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Zwei Baustellen bremsen weiter die Roosters

30.05.2012 | 18:00 Uhr

Iserlohn. Karsten Mende, der Manager der Iserlohn Roosters, ist lange genug im Geschäft, um sich den Rahmenbedingungen am Seilersee klaglos anzupassen. Deshalb wirkt er ziemlich entspannt, wenn man ihn auf die noch recht überschaubare Kaderbesetzung für die DEL-Saison 2012/2013 anspricht.

Dass erst 13 Akteure mit einem Vertrag für die kommende Spielzeit ausgestattet sind und elf Abgängen mit Brandon Rodgers und Simon Fischhaber lediglich zwei Neuverpflichtungen gegenüber stehen, ist aber so ungewöhnlich nicht. Zum Vergleich: Ende Mai 2011 standen 15 Kaderspieler fest, darunter auch erst zwei Neue. Das waren mit Mike York und Colton Fretter allerdings echte Hochkaräter.

Die Roosters befinden sich mit ihrer Zurückhaltung jedoch in guter Gesellschaft. Meister Eisbären Berlin und die Hannover Scorpions haben noch überhaupt keinen Neuzugang vermeldet, Straubing erst einen. „Im Moment ist eben ziemliche Ruhe am Transfermarkt“, sagt Mende. Ein Grund dafür ist der immer noch nicht abgeschlossene Fernsehvertrag. Dass ServusTV ein möglicher neuer Partner für die DEL sein könnte, ist bekannt. Im Gespräch ist zudem ein wöchentliches „Highlight-Magazin“ beim Sender Sport1. Aber unterschrieben ist noch nichts, und so lange wird man am Seilersee auch keinen Neuzugang präsentieren.

Zumal es für die Roosters noch eine zweite Baustelle gibt. Von der kommenden Saison an wird die Eissporthalle nicht mehr von der DSBG, sondern von der Bädergesellschaft betrieben, die auch als Eigentümer auftritt. Und mit dem muss der DEL-Klub einen neuen Nutzungsvertrag abschließen. Hier könnte es bereits Ende der Woche Fakten geben. Wenn zwei nicht ganz unwichtige Posten für die Budgetplanung nicht festliegen, tritt die Roosters-Führung fast reflexartig auf die Investitionsbremse.

Im DEL-Umfeld ist das nicht üblich. Die gerade erst durch kräftige Zuwendungen von Gönnern wie Ex-Chef Klüh, Gesellschafter Hoberg, der dem Verein 700 000 Euro zusicherte, und auch eine städtische Bürgschaft in Höhe von 450 000 Euro gerettete Düsseldorfer EG konnte noch fristgerecht die Lizenz beantragen und plant dem Vernehmen nach mit einem 4,5-Millionen-Etat. Bemerkenswert ist dabei, dass trotz der lange Zeit ungewissen Zukunft des Traditionsvereins schon zehn neue Spieler unter Vertrag genommen wurden.

Karsten Mende spricht in diesem Zusammenhang von ungleichen Verhältnissen in der Liga. „Man muss sich doch nur ansehen, wer heute hinter den Vereinen steht. Was wären Berlin, Hamburg, Mannheim, München, Nürnberg oder Ingolstadt ohne die potenten Mäzene?“ Gerade das Beispiel München sei ein Beleg für den bedenklichen Kurs der Liga. „Es ist ja zu begrüßen, dass der Standort München dank Red Bull erhalten bleibt. Aber redet jetzt noch jemand darüber, dass die in einem Jahr drei Millionen Miese gemacht haben?“ Bei den Roosters wäre der unmittelbare Exitus garantiert. Weil es niemanden gibt, der massive Fehlbeträge ausgleicht, dürfen eben keine entstehen.

Deshalb lassen auch die „Appetitanreger“ für die neue Saison weiter auf sich warten. Schon da sind aber die hohen Erwartungen im Umfeld. Mende: „Alle verlangen sportlichen Erfolg, ignorieren aber die Rahmenbedingungen. Und wenn der Erfolg mal nicht wie gewünscht ausfällt, bekommen wir die Prügel.“

Willy Schweer



Kommentare
31.05.2012
01:31
Zwei Baustellen bremsen weiter die Roosters
von Frankie72 | #1

Ich habe je Verständnis da für und begrüße es sogar, dass nicht mehr ausgegeben wird, als man auf der "Haben"-Seite auch einfahren kann. Trotzdem nervt die immer wiederkehrende "Story" mit den Rahmenbedingungen langsam. Ob der Eishockeyfan in Iserlohn sich das auch noch in 10 Jahren anhören muß? Wenn man auf Dauer ohne nennenswerte sportlichen Erfolge bleibt, nur weil man ja so schlechte Rahmenbedingungen in der Region hat, dass frage ich mich, ob DEL-Eishockey überhaupt langfristig Sinn macht.

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