupt - der DB!
23:35
Meine Güte, ist dieser Artikel schlecht. Ich wohne auch in Wanheim und kann nicht verstehen wie solch ein Artikel zustande kommen kann. Wo bleibt der Verweis auf die Probleme dieses Stadtteils, die Lärm-, Drecks- und Verkehrsprobleme die durch die Deutsche Bahn AG hervorgerufen werden ? Ich spreche Herrn Hucks das Recht ab sich selbstgefällig als Sprecher der Bürger dieses Stadtteils zu präsentieren, genauso wie ich seine Euphorie über das Kunstwerk auf der Müllhalde, man sagt bei Sudamin war das Erdreich bis in eine Tiefe von 17m verseucht, nicht nachzuvollziehen vermag. Journalistik funktioniert nicht wenn der Journalist mit den falschen Leuten spricht !
Freiheit für Wanheim - weg mit der Drecksbahn !
10:46
Wanheim und Angerhausen gehörten über Jahrhunderte zur Gemeinde Friemersheim. Zum Kirchgang, zu Beerdigungen, Taufen und Heiraten ruderte man über den Rhein.
Das Kind wurde zur Taufe über den gefrorenen Rhein getragen.
Alles nachzulesen in den Friemersheimer Kirchenbüchern
14:15
Es gibt ja viele Franzosenwege am Rhein. Haben die alle etwas mit der Überquerung Französischer Truppen zu tun? Wieder was gelernt.
Ich persönlich finde schade, dass die Mündung der Anger so klein ist und nicht schön aussieht. Die Anger fängt schön an und endet leider still und heimlich.