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Mehr als eine Nummer im Smartphone

01.06.2012 | 17:21 Uhr
Mehr als eine Nummer im Smartphone
Die Personalberatung Headsahead macht am Freitag, 1. Juni 2012, Hauptschüler der Hauptschule Hörde in Einzelgesprächen fit für die weitere schulische und berufliche Laufbahn. Das Foto zeigt die Headhunter Mandy Keune, Ralf Kreutzberg, Achim Wellenberg und den Schulleiter Carsten Schlagowski mit den Schülern Ciprian, André, Vladislav, Lorena, Ajkune und Marcel.Foto: Franz Luthe

Dortmund.  Headhunter machen Hauptschüler fit für die Bewerbung und den Beruf. Das war die Idee. Heute war Projektabschluss.

Ciprian ist ein Klassenclown. Einer, der gute Laune verbreitet. Die guten Noten, die gingen dabei allerdings baden. Und jetzt? Schluss mit lustig? Im Gegenteil: „Behalt das bei“, rät Headhunter Achim Wellenberg dem 17-Jährigen. Denn der hat bewiesen, dass er was auf dem Kasten hat, dass er zielstrebig sein kann. Kurz: Er hat die Kurve gekriegt.

Gestern in der Hauptschule Hörde: Abschluss eines ungewöhnlichen Projektes, angestoßen von den Personal-Managern der Düsseldorfer Agentur „Headsahead“ und unserer Zeitung. Ein Jahr lang haben Mandy Keune, Achim Wellenberg und Ralf Kreutzberg Schüler von der Klasse 9 in die 10 begleitet, sie motiviert. Gelenkt? „Ich lenke nicht“, sagt Mandy Keune, „ich bewege nur“. Schließlich sind die jungen Leute fast erwachsen. „Die müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Ich will sie nicht in eine Richtung schubsen. Nur Impulse setzen“.

Jede Menge Talente gefunden

Die meisten haben letztlich doch gekniffen. Weil Einzelcoaching auch heißt: Klare Ansagen, feste Zielvereinbarungen – und dann Eigeninitiative. Der Weg ist aufgezeigt, ans Händchen genommen wird niemand. „Wir sind selbstbewusster geworden“, sagen Ajkuna (17) und Lorena (17). Manchmal wirken da schon ganz simple Tipps. „Ich soll lauter sprechen. Nicht mehr so schüchtern sein“, sagt Lorena. Damit hat sie wohl ihren künftigen Arbeitsgeber überzeugt. Ab 1. August beginnt sie ihre Ausbildung beim Rechtsanwalt. Ajkuna war von Beginn an zielstrebiger im Wollen, beim Machen half ihr Mandy Keune auf die Sprünge. Sie startet in ihren Traumberuf Erzieherin.

Talente finden – und zwar für die richtige Position. Das ist tägliches Brot der Headhunter, allerdings auf anderen Ebenen. „Es war anfangs schon eine asymmetrische Kommunikation“, sagt Achim Wellenberg. Nicht, weil die Personalberater in ihren Geschäftsanzügen aufkreuzten. „Wir sind, wie wir sind“. Und diese Authentizität haben sie auch den Jugendlichen zugestanden. „Wir erwarten nicht, dass die hier in ihren Kommunionanzügen aufkreuzen“. Was haben sie, die Headhunter hier gefunden, in der Hauptschule Hörde? „Jede Menge Talente“, sagt Wellenberg. Denen manchmal ihr eigenes Umfeld im Wege steht, denen die außerschulische Unterstützung fehlt. Manchmal auch nur jemand, der zwischen den Zeilen liest. Der Stärken formuliert, nicht Schwächen herausstreicht.

„Zieh das jetzt durch“

Ciprians Ausbildungsvertrag ist in trockenen Tüchern. Und das Abschlusszeugnis? „Gut“, sagt er, grinst schüchtern. „Und er ist ganz gut in seiner Selbsteinschätzung“, poliert Wellenberg das Selbstbewusstsein des jungen Mannes noch ein bisschen auf. Die Fehlstunden? „Ich schwänze nicht mehr“. Das nennt man wohl Verantwortung übernehmen – zuerst eben für sich selbst.

Die Hobbies? „Das schaffe ich nicht mehr“, sagt Ciprian. Und muss anschließend das schwierige Wort „Work-Life-Balance“ übersetzen. „Nimm Dir Zeit für Deine Hobbies“, legt Wellenberg Zukunftsstrategien. „Natürlich nicht, in dem Du in der Berufsschule blau machst“, klopft er dem 16-Jährigen verbal auf die Schulter: „Zieh das jetzt durch“. Ciprian nickt. Traut sich zu fragen: „Sehen wir uns noch mal?“ Eigentlich nicht. Das Projekt ist jetzt durch. Aber ... „Wenn ich jetzt sage, ruf doch mal an, tust Du das doch nicht“, vermutet Wellenberg. Ciprian nickt, dabei hat er die Visitenkarte des Headhunters immer dabei. Beide drucksen ‘rum. „Möchten Sie meine Handynummer haben?“ landet Ciprian einen Coup. Und mit dem simplen Speichern einer Nummer in einem Smartphone gehen beide eine gegenseitige Verpflichtung ein. Zuvorderst beruflich. Tatsächlich: menschlich. „Ich ruf Dich an“, verspricht Wellenberg. Ciprian lächelt breit. „Cool!“

Von Anja Schröder



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