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Deutsche Eishockey-Liga

Roosters-Debakel nach Stefaniszins Fehlgriffen

20.01.2010 | 00:13 Uhr
Roosters-Debakel nach Stefaniszins Fehlgriffen

Iserlohn. Ihren bislang bittersten Eishockey-Abend dieser Saison erlebten die Roosters gestern gegen die Scorpions. Maßgeblich daran beteiligt war Schlussmann Sebastian Stefansizin. Er wurde nach 40 Minuten gegen Nachwuchs-Mann und DEL-Novize Jonas Langmann ausgewechselt - die Höchststrafe!

Iserlohn Roosters – Hannover Scorpions 2:7 (2:1, 0:5, 0:1). „Wir haben ein konstant gutes Torwartspiel“, hatte Co-Trainer Bernd Haake im aktuellen Vereinsheft eine der aus seiner Sicht positiven Saisonüberraschungen herausgestrichen. Eine Aussage, die gestern ad absurdum geführt wurde. Mindestens vier Gegentreffer gingen auf Stefaniszins Kappe. Aber nach dem Ausfall von Danny aus den Birken, auf dessen Comeback Trainer Ulrich Liebsch am Freitag hofft, stand nur noch der 18-jährige Langmann zur Verfügung, ein Crack aus dem IEC-Nachwuchs, der in der Regionalliga für Königsborn spielt. Sollte er etwa ins kalte Wasser geworfen werden? Liebsch sah keine andere Möglichkeit. Und Langmann rechtfertigte das Vertrauen und feierte ein spektakuläres Debüt in der Eliteliga, das auch die Fans besänftigte, so dass es nach Spielschluss erstaunlich ruhig blieb.

Dabei waren die Hausherren erfolgreich gestartet. Schon nach acht Minuten traf Kris Sparre. Er hatte sich in den Rücken der an der blauen Linie aufgereihten Gäste-Spieler „geschlichen“. Das sah Robert Hock. Sein Pass kam präzise, mit schöner Einzelleistung brachte der Ersatz für den erkrankten Mads Christensen seine Farben in Front. Die erste Überzahl wurde dann allerdings kläglich vergeben, ein erster Hinweis auf das, was folgen sollte?

Die Antwort erfolgte 51 Sekunden später

Ein Fehler des Abwehrduos Stefan Langwieder/Collin Danielsmeier ermöglichte den Gästen den Ausgleich. Thomas Dolak konnte ungestört passen, Tore Vikingstad ebenso ungestört ausgleichen (13.). Aber die Antwort folgte nur 51 Sekunden später. Daniel Sparre zog aus spitzem Winkel ab, Jeff Giuliano lenkte ab. Zur Absicherung zog Schiri Heiko Dahle den Videobeweis heran (13.). Aber durch individuelle Fehler brachte sich der IEC immer wieder in Bedrängnis. Schon jetzt zeigte Stefaniszin Unsicherheiten. Und so landete Martin Hlinkas Schuss aus spitzem Winkel völlig überraschend zum 2:2 im Netz (22.).

Ob das Match anders verlaufen wäre, wenn wenig später Brian Swanson bei Überzahl erfolgreich gewesen wäre? So aber wurde es bitter, ganz bitter sogar. Innerhalb von 42 Sekunden stachen die Scorpions zweimal zu, zweimal durch Sascha Coc, zweimal begünstigt durch den IEC-Keeper. Danach war es mit der Iserlohner Herrlichkeit vorbei. Eine Mischung aus Resignation und Hilflosigkeit machte sich breit. Erst recht, als Quinn Hancock nur halbherzig attackierte und Ben Cottreau auf 5:2 erhöhte (35.). Das war's! Von Iserlohn kam kaum noch etwas, Hannover kontrollierte mühelos. Als Stefaniszin auch noch bei Adam Mitchells Schuss daneben griff, hatten die Fans die Nase voll (39.). Anfänglichem Galgenhumor („Deutscher Meister wird nur der IEC!“) folgten Pfiffe und bitterböse Rufe: „Wir haben die Schnauze voll!“ Und Stefaniszin applaudierte demonstrativ!

Langmann kam im letzten Drittel

Ulrich Liebsch reagierte. Langmann kam im letzten Drittel, hielt, was zu halten war, und war somit der einzige Sieger eines tristen Eishockeyabends. Mit drei Paraden führte er sich prächtig ein, der Applaus der Fans war ihm gewiss. Nur einmal musste er hinter sich greifen, als Matt Dzieduszycki bei Überzahl traf. Aber mehr ließ der DEL-Debütant nicht zu. Und so hat er durchaus Chancen, am Freitag in Mannheim im Gehäuse zu stehen. Die Kernfrage aber bleibt: Wann stoppt der IEC seine Talfahrt?

Iserlohn Roosters: Stefaniszin (40:00 Langmann) – Wilford, Ardelan; Schneider, Veideman; Danielsmeier, Langwieder – M. Wolf, Hock, K. Sparre; Ready, Hancock, Roy; Giuliano, Swanson, D. Sparre; Jones, Hommel.

Hannover Scorpions: Scott – Brimanis, Köttsdorfer; S. Goc, Reiß; N. Goc, Köppchen – Mitchell, Herperger, Dzieduszycki; Dolak, Vikingstad, Kathan; Cottreau, Hlinka, Mondt; D. Wolf.

Schiedsrichter: Dahle (Berlin). – Strafen: Iserlohn 8, Hannover: 12. – Zuschauer: 2 675.

Tore: 1:0 (7:03) K. Sparre (Hock, Wilford), 1:1 (12:07) Vikingstad (Dolak, Kathan), 2:1 (12:58) Giuliano (D. Sparre, Wilford), 2:2 (21:50) Hlinka (N. Goc, Dolak), 2:3 (27:37) S. Goc (Vikingstad, Dolak/4-4), 2:4 (28:19) S. Goc (Kathan, Vikingstad/4-3), 2:5 (34:17) Cottreau (Köppchen, Mondt), 2:6 (38:24) Mitchell (Vikingstad, S. Goc), 2:7 (48:27) Dzieduszycki (Mitchell, Herperger/5-4).

Uli Liebsch (Iserlohn): Es war klar, dass wir unter Druck stehen. Nach den Niederlagen haben wir sehr gut ins Drittel gefunden und verdient mit 2:1 geführt. Wir haben eine gute Balance gegen dieses konterstarke Team gefunden. Ab dem zweiten Drittel hat jeder gesehen, was passiert ist. Das war nicht der Tag von Sebastian Stefaniszin. Die Nackenschläge haben uns mehr und mehr verunsichert. Ich habe nach jedem Gegentor überlegt, ob ich den Torwart wechseln soll. Sebastian ist ein guter Torwart und ich wollte ihm das ersparen. Wir brauchen ihn eventuell noch.

Hans Zach (Hannover): Für uns ist es ab dem zweiten Drittel gut gelaufen. Der Iserlohner Torwart hat unglücklich gespielt, aber so etwas passiert. Iserlohn stand enorm unter Druck. Sie sind unter den Strich gefallen, und da ist es nicht leicht. Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gezeigt, waren pucksicher und fit bis zum Schluss.

Michael Topp

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