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Wenn DJ Flanz die Glocken läuten lässt, gehen die Lichter aus

27.01.2010 | 18:32 Uhr
Wenn DJ Flanz die Glocken läuten lässt, gehen die Lichter aus

Iserlohn. „Seit wir zwei uns gefunden”, dröhnt es aus den Stadionlautsprechern. Doch kaum hat Siw Malmkwist den ersten Vers ihres Ohrwurms „Adiolé” vollendet, da dreht der Mann am Mischpult die Schwedin auch schon wieder ab.

Denn bevor es im Text weitergeht, sind die anderen dran. Und das wissen sie. „Oh IEC”, ist wie immer ihre „Antwort”. An guten Tagen ist sie so laut, dass man sie noch an der Seilerseebrücke hören kann. Ein paarhundert Meter weiter in der Eissporthalle ist es dann nicht mehr lange hin bis zum ersten Bully. Viele stehen dort jetzt unter Strom. Einer von ihnen ist Lennart Flanz. Er ist der Hallen-DJ, der Mann, der bestimmt, was läuft. Und er ist der Mann, der Siw Malmkwist zum Schweigen brachte - wenn auch nur kurz.

Seit zwei Jahren beschallt Flanz bei Heimspielen der Iserlohn Roosters die Halle. Als er anfing, war er gerade einmal 15. Nun, mit 17, ist die Aufgabe des Zeremonienmeisters für ihn fast schon so etwas Routine. „Bei meinen ersten Spielen war ich ziemlich nervös. Aber das hat sich gelegt”, sagt Flanz mit Blick auf seinen Computer-Monitor. Darauf öffnet und schließt er alle paar Sekunden Fenster mit Musik, zumeist Melodien zum Mitgröhlen.

In wenigen Minuten beginnt das Spiel gegen die Hannover Scorpions. Lennart spielt jetzt „Hells Bells” von AC/DC. Das ist kein Zufall, keine Intuition, sondern eine Zutat für einen gelungen Mannschafts-Einlauf. Und kaum erklingen die ersten Glockenschläge, macht der Eismeister das Licht aus, die Fans die Wunderkerzen an und die Roosters erste Schritte auf dem Eis. So einfach geht Gänsehaut.

Lennart Flanz an seinem Arbeitsplatz beim Spiel der Roosters gegen Hannover. Das Fenster hat er stets geöffnet, um ein Gefühl für die Stimmung in der Halle zu bekommen. Foto: May/IKZ

Die hatte Lennart Flanz bis vor einigen Jahren in diesen Momenten auch. Allerdings auf der Stehplatz-Tribüne. Denn bevor er den Sprung auf die andere Seite wagte, war er „ganz normaler” Fan. Fan ist er jetzt immer noch, aber eben in erster Linie DJ. „Der Verein hat mich gefragt, ich habe sofort zugesagt”, blickt Flanz zurück. Und er arbeitet sogar ehrenamtlich. „Ich identifiziere mich hundertprozentig mit dem Verein, mache das aus Verbundenheit”, begründet er sein Engagement, das immerhin mit einem warmen Abendessen belohnt wird.

Worauf es in seiner Funktion ganz besonders ankommt, weiß Flanz genau: „Man muss ein Gefühl für die Stimmung auf der Stehplatztribüne entwickeln”, erklärt er und schiebt ein seufzendes „das ist durch die Distanz nicht immer ganz so einfach” hinterher. „Früher war das besser”, sagt er „da war die Kabine auf der anderen Seite und näher an der Stimmung”. Um die Wahrscheinlichkeit für das richtige Lied zur richtigen Zeit zur erhöhen, arbeitet Flanz bei offenem Fenster.

Manchmal ist das mit der Musik aber auch ganz einfach. Zum Beispiel jetzt. Die Roosters machen das 1:0, Sekundenbruchteile später ertönt das „Rama Lama Ding Dong”. „Den Knopf drücke ich am liebsten”, sagt der DJ, legt noch ein paar „Zeilen” Mickie Krause nach und klatscht sich mit Hallensprecher Rudi Müllenbach ab.

20 Spielminuten und sechs Gegentore später herrscht in der Halle dann das, was Flanz „Begräbnisstimmung” nennt. Für ihn bedeutet das Schwerstarbeit. „Wenn sie führen, ist das hier ein Selbstläufer, aber jetzt sind wir gefordert”, weiß der DJ. Was das genau bedeutet? „Jetzt spiele ich mehr Musik, meistens was Rockiges. Es geht darum, die Totenstille zu überspielen oder zu verhindern, dass die Gästefans alles in Grund und Boden singen.” Da diese Gefahr seitens der etwa zehn mitgereisten Hannoveraner nicht besteht, entscheidet sich Flanz für Ersteres - und macht dabei so etwas wie einen Fehler: Recht spektakulär entschärft der für den schwachen Sebastian Stefaniszin eingewechslte Jonas Langmann eine Chance der Scorpions - und Flanz spielt Tina Turners „Simply the best”. Das ruft Volker Grabowski auf den Plan: „Lennart, das war nicht fair. Sebastian hat nicht gut gehalten, aber wir müssen ihn nicht zusätzlich demütigen”, poltert der Organisationschef.

Das saß. Jetzt ist es auch in der Sprecherkabine still. Derweil verrinnen „draußen” die letzten Spielminuten. Dann ist das Spiel aus, die Halle kurz danach wie leer gefegt. „Schöner kann's nicht mehr werden”, hatte Lennart Flanz Siw Malmkwist noch vor dem Spiel singen lassen. „Oh IEC”, würde ihr jetzt sicher keiner mehr antworten.

Alexander Althöfer

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