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Museum für Kunst und Kuturgeschichte

Mit Flower Power gegen Kohlenstaub

07.07.2012 | 07:00 Uhr
Mit Flower Power gegen Kohlenstaub
Treffpunkt Dortmund. Eine Frau läuft an einer Ausstellungswand im Museum für Kunst und Kulturgeschichte entlang.

Hippies in der Stadtverwaltung? Mitnichten! Trotzdem ritt die Stadt in den 60er Jahren auf der Flower-Power-Welle. Für viele Kampagnen designten die Männer aus den neu eingerichteten Informations- und Presseamt Plakate im Stil von Beatles-Alben. Dortmunder und Auswärtige sollten die schönen Seiten der Stadt entdecken.

„Schinkenfahrt“, „Dortmunder Schokoladen Mädchen“, „Blumenstadt Dortmund“ – die Plakate aus den frühen Jahren der städtischen Öffentlichkeitsarbeit sind zum Teil lustig, zum Teil anrührend, aber in jedem Fall bemerkenswert. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte widmet den Imagekampagnen der Jahre 1965 bis 1990 eine eigene Schau, in der es Spannendes zu entdecken gibt.

Neues Selbstbewusstsein

In den 60er Jahren steckte das – neudeutsch Imagemanagement – also die Suche nach einem Markenkern für Dortmund noch in den Kinderschuhen. Klar war: „Wir wollten weg vom Vorurteil der Stadt, wo die Malocher mit dem einfachen Gemüt wohnen und es sonst nix gibt“, erklärt Gerd Kolbe, ehemaliger Leitender Städtischer Verwaltungsdirektor. 1967 begann er seine Arbeit im neu geschaffenen Informations- und Presseamt. „Wir wollten den Dortmundern ein neues Selbstbewusstsein geben und Anreize schaffen, dass Auswärtige uns besuchen.“

„Treffpunkt Dortmund“
Ausstellung und Magazin

Die Ausstellung „Treffpunkt Dortmund. Kampagnen für eine moderne Großstadt 1965-1990“ eröffnet am Sonntag und ist bis zum 23. September zu sehen.

Sie zeigt Plakate, historische Dokumente und Souvenirs wie Bierkrüge und Krawatten.

Begleitend dazu beleuchtet der Historische Verein Hintergründe des frühen Stadtmarketings in seinem aktuellen Heft.

Das Mittel der Wahl: Dortmund lädt zu einer Tour durchs Grüne ein. Lachhaft! Fanden die Journalisten aus der ganzen Bundesrepublik und kamen, um der Industriestadt beim Scheitern zuzuschauen. Doch Kolbe und seine Mitstreiter wussten: 49 Prozent des Stadtgebietes sind Wald, Wiese, Feld und Flora. „Die Presse kam, wir zogen los und nachdem wir Stunden durchs Grüne gewandert waren, meinten die, wir hätten sie veräppelt und wir wären im Sauerland gewesen.“

Wenn Gerd Kolbe das heute erzählt, lacht er sich noch immer ins Fäustchen über den gelungenen Coup. Auch die Dortmunder genossen den neuen Blick auf ihre Heimat: Zu Spitzenzeiten wanderten 20 000 Leute mit. Das Plakat aus dem Jahr 1969 zeigt einen beflügelten Stiefel mit Blumen, Westfalenhalle mit Regenbogen und bunten Vögeln. „Manche Sachen atmen den Zeitgeist“, erklärt der Städtische Museumsdirektor Wolfgang Weick. Flower Power hieß das in den 60er und 70er Jahren.

„Die Ausstellung zeigt, dass die Öffentlichkeitsarbeit damals total durchdacht war: Der Claim ,Treffpunkt Dortmund’ war auf viele Aktivitäten übertragbar, alle Kampagnen hatten ein Corporate Design“, betont Kuratorin Sandra Knorr. Für viele Besucher könnte allerdings etwas viel Persönlicheres spannend an der Ausstellung sein: „Ältere Bürger, werden hier viele Aktionen wiederfinden, an denen sie selbst teilgenommen haben.“

Maike Rellecke


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