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Naher Osten

Eine Reise nach Palästina tief im Westjordanland

23.06.2012 | 08:45 Uhr
Eine Reise nach Palästina tief im Westjordanland
In Israeal gibt es deutlich mehr Tourismus als in Palästina.

Palästina.   Nicht viele Touristen verirren sich nach Palästina, tief im Westjordanland. Viele Urlauber besuchen Israel, geben ihr Geld dort aus und fahren nicht weiter. Wer seine Tour nicht über israelische Organisationen buchen will, muss gezielt nach anderen Wegen nach Palästina suchen.

Die Stadt scheint aus allen Nähten zu platzen. Verschleierte Frauen tragen Einkaufstüten nach Hause, Männer in Anzügen eilen zu Geschäftstreffen, aus endlosen Autokolonnen sticht hin und wieder ein Wagen der UN hervor. Im „Stars & Bucks“, der palästinensischen Kopie der US-Kette, rauchen Jugendliche Wasserpfeifen auf gemütlichen Sofas. Aus dem Fernseher dudelt ein Musiksender. „Ich nenne das hier die Fünf-Sterne-Besatzung“, sagt Sam Bahour. „Ramallah erweckt den Eindruck, alles sei sehr relaxed.“

Tatsächlich sei die Lage sicherer als in den meisten Städten der USA, meint der Amerikaner. Seit 20 Jahren schon lebt er in Ramallah , der inoffiziellen Hauptstadt Palästinas. Hier gibt es kulturelle Angebote und internationale Vertretungen. Hier ist das Zentrum der palästinensischen Wirtschaft und Politik. Trotzdem verirren sich kaum ausländische Besucher so tief ins Westjordanland.

Die Checkpoints mögen abschrecken. In Wahrheit scheitert der Tourismus in Palästina aber schon tausende Kilometer vor den von israelischen Soldaten bewachten Mauern und Stacheldrähten, weil die lokalen Reiseveranstalter keine Kontakte ins Ausland haben. „Palästina wird touristisch boykottiert, es bekommt nur die Krümel von Israel ab“, kritisiert Andreas Kuntz, der als deutscher Lehrer an der Dar al Kalima Fachhochschule in Bethlehem palästinensische Touristenführer ausbildet. „Die Pilger geben ihr Geld in Israel aus und kommen dann mit einem israelischen Reiseführer nach Palästina, der sie lehrt, die Palästinenser zu hassen.“

Wer seine Tour nicht über israelische Organisationen buchen will, muss schon gezielt suchen nach Menschen wie Abu Hassan. Seit 18 Jahren arbeitet der Palästinenser als Touristenführer, hat seine eigene Firma aufgebaut. Ihm ist wichtig, „dass die Menschen mit eigenen Augen sehen, was hier los ist“. Nur ungern begleitet er Gruppen nach Jericho – eine Stadt im Jordantal , die die Touristen mit ihren Sehenswürdigkeiten nur von den Problemen des Landes ablenke: Hier liegt der Berg der Versuchung, auf dem Jesus dem Teufel widerstanden haben soll. Hier finden sich Überreste der angeblich ältesten Stadt der Welt. Mit einer Seilbahn zum Kloster auf dem biblischen Berg gibt es sogar den Ansatz einer touristischen Infrastruktur.

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Kommentare
24.06.2012
05:21
Enteignender Sprachgebrauch dient der Geschichts- und Gegenwartsklitterung, nicht dem Verständnis
von Ani-Metaber | #3

Ramallah ist nicht irgendeine „inoffizielle“ Hauptstadt eines Palästinas, sondern notgedrungen der Verwaltungssitz der Autonomiebehörde, weil „Israel“ ihren Sitz in Ostjerusalem nicht zulässt, das es völkerrechtswidrig annektiert, aus dem Westjordanland rausgebrochen und erweitert hat.

Wer berücksichtigt, dass 1948 der Staat „Israel“ in Palästina ausgerufen wurde, der weiß, dass man bei einem Besuch Israels die Region Palästina betritt und dort auch auf Palästinenser trifft. Es wird sich dort an allen Orten lohnen, nach den Spuren der alten Dörfer und Friedhöfe, den angelegten Plantagen und Hainen zu suchen, die bis zu ihrer Vertreibung von den indigenen Palästinensern bewohnt, angelegt und gestaltet waren.
Wollte man hingegen den Begriff „Palästina“ auf das reduzieren, was die Israelis den Palästinensern im Westjordanland übrig zu lassen gedenken, so macht man aus diesem Begriff eine Art verschwommener „Sandbank“, von der nach jeder Sturmflut noch ein Stück weniger übrigbleibt.

23.06.2012
21:57
Eine Reise nach Palästina tief im Westjordanland
von guentherpaul | #2

#1
Eine etwas einseitige Darstellung, aber das ist ihr gutes Recht. Wir können ja mal gemeinsam die Westbank besuchen.

Gespräche mit den in Israel lebenden Arabern, immerhin 20% der Gesamtbevölkerung, beweisen mir immer wieder, dass diese Araber lieber in Israel als in einem arabischen Staat leben.

Aus versicherungstechnischen Gründen (Steine) kann man mit einem israelischen Mietwagen nicht in die von Palestinensern verwalteten Gebiete oder in die Nachbarstaaten fahren. Tipp: Am Checkpoint parken und auf der anderen Seite fragen. Bei einigem Verhandlungsgeschick bekommt man Fahrer und Führer für jeweils 100 Dollar. Ist das Geld immer wert. No go sind Syrien, Libanon und Gazastreifen.

1 Antwort
Wer ausgewogen darstellen möchte, der sagt: Die auch in diesem Jahr stattgefunden habenden
von Ani-Metaber | #2-1

Proteste am Tag des Bodens, zurückgewiesene Anträge auf Rückgabe von Grund- und Hausbesitz durch den israelischen Staat gegenüber binnenvertriebenen Palästinensern in „Israel“ beweisen,
dass die Palästinenser mit israelischen Pass es sicher begrüßen würden, wenn die Zuwanderer in ihre Ursprungsländer zurückkehren und statt dessen die vielen Verwandten und Angehörigen der „israelischen“ Palästinenser, denen bislang die Rückkehr auf ihrem Grund und Boden verwehrt wird, heimkehren könnten.

„Jedes Jahr am 30. März begehen die Palästinenser den »Tag des Bodens«. Sie erinnern damit an einen Generalstreik und an Demonstrationen im März 1976. Damals hatten die israelischen Behörden Tausende Hektar Land beschlagnahmt..“

http://www.neues-deutschland.de/artikel/222327.jerusalem-sollte-allen-zugaenglich-sein.html

23.06.2012
10:52
Eine ganze Generation wirft Steine
von vantast | #1

Ich denke, mehr als eine Generation. Ich verfolge die Situation dort seit vielen Jahrzehnten, nichts ist besser geworden. Israel schikaniert weiter gegen jedes Menschen- und Völkerrecht die Palästinenser, wo es nur kann, damit sie aus Verzweiflung ihr Land verlassen, und der Westen läßt aus Feigheit alles geschehen. Es sind sehr freundliche Menschen dort, sie haben unsere Unterstützung dringend nötig, sich gegen den übermächtigen militärischen Goliath zu behaupten. Die geworfenen Steine sind nur ein Ausdruck des großen, hilflosen Zorns.

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