Roosters-Trio auf dem Weg nach Vancouver
10.02.2010 | 11:17 Uhr 2010-02-10T11:17:00+0100
Iserlohn. Wenn am 16. Februar in Vancouver das Olympische Eishockey-Turnier beginnt, sind auch drei Roosters mit an Bord: Michael Wolf als Stürmer der DEB-Auswahl, Markus Schreiber als Betreuer der DEB-Equipe und IEC-Co-Trainer Bernd Haake als „Team-Host” der Norweger.
Michael Wolf ist der dritte Iserlohner Eishockey-Crack, der an Winterspielen teilnimmt. Bislang waren dies Sigmund Suttner als Torhüter des ECD Iserlohn 1980 in Lake Placid (USA) sowie Verteidiger Joachim Reil vom ECD 1984 in Sarajewo (früheres Jugoslawien). Zu olympischen Ehren, allerdings nicht als Iserlohner Vereinsspieler, kamen der Hemeraner Verteidiger Lars Brüggemann (1998 im japanischen Nagano) sowie der gebürtige Iserlohner Torhüter Marc Seliger (2002 in Salt Lake City/USA).
„Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist wohl das Größte, was ein Sportler erleben kann”, freut sich Michael Wolf, der seit Dienstag bei der Nationalmannschaft weilt, auf sein Karriere-Highlight. Nach dem Testspiel gegen Lettland in Frankfurt geht es am Donnerstag nach Kanada. Seine Zielsetzung? In gewohnter Bescheidenheit hofft er, auch wirklich zum Kader zu gehören, denn vermutlich werden einige Akteure noch gestrichen. Aber wer will angesichts der Klasse und Routine des 29-Jährigen, der längst als Haupttorschütze eine Leitfigur im Team von Bundestrainer Uwe Krupp geworden ist, daran zweifeln? „Ich hoffe, dass alles klappt”, so die „13” der Roosters und „16” der DEB-Equipe. Nominiert wird am 15. Februar.
Die ersten Schritte in Füssen
Wann hat er sich überhaupt zum ersten Mal mit dem Thema Olympia beschäftigt? In der Jugend, als er in Füssen die ersten Schritte wagte? „Nein, da noch nicht.” Wirklich konkrete Träume reiften erst nach der Olympia-Qualifikation. „Und nach dem Deutschland-Cup waren die Chancen gut.”
Wolf hofft, von anderen Veranstaltungen live einiges sehen zu können. „Ich möchte viele Eindrücke sammeln.” So auch von der Eröffnungsfeier. Da das erste Spiel gegen Schweden erst am Mittwoch stattfindet, ist dies realistisch.
Am Wochenende richtet sich sein Blick natürlich auch in die Waldstadt. Denn die Roosters müssen ihren beiden nächsten Spiele ohne Wolf bestreiten. „Das ist natürlich nicht schön. Aber anderen Mannschaften fehlen auch Spieler. Es ging wohl nicht anders”, so der Torjäger, der sich nach Olympia ja noch auf ein weiteres Highlight freuen kann - die WM in Deutschland im Mai. Aber so weit denkt der Stürmer noch nicht.
Vor 66000 Zuschauern auf Schalke
Das trifft auch auf Markus Schreiber zu, obwohl der sich schon jetzt ausmalt, was es bedeutet, vor rund 66 000 Zuschauern in der Schalke-Arena an der Bande zu stehen. Der Roosters-Betreuer gehört seit der B-WM in Frankreich zum Betreuerstab des DEB, nachdem Uwe Krupp im Rahmen des Trainingslagers in Iserlohn auf den gebürtigen Waldstädter aufmerksam geworden ist.
„Das ist für mich natürlich eine Ehre”, freut sich der 31-Jährige auf sein Olympiadebüt. An einer B-WM und drei A-Weltmeisterschaften hat er schon teilgenommen. „Aber Olympia ist doch noch eine andere Kategorie. Denn es ist alles am Start, was Rang und Namen hat.” Abseits des Eises hat er keine konkreten Pläne. „Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich würde gerne an der Eröffnungsfeier teilnehmen, das Skispringen anschauen und im olympischen Dorf andere Sportler kennen lernen. Außerdem hoffe ich, dass Deutschland wieder beste Nation wird.”
Seit sechs Jahren ist Schreiber bei den Roosters als Betreuer fest angestellt. „Es gab ständig Steigerungen”, blickt der ehemalige Ordner, Zeitnehmer und Nachwuchs-Betreuer auf seine Laufbahn zurück. Und sein Fazit: „Mehr kann man als Betreuer nicht erreichen.”
Wer Bernd Haake, den Roosters-Co-Trainer, als „Hansdampf” bezeichnet, untertreibt wohl noch. Denn da, wo sportlich etwas los ist, auch unabhängig vom Eishockey, taucht er häufig auf, in ständig wechselnder Mission. Wie beispielsweise bei der Fußball-EM in Klagenfurt im Sicherheitsdienst. Und so überrascht es auch nicht wirklich, dass Bernd Haake nun seine Zelte in Vancouver aufgeschlagen hat. Am Montag ging es bereits über den „Großen Teich” nach Kanada.
Die gute Seele
Diesmal ist er Betreuer abseits des Eises („Team-Host”) der norwegischen Eishockey-Nationalmannschaft, u. a. mit dem Ex-Iserlohner Mats Trygg. Als Ansprechpartner für die Wünsche der Spieler ist er die „gute Seele”, die sich um alles kümmert, was vor oder nach den Matches oder Trainingseinheiten nötig ist oder gewünscht wird. Außerdem stimmt er den Tagesablauf ab.
Die Kontakte entstanden über George Kingston, als dieser noch Nationaltrainer der Skandinavier war. Zuvor hatte sich Haake schon zweimal beim norwegischen Junioren-Nationalteam bewährt.
Olympische Spiele stellen für Haake kein Neuland dar. Vancouver sind seine dritten Winterspiele. In Calgary war er 1988 Manager der deutschen Nationalmannschaft, in Turin 2006 „Team-Host” der US-Kufenflitzer. Zudem nahm er an den Sommerspielen in München 1972 als Koordinator in der Olympia-Stadion GmbH teil, 1976 in Montreal war er im Bereich Merchandising aktiv, in Los Angeles arbeitete er 1984 im Sicherheitsdienst.
„So etwas ist immer ein ganz besonderes Erlebnis. Jede Olympischen Spiele haben ihr eigenes Flair”, gibt Haake seine vielfältigen Eindrücke wieder und hofft auf zahlreiche Kontakte zu anderen Athleten, gleichwohl die „Team-Hosts” nicht im Olympischen Dorf untergebracht sind. „Wir wohnen ganz in der Nähe des Stadions.”
Das Hauptaugenmerk gilt diesmal dem Eishockey. „Denn das Herz für diese Sportart schlägt in Vancouver”, berichtet er von der zu erwartenden Begeistung im Mutterland des Pucksports. Klar, dass für die Kanadier die Goldmedaille in dieser Sportart den herausragenden Stellenwert besitzt. Und Haake ist davon überzeugt, dass die Gastgeber ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Dabei führt er einen weiteren Vorteil an: „Es wird zum ersten Mal überhaupt bei solchen Wettkämpfen auf einer kleinen Eisfläche gespielt.” Und das ist für die NHL-Cracks nun einmal Liga-Alltag.
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