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Pille Wilms ebnete den Weg in die Landesliga

13.07.2012 | 17:35 Uhr
Pille Wilms ebnete den Weg in die Landesliga
Früher Gegner im Derby: Wilhelm Sudhaus, Alfred Hannusch und Siegbert Brommer

Iserlohn. Am 2. März 1958 fand im Brüsseler König-Baudouin-Stadion vor 65 000 Zuschauern das Länderspiel zwischen Belgien und Deutschland (0:2) statt. Zur gleichen Zeit hatten sich 3 000 Zuschauer rund um den Vodeke-Sportplatz (heute: Spedition Winner) eingefunden. Sie wollten die vorentscheidende Partie um den Meistertitel der Bezirksklasse 14 zwischen den SF Oestrich und dem TuS Iserlohn miterleben.

Aber nicht alle Fans wollten auch das Eintrittsgeld von einer D-Mark entrichten. Da es in der Vodeke keine Kassenhäuschen gab, liefen die Kassierer mit einer ausrangierten Zigarrenkiste um das Spielfeld, den Obolus einzufordern. Unter den Zuschauern gab es daher viele „Wanderer“. Auch die Schaulustigen in den benachbarten Gärten am Burgberg genossen freien Eintritt. Essen und Trinken auf dem Sportplatz war Ende der Fünfziger im übrigen noch nicht in Mode.

„Die Zuschauer sorgten mit Fahnen, Trompeten und Sprechchören für Großkampfstimmung,“ hieß es in einem IKZ-Bericht. Stürmisch wurden die beiden Mannschaften begrüßt. Oestrich spielte mit Eggemann, Kliewer, Friedrichs, Wilezelek, Bremshey, Mücke, Sudhaus I, Brommer, Sudhaus II, Reichert und Saßmannshausen - Iserlohn mit Knuffmann, Kolbe, Hannusch, Balschun, Ratay, Lodewig, Lück, Roloff, Wilms, Pruß und Janosch.

Der TuS gewann knapp mit 1:0, das Tor des Tages erzielte Wilms auf Vorarbeit von Janosch. Die Iserlohner wurden in der Saison 1957/58 souverän Meister und stiegen in die Landesliga auf. Danach trennten sich die Wege beider Vereine für immerhin 21 Jahre. Die Sportfreunde steckten zumeist in der Bezirksklasse fest, rutschten sogar bis in die Kreisliga ab.

54 Jahren nach diesem Derby trafen sich jetzt drei ehemalige Spieler am TuS-Vereinsheim und tauschten Erinnerungen aus: Wilhelm Sudhaus und Siegbert Brommer von den Sportfreunden, Alfred Hannusch vom TuS. Sudhaus (77) hat den Oestrichern nicht nur während seiner aktiven Zeit stets die Treue gehalten. Zusammen mit seinem älteren Bruder Jupp hielt er im Mittelfeld die Fäden in der Hand. In der Torschützenliste waren Sudhaus I und Sudhaus II stets ganz oben zu finden. Doch in diesem Derby klappte es nicht. Das lag aber nicht am Schuhwerk, denn in Oestrich gab es mit Döpps Kanine und Seppl Winner zwei Schuster, die sich auf das Reparieren von Fußballschuhen spezialisiert hatten. „Mein Vater hatte das auch gelernt und half bei Döpp in der Werkstatt mit. Im Winter haben wir unsere Fußballschuhe mit Petroleum eingerieben, damit der Schnee nicht dran kleben blieb. Da fiel im Gegensatz zu heute nämlich kaum ein Spiel aus“, erinnert sich Sudhaus.

Auch in der letzten Saison war er Stammgast im Schledde-Stadion, wo seine Frau Erika an der Kasse aushilft. „Für die letzte Serie wurden nicht die richtigen Leute geholt, deshalb ist die Mannschaft auch abgestiegen“, meint Sudhaus, der am liebsten seinen Zwillings-Enkeln Vincent und Nils Kemper bei den D-Junioren zuschaut. Ein Standortwechsel steht allerdings nicht mehr zur Debatte. „Ich werde nicht zu den Landesliga-Spielen des Fusionsvereins zum Hemberg fahren.“

Siegbert Brommer (Jahrgang 1934) sorgte mit seinen Sturmläufen auf dem rechten Flügel der Sportfreunde stets für Gefahr in der gegnerischen Hälfte, er bereitete viele Tore vor. Auch in der Woche vor dem Derby gegen den TuS gingen die Sportfreunde einem geregelten Training nach. „Erst sind wir ein paar Runden gelaufen und dann haben wir mit dem Ball gearbeitet“, weiß Brommer noch genau. Zusammen mit den Iserlohnern zog man sich in der Waschküche der Gaststätte Spindeldreher um. Von dort aus ging es zu Fuß zum Sportplatz. „Nach dem Spiel wurde die Kameradschaft gepflegt, da sind wir immer noch zusammen geblieben, haben ein paar Bier getrunken und Frikadellen und Schnittchen gegessen“, berichtete Brommer. Nach seiner aktiven Laufbahn Anfang der 60er zog er sich ganz vom Fußball zurück. „Da standen die Familie und die eigene Firma im Vordergrund“, erklärte er. Seine Siebdruckerei hielt ihn auf Trab. „Als Jürgen Winter Spielertrainer in der Vodeke war, bin ich wieder zum Sportplatz gegangen. Jetzt informiere ich mich über den heimischen Sport ausschließlich durch die Zeitung.“

Alfred Hannusch (74) gab der Abwehr des TuS Iserlohn als linker Verteidiger den nötigen Halt. „Ich kann mich noch an das Tor von Pille Wilms erinnern. Der hat schon die Arme hochgerissen, da war der Ball noch gar nicht an Pinn Eggemann vorbei geflogen.“ Natürlich wurde nach dem Spiel beim TuS kräftig gefeiert. Kulinarisch war „Menne“ Hannusch da ein Außenseiter. „Für alle gab es Frikadellen und Würstchen, aber das war nichts für mich. Ich bekam dann immer mein Kotelett.“ Geld bekamen die TuS-Fußballer nicht in die Hand. Als Prämie gab es einen Gutschein für ein Paar Fußballschuhe.

Zu Zeiten, als Manfred Stimmer noch Trainer beim TuS war, traf man sich stets am alten Clubheim. „Zu den Dauergästen zählten auch Hannes Pruß, Pussy Arndt, Molle Fink, Helmut Smarsly und Bernd Wintermann.“ Heute fehlt Hannusch allerdings der Bezug zum Iserlohner Fußball, er kümmert sich zusammen mit seiner Frau Marlene um die beiden jüngsten Enkel Hanna (7) und Maximilian (2), um die berufstätigen Eltern zu entlasten. Sein jüngerer Bruder Reinhold spielte auch beim TuS, wechselte später zum ASSV Letmathe. Er wurde einfach nur „Menne Zwei“ gerufen.

Von Jürgen Schmidt

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