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Möbelhäuser

Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten

04.07.2012 | 07:00 Uhr
Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten
Bilder gehören zu den typischen Artikeln, die zum Schaden der Innenstadt nicht großflächig in Möbelhäusern verkauft werden sollten.Foto: Kai Kitschenberg

Duisburg.  Während Ikea und Ostermann auf maximal zehn Prozent der Verkaufsfläche Begleitartikel anbieten dürfen, gilt diese Regel für die Krieger-Märkte nicht. Das sorgt für Diskussionsstoff. Denn für die Einrichtungshäuser ist der Verkauf von Tellern, Tassen und Vasen ein lukratives Geschäft.

Keine Frage, am Mittwoch ist der große Tag der Möbelhäuser in Duisburg. Bei Ikea in Hamborn wienern die Mitarbeiter noch einmal die Scheiben des neuen Glashauses, das das erste seiner Art unter den NRW-Filialen ist und Donnerstagfrüh eröffnet wird. Rund zwei Millionen Euro hat der schwedische Möbelriese in den Anbau investiert.

Kein Wunder: Schließlich steht die Konkurrenz in den Startlöchern. Neben Ikea entstehen die Möbelhäuser Ostermann und Trends, in der Stadtmitte Höffner und Sconto , die beiden Filialen des Berliner Möbel-Moguls Kurt Krieger . Für beide Neubau-Vorhaben soll der Rat am Mittwoch auf der Sondersitzung den baurechtlichen Weg ebnen.

Voller Einkaufswagen ohne Möbel

Was dabei immer wieder strittig diskutiert wird, sind die sogenannten „Randsortimente“, sprich: Alle Artikel, die in Möbelhäusern verkauft werden, aber keine Möbel sind. In der neuen Ikea-Halle samt Jahreszeitenshop und Café warten laut Eigenwerbung Teller, Tassen, Vasen, Stoffe oder Boxen auf die Kunden. Der Verkauf solcher Waren ist für die Möbelhäuser ein lukratives Nebengeschäft. Jeder kennt das Phänomen: Der Rundgang durch Ikea endet an der Kasse zwar ohne neue Möbel, aber trotzdem mit vollem Einkaufswagen.

Pläne für Möbelhäuser
Zahlen und Fakten zu Ikea, Ostermann und Höffner

Ikea in Hamborn hat im März 2005 eröffnet und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. Die Verkaufsfläche ist laut Bebauungsplan auf 25.000 m² begrenzt. Davon sind 18.500 m² für Möbel und 6250 m² für Randsortimente vorgesehen, Lebensmittel darf Ikea auf 250 m² verkaufen. Zentrenrelevante Artikel sind auf 10% (2500 m²) begrenzt. Baurechtlich zulässig auf der Fläche ist zudem ein Baumarkt/Gartencenter auf 13.000 m², das Randsortiment darf 4000 m² betragen.

Das Unternehmen Ostermann plant auf dem Zeus-Gelände in Meiderich ein Einrichtungshaus mit einer Verkaufsfläche von bis zu 32.500 m² (zentrenrelevante Artikel max. 2500 m²), einen Möbelmitnahmemarkt „Trends“ von 12.500 m² (1.250), einen Küchenfachmarkt mit 5000 m² (500) und einen Gartenfachmarkt mit 10.000 m² (700). Der Umsatz soll laut Gutachter zwischen 91 und 115 Mio € liegen. Das Baurecht könnte es Ende des Jahres geben.

Der Berliner Möbelhändler Kurt Krieger plant auf dem ehemaligen Güterbahnhof ein Höffner-Möbelhaus mit 43.800 m² (zentrenrelevante Artikel max. 7350 m²) und einen Sconto-Mitnahmemarkt von 8000 m² (1100 m² Randsortiment). Das Baurecht soll der Rat heute beschließen.

Der Verkauf von Lampen, Haus- und Heimtextilien lässt die Kassen in den Möbelhäusern erst so richtig klingeln. Laut einer Analyse soll Kurt Krieger mit seinem Möbelzentrum auf der „Duisburger Freiheit“ einen Gesamtumsatz von knapp 91 Millionen Euro pro Jahr machen. Während der Verkauf von Möbeln einen Umsatz von 1630 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche erzielen soll, bringen die Haushaltswaren schon 2150 Euro pro qm, Lampen oder Bilder 2240 Euro und Elektro-Kleingeräte sogar 3000 Euro pro qm.

Mit dem Randsortiment wird das meiste Geld verdient

Ein anderes Gutachten geht für die Möbelstandorte im Norden sogar von noch höheren Zahlen aus. Beiden Gutachten ist aber zu entnehmen: Mit den Randsortimenten verdienen die Möbelhäuser auf den Quadratmeter gerechnet das meiste Geld. Deshalb wird an jedem Standort die maximal erlaubte Fläche für die Nebenartikel bis zum letzten Quadratmeter ausgereizt.

Strittig wird es aber erst, wenn der großflächige Verkauf solcher Waren den Fachhändlern in den Innenstädten das Geschäft vermiest. Deshalb ist der Verkauf sogenannter „zentrenrelevanter“ Waren über die Verkaufsfläche reglementiert. Es gilt die Regel: Bilder, Lampen, Babyzubehör, Gardinen, Geschirr, Gläser, Bettwäsche oder Matratzen dürfen nur auf zehn Prozent der Gesamtfläche verkauft werden. Das gilt für Ikea, das soll für Ostermann gelten, aber eben nicht für die Krieger-Möbelhäuser auf der „Duisburger Freiheit“ - obwohl das Areal viel näher an der Innenstadt liegt. Höffner und Sconto sollen doppelt so viele der umstrittenen Artikel verkaufen können wie die Konkurrenz und damit laut Analyse rund 18,7 Millionen Euro Jahresumsatz machen.

Einspruch von Ostermann

Weil hier offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird, laufen nicht nur IHK und Einzelhandelsverband Sturm, sondern auch der Wittener Möbelhändler Rolf Ostermann. Über seine Kölner Anwälte fordert er die Stadt auf, das „Interesse der Gleichbehandlung“ zu wahren. Denn auch mit einem Zehn-Prozent-Anteil an Randsortimenten ließe sich „ein leistungsfähiges großes Einrichtungshaus betreiben“, schreiben die Anwälte.

Die Stadt weist den Einspruch zurück. Der Anteil könne selbst „für zeitlich parallel laufende Vorhaben aus städtebaulichen Gründen unterschiedlich festgesetzt werden“. Warum man Krieger diese bevorzugte Behandlung gewährt, bleibt eher unklar. Zentrales Argument der Stadt: Die Umsetzung des Gesamtkonzepts „Duisburger Freiheit“ werde „für die gesamtstädtische Entwicklung als so hochrangig angesehen“, dass man offenbar eine Ausnahme machen kann.

Ingo Blazejewski


Kommentare
06.07.2012
10:04
Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten
von michelino | #9

Die Ungleichbehandlung der Stadt bezüglich der Möbelhäuser ist meiner Meinung nach nicht okay. Die 10% sind einzig allein deshalb durchgeboxt worden, um überhaupt was auf das Güterbahnhofsgelände gebaut zu bekommen. Andernfalls wäre es ein noch größeres Desaster geworden, als es so wie so schon ist. Das hochstilisierte Projekt Duisburger Freiheit, welches die Stadt wirklich weiter gebracht hätte, ist tot.

Man kann nur erahnen, was das für die Duisburger Innenstadt bedeutet. Mit dem Forum ist wieder mehr Leben in die City gekommen, wobei CityPalais und Königsgalerie ihre Probleme haben. Wenn man dann noch das künftige FOC in Hamborn dazu nimmt, kann man wirklich schwarz sehen.

04.07.2012
18:03
Krieger-Märkte
von akaz | #8

Irgendwann muss doch die jahrelange Landschaftpflege des Herrn Krieger Früchte tragen. Erst ein Gelände, dass für so eine Sache in der Größe nicht vorgesehen war, dann die Gedenkstätte und jetzt eine andere politische Farbe. Haben nicht auch die Roten das Centro in Oberhausen durchgeboxt?. Centro wirft soviel Gewerbesteuer ab, dass die Schließungen im alten Zentrum spielend aufgefangen werden und Oberhausen noch eine echten Gewinn macht. Nur kommt da bei den Bürgern nichts an. Genauso wird es Duisburg ergehen.
Die Tricksereien wiederholen sich doch laufend. Neueste Episode ist die Aktion am Wambachsee.

04.07.2012
18:02
Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten
von dietmartersteegen | #7

Merkwürdig, und wohl auch eine Fehlrecherche der Redaktion, ist, dass Ikea gerade die Fläche für das Randsortiment durch die umgestaltete Markthalle und den neuen, 2.000 qm großen Glasanbau vergrößern durfte.

Dieser Bereich ist nun nicht mehr, wie im Artikel erwähnt, nur 6.250 qm groß. Missverständlich ist an dieser Stelle die Ikea Homepage. Hier wird für die Markthalle eine Größe von 7.350 qm angegeben, für die neue Glashalle 2.000 qm. Ob man diese Werte nun addieren muss ist nicht eindeutig, aber auch 7.350 qm sind schon deutlich mehr als 6.250 qm.

04.07.2012
17:47
"Warum man Krieger diese bevorzugte Behandlung gewährt, bleibt eher unklar"
von PSorensen | #6

Ne, schaut man sich das Korruptions-Stadl der letzten Jahre an, dann weiß man es!

04.07.2012
13:48
Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten
von elementauscrime | #5

und wenn am ende die duisburger innenstadt daniederliegt, haben das die stadtoberen nicht gewollt. die einzelhändler dort müssen dann wohl eigene fehler in darstellung oder sortiment gemacht haben. das einknicken vor den "großen" - siehe auch cento - die den städten letztlich nichts verwertbares (in die kasse!) bringen - siehe wieder centro im, nach 15 jahren centro immer noch, armenhaus oberhausen - ist unerträglich. sehenden auges schreibt man die innenstädte ab, wo in der summe der händler mehr und sozialverträglichere jobs zur verfügung stehen, bzw. dann standen, als bei den läden, wo es fast ausschließlich minijobs, leiharbeit-jobs, schein-selbstständigkeiten und andere, letztendlich von der gesamten gesellschaft gesponsorte sogenannte arbeitsplätze gibt. und die ungleichbehandlung bezüglich der verkaufsflächen? - das "stinkt" doch wohl mächtig zum himmel.....

1 Antwort
Na dann tom009
von PSorensen | #5-1

doch lieber der ach so tolle Sauerland und die CDU? Das wollen Sie doch wohl auch nicht!?

04.07.2012
10:35
Das Möbel-Nebengeschäft
von tom009 | #4

ich sehe schon das desaster für die innenstadt kommen.
aber die spd wird dann ja sagen das es nicht an ihnen gelegen hätte.

das soetwas ja nicht vorhersehbar sei bzw war.

dann wird die beek-bzw münzstr endgültig mausetot sein.

der umgesiedelte knüllermarkt vom boecker zum sinn haus kann dann wohl seinen laden ganz zumachen.

das nennt sich dann also innenstadtentwicklung.

30 jahre für diesen teil der innenstadt nichts getan.
und es wird genau da weitergemacht wo diese vor 9 jahren aufgehört hat.

bravo spd.
habt bis jetzt ja soooooooooooooooooo gute arbeit in duisburg geleistet.

leider tue ich mich bei der aufzählung eurer guten taten verdammt schwer.

es wollen mir einfach keine positiven dinge einfallen.

1 Antwort
Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten
von Phoppe | #4-1

Krieger hat doch ein rotes Parteibuch. Wer von den vereimerten Duisburgern glaubt denn immernoch an einen Neuanfang. Die Wahrheit wird der Rückfall in alte Zeiten. Ich sehe schon den neuen OB mit hochrotem Kopf bei Verhandlungsversuchen mit möglichen Investoren, obwohl bei der erneuten Erhöhung der Gewerbesteuer werden in Duisburg wieder freie Flächen geschaffen, da die Unternehmer die Flucht ergreifen.

04.07.2012
09:43
Das Möbel-Nebengeschäft
von bigbadhooligaan | #3

wie in der Werkstatt:

wer gut schmiert, der gut fährt....

Da stinkts doch wieder mal bis zum Himmel von Anfang an!!!!

04.07.2012
09:33
Das Möbel-Nebengeschäft
von kikimurks | #2

Es ist sicherlich nicht zu einzusehen, warum zwei Möbelhäuser im Planungsverfahren hier unterschiedlich behandelt werden sollen. Das ist niemanden zu vermitteln.

1 Antwort
Ikea und Ostermann in Duisburg haben Nachteile gegenüber Krieger-Märkten
von piedro | #2-1

Eine Parteispende hier und ein Möbelgutschein da, schon ist alles möglich in Griechenburg. Noch vor wenigen Jahren habe ich geglaubt das in Deutschland eine offen Korruption wie z.B. in Griechenland kaum möglich ist. Wie sehr habe ich mich geirrt. Das Grausamme an dieser Feststellung ist, dass es so offensichtlich ist, es tut schon in den Augen weh und niemand der Exekutive oder Judikative handelt...Erst der Skandal um das Landesarchiv wo plötzlich niemand mehr bedarf eines Untersuchungsausschußes sieht, das Museum Küppersmühle und die vergabe der "Duisburger Freiheit" an Krieger. Man sollte das Gelände vielleicht in "Duisburger Schande" um benennen.

04.07.2012
08:13
Das Möbel-Nebengeschäft
von graphos | #1

"Die Umsetzung des Gesamtkonzepts „Duisburger Freiheit“ werde „für die gesamtstädtische Entwicklung als so hochrangig angesehen“, dass man offenbar eine Ausnahme machen kann."

Was für´n Konzept?

1 Antwort
Das Möbel-Nebengeschäft
von kikimurks | #1-1

Bauen. Ein anderes Konzept gibt es nicht.

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