Das aktuelle Wetter NRW 5°C
Politik

Kann das auch in Deutschland passieren?

13.03.2011 | 17:28 Uhr

Essen. Nuklearer Notstand im Atomkomplex Fukushima. Die Erdstöße haben die Kühlsysteme in mehreren Reaktorblöcken beschädigt. Notstromaggregate sprangen nicht an. Verzweifelt versuchen Techniker, die Reaktorkerne mit Meerwasser zu kühlen. Kann das auch in Deutschland passieren?

Niemals, sagt das Deutsche Atomforum, der Branchenverband der Atomwirtschaft: „Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar“, hieß es in einer Erklärung. Das Argument: Grundsätzlich seien die deutschen Siedewasserreaktoren Isar 1, Krümmel, Brunsbüttel, Gund­remmigen A/B und Philippsburg 1 mit den japanischen vergleichbar. Doch die älteren japanischen Anlagen hätten lediglich zwei Stränge der Sicherheitssysteme. Deutsche Anlagen verfügten über vier Barrieren, die radioaktive Stoffe zurückhalten sollen.

Zudem stünden in deutschen Reaktoren mehr Dieselgeneratoren für die Stromversorgung zur Verfügung und es gebe Anschlussstellen für ex­terne Generatoren.

Kernkraftgegner indes be­fürchten, dass von den deutschen Anlagen sehr wohl ein Risiko ausgehen könne. Auch der Rheingraben ist eine geologische Bruchzone, in der es zu kleineren Beben kommen kann. Hier stehen die Atomkraftwerke Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis sowie der Reaktor Fessenheim in Frankreich. Die Kraftwerksbetreiber erklären dazu, dass die Anlagen im Umkreis von 200 Kilometern gegen ein „nach wissenschaftlichen Erkenntnissen maximal auftretendes Erdbeben“ gesichert seien.

Für Michael Sailer, Ge­schäftsführer des Öko-Instituts und Mitglied der Reaktorsicherheitskommission, sind die Unterbrechung der Stromversorgung und der Ausfall des Kühlsystems aber auch aus an­deren Gründen denkbar: Wartungsfehler oder Terroranschläge durch gezielte Flugzeugabstürze. Das Darmstädter Institut stellte 2007 in einer Studie fest: „Bei den ältesten, nicht explizit gegen Flugzeugabsturz ausgelegten Kernkraftwerken, ist bei realistisch möglichen Absturzszenarien eine großflächige Zerstörung des Reaktorgebäudes nicht sicher ausgeschlossen. In der Folge kann es zu einer Kernschmelze kommen.“

Jürgen Polzin


Kommentare
14.03.2011
15:40
Kann das auch in Deutschland passieren?
von meinemeinungdazu | #1

Ja, es kann passieren. Das Restrisiko bleibt. Und Tschernobyl wie Japan haben gezeigt, was Restrisiko sein kann. Abgesehen von den vielen Zwischenfällen, die verheimlicht und verniedlicht wurden. Nur Abschaltung kann die Lösung sein. Oder wollen wir in unserem kleinen Land erst das Restrisiko erleben? Es bleibt, mit allen Folgen. Das ist Fakt. Und jeder, der der Atomwirtschaft noch das Wort redet, will die tatsächlichen Folgen des Restrisikos nicht sehen. Sie handeln nicht im Sinne des Volkes.

Aus dem Ressort
Amtsinhaber Bouteflika gewinnt Präsidentenwahl in Algerien
Algerien
Abdelaziz Bouteflika bleibt wie erwartet Präsident in Algerien. Die Opposition in dem öl- und gasreichen Land spricht von dreistem Wahlbetrug. Echte Beweise dafür gibt es jedoch bislang nicht.
Rüstungsfirmen wollen schneller über Exporte informieren
Waffenexporte
Die Rüstungs-Unternehmen wollen die Öffentlichkeit schneller über Waffenlieferungen ins Ausland informieren. Damit kommt die Industrie einer Forderung der Bundesregierung nach. Bislang werden Rüstungsgeschäfte manchmal erst nach zwei Jahren gemeldet.
Ukraine sagt "Sonderstatus" für russische Sprache zu
Ukraine
Auch nach der Unterzeichnung des Friedensplans bleibt die Lage in der Ost-Ukraine gespannt. Die pro-russischen Kämpfer weigern sich, die besetzten Gebäude zu freizugeben. Der Friedensplan sieht Gewaltverzicht beider Seiten vor — und die Entwaffnung der Separatisten.
Bundesagentur will höhere Hartz-IV-Hürden für Selbstständige
Arbeitsmarkt
Sie betreiben einen Imbiss, arbeiten als freie Fotografen oder als freischaffende Künstler. Über die Runden kommen sie aber nur mit Hilfe der Jobcenters. Das will die Bundesagentur jetzt einschränken.
"Bürgerliste" wirbt mit dunkelhäutigem Verbrecher um Stimmen
Wahlkampf
Peinliche Panne im Kommunalwahlkampf in Dortmund: Von Wahlplakaten der "Bürgerliste" zum Thema "innere Sicherheit" blickt ein grimmiger dunkler Verbrecher herab. Setzt die "Bürgerliste" Gewalt und Kriminalität mit dunkelhäutigen Menschen gleich? Der Vorsitzende verneint. Schuld sei die Druckerei.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?