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Muziekbiennale

Wo das Paradies zu Hause ist

21.06.2012 | 20:00 Uhr
Wo das Paradies zu Hause ist
Das „Calefax“-Quintett spielt zur Eröffnung der Muziekbiennale.

Am Niederrhein.  Mit 50 Konzerten belebt die „Muziekbiennale 2012“ von Ende August bis Oktober den niederrheinischen Kulturraum zwischen Xanten und Nimwegen, Venlo und Viersen.

„Wissen, müssen Sie wissen, ist nicht nur Macht,“ sagte Hanns Dieter Hüsch 1997 zweideutig während des zweiten, vom Kulturraum Niederrhein veranstalteten legendären Musikfestes auf Schloss Wissen. Dieser älteste und bedeutendste Adelssitz am Niederrhein steht nicht nur für Musik, er verkörpert sozusagen die Geburtsstunde eines inzwischen breitbrüstigen Kulturselbstverständnisses, das den Niederrhein aus seinem Schattendasein erlöste, um die Schätze der Region geballt präsentieren zu können. Engagierte Niederrheiner wie Peter Landmann, Jürgen Schmude oder Fritz Behrens zogen 1992 in Moers dem Niederrhein seinen kulturprovinziellen Mantel aus und passten ihm ein zukunftsorientiertes, aufgewecktes und innovatives „Kulturraum Niederrhein“-Image an. Der heute in Kempen residierende Verein hütet 30 Kommunen und vier Kreise unter einem neuen Mantel, was jedoch das Vermarkten der Gesamtregion nicht immer einfach macht.

Das Paradies – nach einer Sage angeblich in niederrheinischer Landschaft in Warbeyen bei Kleve angesiedelt - existiert immer noch im Grenzgebiet zwischen Rhein und Maas, im städtischen Lebensraum zwischen Kleve und Mönchengladbach, Nimwegen und Xanten, Venlo und Viersen. In diesem Garten Eden auf Schloss Wissen in Weeze feiert der Kulturraum Niederrhein am 25. August sein zwanzigjähriges Jubiläum und eröffnet gleichzeitig die „Muziekbiennale 2012“.

Von Bosch bis Heine

In einem Wandelkonzert, das Schlossgebäude, Kapelle und Pferdestall des historischen Adelssitzes des Hausherrn Raphaël Freiherr von Loë nutzt, präsentiert das niederländische Quintett „Calefax“ seine vom Triptychon „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch inspirierte Blechbläsermusik. Der französische Komponist Jean-Philippe Rameau bietet dem niederrheinischen Publikum Klänge aus der Vogelwelt an, die er in seinem Werk „Le Rappel des Oiseaux“ in Musik umgesetzt hat. In der Schlosskapelle spielt das Mittelalterensemble „Ala Aurea“ Musik der Mystikerin Hildegard von Bingen. Im Innenhof „begrünen“ magische Lichtspiele die Bäume und Mauern, während im Pferdestall ein Film Einblicke in weltweit angelegte Paradiesgärten der christlichen, islamischen und jüdischen Kultur gibt.

Skurrile Figuren aus Boschs Gemälde flanieren auf dem Gelände, im „weißen Salon“ kann sich das Publikum gegen Bons paradiesische Geschichten vorlesen lassen. Das Duo Markus Schäfer (Tenor) und Tobias Koch (Klavier) stellt aus mehr als einhundert vertonten Versionen des Heinrich Heine-Gedichtes „Du bist wie eine Blume“ mehrere Beispiele vor und stellt damit das Gartenthema auf paradiesisch vor. Die Lebenshilfe Viersen koordiniert mit Behinderten aus Willich und Viersen eine Klanginstallation in Bäumen.

Nach dem 25. August stehen während der Muziekbiennale mehrere Wochen 50 Konzerte bei 30 Veranstaltern im Kalender, von touristischen Wochenendprogrammen bis zu Angeboten für Kinder und Familien. Jedes Konzert findet viermal statt, so dass niemandem ein Programmpunkt entgeht.

Info: Umfassende Informationen stehen im Programmmagazin „Garten Eden/Hof van Eden“ des Kulturraums Niederrhein, sowie unter der Internetadresse www.muziekbiennale.eu.
Für die Jubiläumsveranstaltung am 25. August gibt es verschiedene Tickets zwischen 12 und 21 Euro. Vorverkaufsstellen: Kulturraum Niederrhein (Tel.: 02152-8097994), Kultur- und Verkehrsamt der Gemeinde Weeze (Tel.: 02837-910116).

Klaus Hübner



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