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Poetry Slam verbindet Holzpenis mit Sexualaufklärung

13.06.2012 | 19:21 Uhr
Poetry Slam verbindet Holzpenis mit Sexualaufklärung
Beim Poetry Slam im Depot standen die Themen Liebe und Sexualität im Mittelpunkt.

Dortmund.   Der Arbeitskreis Sexualpädagogik brachte Jugendlichen das intimste aller Themen näher: Der Poetry Slam bot im Depot in Dortmund die Möglichkeit, Sexualität mal mit einer Bühnen-Version darzustellen. Homosexualität, das erste Mal und ein Holzpenis: Für 150 Schüler gab es auch Mitmachaktionen.

Als junger Mensch vor einem großen Publikum auf einer Bühne zu stehen, erfordert schon Mut, dabei aber auch noch über das Thema Sexualität zu sprechen, noch mehr. Trotzdem fanden sich nun rund 150 Dortmunder Schüler zwischen 13 und 14 Jahren zu einem Poetry-Slam des Arbeitskreises Sexualpädagogik im Depot zusammen, die sich genau das trauten. Gesponsert von der DEW , konnten die Teilnehmer zum einen dank lohnender Geldpreise die Klassenkasse aufbessern, sich zum anderen unter dem Motto „Die Liebe ist wie eine Rose...“ aber auch mit einem sehr intimen Thema beschäftigen.

Ein Mädchen, erzählt einem anderen, dass es homosexuell ist, ein Junge verliebt sich in ein Mädchen, das erste Mal – Themen, die die Jugendlichen unmittelbar betreffen, bekamen am Mittwoch eine Bühne. „Die Jugendlichen genieren sich in der Regel nicht, sich mit dem Thema zu beschäftigen, es interessiert sie und deswegen haben sie auch Spaß daran“, erklärt Michael Schank, Sexualpädagoge der Beratungsstelle Westhoffstraße.

Mitmachaktionen rund um den Poetry-Slam

Spaß machen und den Jugendlichen das wichtige Thema Sexualität näher bringen, sollten auch die Mitmachaktionen rund um den Poetry-Slam. Mit dabei natürlich auch der Holzpenis, an dem Jugendliche üben können, ein Kondom zu verwenden. Nicht aber auf die einfache Art, sondern im Inneren einer Kiste, die nur auf der Rückseite geöffnet ist. Während einer also „blind“ das Kondom über den Holzpenis stülpen muss, können auf der anderen Seite die Mitschüler zusehen.

Video
Dortmund, 13.06.2012: Bei einem Poetry Slam des Arbeitskreises Sexualpädagogik Dortmund konnten Schüler ihre ganz eigenen Ansichten über dieses Thema auf der Bühne zum Ausdruck bringen.

„Wir wollen den Jugendlichen das Thema Sexualität spielerisch näher bringen, sind aber gleichzeitig auch für alle Fragen offen“, sagt Schank. Meist im Rahmen von Biologie-Unterrichtseinheiten geht Schank mit einer Kollegin auch an Schulen, um aufzuklären. „Wir unterhalten uns mit den Schülern dann in kleinen Gruppen, Mädchen und Jungen werden dabei getrennt, Lehrer sind nicht anwesend“, sagt der Sozialpädagoge.

Lücken im Detailwissen

Natürlich gebe es für die Jugendlichen auch dort die praktische Einführung in das Thema Verhütungsmittel, der Fokus werde aber vor allem darauf gelegt, welche Fragen die Jugendlichen beschäftigen. „Bei Mädchen dreht sich viel um den Körper und die Menstruation, Jungen dagegen beschäftigen sich viel mit dem ersten Mal“, erklärt Schank.

Info
Arbeitskreis Sexualpädagogik

Der Arbeitskreis Sexualpädagogik wurde vor zwölf Jahren in Dortmund gegründet.

Dem Arbeitskreis gehören verschiedene Institutionen an, wie z. B. die Aidshilfe, die Beratungsstelle Westhofstraße, das Jugendamt, die Awo, aber auch Vereine für homosexuelle Menschen.

Ziel des Arbeitskreises ist es, das Thema Sexualität zu bearbeiten und die Diskussion um das Thema Sexualität in die Öffentlichkeit zu bringen.

Alle zwei Jahre plant der Arbeitskreis eine Veranstaltung, wie den Poetry-Slam, der bereits vor zwei Jahren schon einmal statt fand.

Vor einigen Jahren veranstaltete der Arbeitskreis Jugendfilmtage.

Durch die Medien hätten die Jugendlichen heute viel theoretisches Wissen über sexuelle Praktiken, gleichzeitig gebe es aber viele Lücken im Detailwissen. „Viele kennen zum Beispiel den Unterschied zwischen der Pille und der Pille danach nicht, oder wissen nicht, wann genau eine Frau schwanger werden kann“, sagt Schank.

Auch wenn die Jugendlichem mehr über sexuelle Praktiken wissen, würden sie sie in der Regel nicht früher ausleben. „Nur rund 30 Prozent der Jungen und Mädchen haben schon mit 15 ihr erstes Mal erlebt“, sagt der Sexualpädagoge. Trotzdem aber habe sich in den letzten Jahren das Eintrittsalter in die Pubertät etwa um ein Jahr nach vorne verschoben.

Mareike Maack

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