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Lostprophets im FZW Dortmund - Die hohe Schule des Krachmachens

05.07.2012 | 14:01 Uhr
Lostprophets im FZW Dortmund - Die hohe Schule des Krachmachens
Die Lostprophets mit Leadgitarrist Lee Gaze und Sänger Ian Watkins gaben im FZW Dortmund mächtig Gas. Fotos: Roland Gorecki

Dortmund.   Die hohe Schule des Krachmachens: Die walisischen Alternative-Rocker von Lostprophets tobten sich in der passabel gefüllten Halle des FZW Dortmund aus. Was die Vorband Mode Execute Ready bei ihrem Heimspiel vorbereitete, vollendeten die Stars von der Insel mit ausgefeiltem Gitarren-Sound.

Ein FZW-Konzertabend, der metaphorisch an die Liebe erinnert: Erst ein romantisches Vorspiel, dann geht es immer mehr zur Sache. Übersetzt: Was Mode Execute Ready bei ihrem Heimspiel am Mittwochabend in Dortmund stilvoll vorbereiteten, vollendeten die walisischen Hardrocker von Lostprophets mit wohlklingendem Krach.

Vom ersten Ton an ist richtig Druck im Kessel, die verlorenen Propheten bringen die ordentlich gefüllte FZW-Halle schnell auf Betriebstemperatur. Äußerlich ist das Sextett zunächst wie graue Mäuse gekleidet, doch schon beim zweiten Song fällt schreiend die Maskerade. Mit ihrer gut ausbalancierten Mischung aus Melodie und Aggression animieren sie zu Party und Pogo.

Sobald die Alternative-Band zweistimmig ihre grundsätzlich höheren Töne unterlegt, geht der Punk ab. Gleich beim Eröffnungsstück muss ein Bühnenmitarbeiter den Mikrofonständer reparieren, später ist dieser ganz hinüber (der Ständer, nicht der Roadie). Bei folgenden Einlagen mit einem Megafon ohnehin überflüssig.

Ausgereifter Stil

Die wilden Jungs, natürlich überwiegend tätowiert, bieten unverkennbaren britischen Sound. Zwei krachende Gitarren, wummernder Bass, exzessives Schlagzeugspiel, dazu opulente Sound-Unterstützung vom Syntheziser. Absolut ausgereift. Viele Tempowechsel, wenige Soli von Leadgitarrist Lee Gaze (mit schwarzem Unterhemd und Schnäuzer!). Balladen sind eh überschätzt, also sorgen Lostprophets - allesamt mit modernen Kurzhaarfrisuren am Start - nur mit einigen Blödeleien für Pausen. Tänzerisches Talent ist erkennbar, kommt aber kaum zur Geltung.

Der Spaß, der Spieltrieb muss raus. Sänger Ian Watkins filmt sich gerne mit dem eigenen Handy vor den synchron hüpfenden Zuschauern. Vom Keyboard kommen akustische Faustschläge, ansonsten dominiert Musik pur. Groovige Einlagen die Waliser ebenso drauf wie einen Ausflug zum düsteren Death Metal. Doch populäre Hits wie „Last Train Home“ oder „Bring ‘em down“ und „We bring an arsenal“ vom aktuellen Album kommen besser an.

Hymnischer Rock von Dortmunder Vorband Mode Execute Ready

Und stehen auch im melodischeren Zusammenhang zur Vorband. Der romatische Rock von Mode Execute Ready, stark an Muse erinnernd, kam zwar oft schlecht ausgesteuert daher, doch mit souveränen Arrangements und selbstironischen Ansagen punktete das Dortmunder Quintett sowohl musikalisch als auch auf der Sympathie-Skala.

Die erklimmt abschließend auch Sänger Watkins. Vor seinem Marsch oben auf die leere Empore gibt er seinem Ton-Mischer am Pult einen Kuss, dann geht er mit dem begeisterten Publikum auf Tuchfühlung. Ein Höhepunkt, auch ohne Zugabe.

Steffen Gerber



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