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Schulbank statt Schreibtisch

27.06.2012 | 21:00 Uhr
Schulbank statt Schreibtisch
Haben es schwerer auf dem Arbeitsmarkt als Deutsche: Frauen mir Migrationshintergrund

Am Niederrhein.   Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen lieber ein Berufskolleg

Der Migrationsbericht, den die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, gestern in Berlin vorlegte, macht eines ganz deutlich: Migranten holen in Sachen Bildung deutlich auf. Dennoch sind sie immer noch doppelt so häufig arbeitslos wie die Gesamtbevölkerung. Diese bundesweite Tendenz ist auch am Niederrhein spürbar. Allerdings sind die Daten nicht unbedingt vergleichbar. „Wir unterscheiden nicht zwischen Migranten und Deutschstämmigen, sondern nur zwischen Deutschen und Ausländern“, räumt Michael Niel, Sprecher der Arbeitsagentur im Kreis Wesel ein.

Da sind die Quoten eindeutig. In Duisburg liegt die Arbeitslosigkeit unter Ausländern bei 27,5 Prozent, in der Gesamtbevölkerung sind es lediglich 12,9 Prozent. Auch im Bereich der Arbeitsagentur Wesel (Kreise Kleve/Wesel) sieht das Bild kaum anders aus. Da stehen 14,6 Prozent Arbeitslosigkeit unter Ausländern 6,6 Prozent unter deutschen Staatsbürgern gegenüber.

Für Guntram Schneider, NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales, sind diese Zahlen keine Überraschung. „Das liegt nicht nur an der immer noch geringeren Qualifikation von Migranten, sondern auch an der Tatsache, dass es diese Gruppe häufig schwerer am Arbeitsmarkt hat.“ Deshalb habe man unter anderem auch anonymisierte Bewerbungen eingeführt, die mittlerweile auch von einigen Konzernen genutzt würden, um die wirklich qualifiziertesten Fachkräfte zu bekommen.

Bessere Abschlüsse

Doch das Problem liegt nicht nur bei Arbeitgebern, sondern auch am deutlich sichtbaren Hang zu besseren Schulabschlüssen. „Viele junge Migranten drücken lieber die Schulbank auf einem Berufskolleg, um einen höherwertigen Abschluss zu erlangen, statt eine Berufsausbildung zu beginnen“, beklagt der Minister.

Das liege auch daran, dass das System der Berufsausbildung in anderen Kulturen nicht so stark verankert sei.

Leyla Özman, Integrationsbeauftragte der Stadt Duisburg, sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Wir müssen an der Schwelle zwischen Schule und Berufsausbildung ansetzen.“ Einen interessanten Ansatz beschreitet zum Beispiel die Akademie Klausenhof in Hamminkeln mit dem Projekt „Kolay Gelsin!“, das die islamischen Moscheegemeinden in die Berufsinformation einbindet. „Gerade die Moscheen und die Vorbeter eignen sich gut als Multiplikatoren“, betont Michael Niel von der Arbeitsagentur Wesel..

Markus Peters



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