Von Schweinshaxe sichtlich beeindruckt
17.08.2010 | 16:44 Uhr 2010-08-17T16:44:00+0200
Iserlohn.(MT) Radball an sich ist schon ein recht exotischer Sport, gleichwohl Iserlohn durchaus als Radball-Hochburg bezeichnet werden kann. Und selbst in diesem „Exotensport“ gibt es noch „Exotisches“: Eine Woche lang weilten die japanischen Studenten Koji Okajime (19) und Yuto Mizuno (20) beim Radballcamp in Iserlohn.
Dieses Camp hatte der in Weeze lebende ehemalige Iserlohner Bundesligaspieler Ralf Fischer organisiert. Der Waldstädter ist NRW-Verbandstrainer, Beauftragter der Hallenradsportjugend sowie Schiedsrichter und immer noch Mitglied des RC Pfeil. Insgesamt 17 Mädchen und Jungen, zwei Betreuer sowie der Iserlohner Daniel Endrowait als Co-Trainer, der als Fischer-Nachfolger aufgebaut werden soll, beschäftigten sich sieben Tage lang mit Fünfer- und Zweier-Radball sowie Radpolo. Aber nicht nur damit. Es wurde Minigolf gespielt, die Jugendlichen gingen ins Freibad, zudem besichtigten sie Danz- und Bismarckturm und unternahmen vieles mehr. Übernachtet wurde in der Heidehalle auf Luftmatratzen, da wurde auch schon mal bis in die frühen Morgenstunden geplaudert. Der Sport stand also nicht allein im Vordergrund. Es ging vor allem familiär und privat zu.
Und das gefiel auch den beiden japanischen Studenten. Sie hatten am internationalen Hallenradsportcamp des Bundes Deutscher Radfahrer in Frankfurt teilgenommen. Verantwortlich für die Durchführung im BDR-Leistungsstützpunkt war der Iserlohner Radballer Lars Wegmann, der gleichzeitig Co-Trainer der Junioren-Nationalmannschaft und Cheftrainer des U23-Teams ist. Wegmann hatte auch den Kontakt zu Fischer hergestellt, so dass die beiden Japaner nach Iserlohn kamen.
Der Radsportbund betreibt mit dem japanischen Verband ein Austauschprogramm. In dessen Rahmen wird im September die Junioren-Nationalmannschaft in den Fernen Osten reisen. Und aufgrund dieser Vereinbarung flogen Koji Okajime und Yuto Mizuno nach Deutschland.
Sie spielen erst gut 18 Monaten Radball und weisen bereits ein dafür erstaunliches Niveau auf. „Wie gute Jugendspieler“, urteilt Ralf Fischer. „Radball ist in Japan noch nicht so populär“, berichten die beiden Wirtschaft- bzw. Elektronikstudenten aus Osaka in gebrochenem Englisch. Es gibt nur 200 Teams in Japan. Ziel der beiden Deutschland-Besucher ist in absehbarer Zeit die Nationalmannschaft und die Teilnahme am World-Cup.
Während für das Duo aus Asien in Frankfurt der Leistungsaspekt im Vordergrund stand, ging es in Iserlohn vor allem um die familiäre Komponente, da störte auch die vorhandene Sprachbarriere nicht. „Ich hatte schon mit vielen Nationalitäten zu tun, aber mit Japanern noch nicht“, erzählt Ralf Fischer von neuen Eindrücken.
Beeindruckt zeigten sich die Gäste aus Fernost u. a. von den deutschen Speisen. Die bestellte Schweinshaxe wurde angesichts ihrer Dimensionen von allen Seiten fotografiert, um darüber in ihrer Heimat zu berichten. „Die glauben, dass bei uns viele Sportler dicke Bäuche haben“, grinst Wegmann angesichts seiner und Fischers „Leibesfülle“. Angetan zeigten sich die beiden japanischen Gäste auch von einer ihnen angebotenen Prise Schnupftabak, die durchschlagende Wirkung hatte. Als Wegmann ihnen zum Abschied eine Dose schenkte, war die Freude groß. „Vielleicht kommen wir ja nächstes Jahr wieder zurück“, verabschiedeten sich Koji Okajime und Yuto Mizuno von ihren Gastgebern, sichtlich angetan von den Erlebnissen in der Metropole Frankfurt und im eher beschaulichen Iserlohn.
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